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11:11 06.12.2018
Der Welterklärer: Der US-amerikanische Gesellschaftskritiker Noam Chomsky. Quelle: Uli Deck/dpa
Washington

Er ist ein unbequemer Denker, in der Linguistik und erst recht in der Politik: der US-amerikanische Sprachwissenschaftler und Intellektuelle Noam Chomsky. Am 7. Dezember wird er 90 Jahre alt. Für manche politisch links denkende Menschen ist er der Orientierungsautor schlechthin bei Fragen von Macht und Gesellschaft. In vielen US-Medien freilich muss man lange suchen nach einem Chomsky-Text.

Avram Noam Chomsky kam 1928 in Philadelphia als Sohn jüdischer Einwanderer zur Welt, der Vater stammte aus der Ukraine, die Mutter aus Russland. Seit den 60er Jahren wurde er weltweit bekannt als unermüdlicher Kritiker von US-Regierungen, von Globalisierung und Kapitalismus. Er hat mehr als 100 Bücher verfasst, wurde mit Preisen und Ehrendoktorwürden auf der ganzen Welt ausgezeichnet. Seine Erkenntnisse zur Linguistik waren bahnbrechend für die moderne Sprachwissenschaft.

Chomsky schreibt, um zu erklären, wie politische Entscheidungen funktionieren. Seiner Ansicht nach richten sich diese in den USA häufig gegen Demokratie und die Interessen der Mehrheiten. Er schreibt an gegen Konzentration der Macht im Dienst der Begüterten, Klimazerstörung, Militarismus und gegen den Mythos vom amerikanischen Traum.

1961 wurde er ordentlicher Professor an der Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology in Cambridge in Massachusetts. Inzwischen ist er emeritiert, und seit 2017 lehrt er an der eher bescheidenen, doch sprachwissenschaftlich renommierten University of Arizona in Tucson.

Ungleichheit in den USA sei „nahezu beispiellos“

Sein jüngstes großes Buch erschien in Deutschland 2017 unter dem Titel „Requiem für den amerikanischen Traum“. Darin prangert er an, dass die Ungleichheit in den USA heute „nahezu beispiellos“ sei. Die US-Geschichte sieht Chomsky als Gegensatz zwischen den Forderungen nach mehr Demokratie und Freiheit von unten und dem Vorgehen der Oberen dagegen. Subtile Propaganda sei dabei ein wichtiges Herrschaftsmittel.

Seine Worte sind zuweilen hart und rigoros. Es habe in der Vergangenheit zum Thema Klimaveränderung und relativer Tatenlosigkeit der Entscheidungsträger „viele Monster“ gegeben, erklärte Chomsky kürzlich im Interview mit einem Blogger des Wissenschaftsmagazins „Scientific American“. Doch „es wäre schwierig, eines zu finden, das so entschlossen war, die Zukunftsaussichten der organisierten menschlichen Gesellschaft zu schwächen .... um ein paar Dollar mehr in übervolle Taschen zu stecken“, sagte er mit Blick auf Vertreter von Industrie und Politik, die im Namen des Profits an fossiler Energie festhalten und die Konsequenzen für das Weltklima verleugnen.

Das Establishment der USA hat es schwer mit diesem Professoren, der immer wieder gerne Geglaubtes infrage stellt. Etwa die grundlegende Annahme vieler US-Amerikaner, ihre Nation sei eine „Kraft für Freiheit“. Noam Chomsky kontert mit Zitaten aus geschichtlichen Werken und Regierungsberichten über US-Gräuel im Vietnamkrieg und anderen Konflikten von Nicaragua bis zum Irak.

Mag es in der Werbung für „Requiem für den amerikanischen Traum“ und wohlwollenden Kommentaren heißen, der Professor gelte als der „bedeutendste Intellektuelle der Vereinigten Staaten“: In den großen US-Medien kommt Chomsky gegenwärtig kaum vor. CNN hat keinen Raum für Konsens-sprengende Fragen des alten Mannes, der in den 60er Jahren die US-Politik in Vietnam infrage gestellt und danach nicht mehr aufgehört hat mit der Kritik. Es stört offenbar, dass bei Chomsky die USA gewöhnlich als Bösewicht erscheinen.

Die Theorie einer „Universalgrammatik“

Die Thesen des jungen Chomsky zur Linguistik störten schon in den 50er Jahren die damalige Ordnung der Wissenschaft, geprägt von Verhaltenstheoretikern denen zufolge Lernen durch Reaktionen auf die Umwelt zustande kommt. Er entwickelte die Theorie einer „Universalgrammatik“ – beim Menschen sei die Sprachfähigkeit angeboren.

Wie kann die Welt lernen, ihren eigenen Untergang zu verhindern – das beschäftigt den politischen Noam Chomsky. Und er sieht dabei nicht nur schwarz. Die existenziellen Bedrohungen des Nuklearkrieges und der globalen Erwärmung könnten vermieden werden. Es habe in der Vergangenheit viel größere Herausforderungen für junge Menschen gegeben als die heutigen, sagte er der Zeitschrift „Scientific American“. Und die der Vergangenheit seien durch engagiertes Handeln überwunden worden.

Der Umzug quer durch Amerika nach Tucson? Seine Ehefrau Valeria Wasserman Chomsky und er hätten sich in die Stadt im Südwesten verliebt, erläutert Noam Chomsky im Informationsdienst der Universität. „Die Berge, die Wüste.... Tucson hat eine friedvolle Atmosphäre.“ Die Stadt rund 100 Kilometer nördlich von Mexiko liegt in der Sonora-Wüste und grenzt an den spektakulären Saguaro Nationalpark. Karl Mays Romanfigur Winnetou war dort unterwegs gewesen, im Land majestätischer Kakteen.

Die Linguistik-Abteilung der Universität sei hervorragend, sagte Chomsky, viele seiner früheren Studenten seien dort tätig. Seine Frau und er hätten das Gefühl gehabt, die Universität sei „ein guter Ort sein, um zu arbeiten und denken“. Nach Ruhestand hört sich das nicht an.

Von RND / epd

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