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Kultur „Vollblüter“: Auch brave Mädchen morden
Nachrichten Kultur „Vollblüter“: Auch brave Mädchen morden
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06:01 09.08.2018
Erstaunliche kriminelle Energie: Lily (Anya Taylor-Joy, l.) und Amanda (Olivia Cooke). Quelle: Foto: Universal
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Hannover

Um Pferde geht es hier nur am Rande: Die Vollblüter im Titel tauchen zwar auf und sind tatsächliche sensible Vertreter ihrer Rasse, doch trifft diese Charakterisierung genauso auf die beiden Protagonisten dieses leicht satirischen Teenager-Thrillers zu. Sie heißen Amanda (Olivia Cooke) und Lily (Anya Taylor-Joy) und leben in einer wohlhabenden Vorstadt in Connecticut. Seit dem Tod von Lilys Vater haben sie sich nicht mehr gesehen, obwohl sie früher beste Freundinnen waren. Nun treffen sie, arrangiert von einer ihre Mütter, wieder aufeinander und verstehen sich auf Anhieb – trotz ihrer unterschiedlichen Wesensart. Amanda ist nach eigener Aussage emotionslos, Gefühle hat sie sich bestenfalls als gute Beobachterin antrainiert. Lily dagegen reagiert auf kleinste Vorfälle höchst emotional.

Beides kauft man als Zuschauer den Teenagern sofort ab, so gut agieren die beiden Hauptdarstellerinnen unter der präzisen Regie des Kinodebütanten Cory Finley. Ihm gelingt das Kunststück, dass sein dialoglastiger Film stets unterhaltsam ist und immer spannender wird. Dabei zeigt „Vollblüter“ in der ersten Hälfte nur, wie zwei junge Frauen gemeinsam abhängen und chillen, in den Tag hineinleben und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Irgendwann gesteht Amanda, dass sie ihren ungeliebten Stiefvater Mark (Paul Sparks) am liebsten umbringen würde. Warum? Das bleibt rätselhaft wie vieles in diesem Film. Finleys Inszenierung lässt bewusst vieles in der Schwebe.

Aus Fantasie wird ein perfider Plan

Aus Amandas Mordfantasien wird bald ein perfider Plan geschmiedet. Als Handlanger haben Amanda und Lily Tim auserkoren, einen kleinen Drogendealer und großen Traumtänzer, den der mittlerweile verstorbene „Star Trek“-Schauspieler Anton Yelchin verkörpert. Tim stimmt zu, nicht zuletzt weil die zwei ihn wegen einer Affäre mit einer Minderjährigen erpressen. Sorgsam planen die Teenager ihr jeweiliges Alibi. Die kriminelle Energie, die sie dabei an den Tagen legen, ist erstaunlich. Die zwei wirken wie ganz normale Teenager, ein bisschen dekadent, irgendwie liebenswert.

Aber auch brave Mädchen können morden, das behauptet zumindest Finley in seinem viel gelobten Drama, um es dann auch drastisch in einer phänomenal guten Szene zu beweisen. Es fließt tatsächlich Blut, doch der eigentliche Gewaltexzess wird nie gezeigt. Das wiederum regt den Zuschauer an, sich das Grausame selbst vorzustellen und dabei zu überlegen, wie weit die beiden Mädchen wohl gegangen sind. Indizien für einen tatsächlichen Mord gibt es in einer Szene, in der Amanda beschreibt, wie sie ihr Reitpferd wegen einer schweren Erkrankung eigenhändig getötet hat – mit einem Messer und ohne jegliche emotionale Regung. In solchen Momenten wird aus dem Thriller eine beängstigende Charakterstudie zweier junger Menschen.

Von Ernst Corinth / RND

Sie ist die bekannteste Thrillerautorin der USA. Im Interview erzählt sie von ihrer Inspiration, verrät den Zusammenhang zwischen ihrem Werk und ihrem blutigen Namen und weshalb ihr neuer Roman erstmals in Deutschland spielt.

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