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Kultur Thea Dorn und ihr Manifest zu Heimat und Leitkultur
Nachrichten Kultur Thea Dorn und ihr Manifest zu Heimat und Leitkultur
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05:02 08.05.2018
Die Schriftstellerin Thea Dorn grenzt sich von rechts und links gleichermaßen ab. Quelle: dpa
Berlin

Darf man Deutschland lieben? Diese Frage wird derzeit in der Politik und in den Echoräumen des Internets sehr emotional diskutiert. Die Autorin Thea Dorn hat nun ihr Manifest „deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“ in die Debatte eingebracht. Darin mahnt sei an, Begriffe wie Heimat, Leitkultur und Nation nicht den Rechten zu überlassen. Die Moderatorin der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ grenzt sich gegen den „pöbelnden Muffhaufen, der Ressentiments schürt“ gleichermaßen ab wie von einer Linken, die Begriffe wie Heimat und Nation per se verteufelt. Sie plädiert stattdessen für einen „aufgeklärten Patriotismus“. Der SPD-Politiker und frühere Außenminister Sigmar Gabriel adelt Dorn in einem „Spiegel“-Artikel, in dem er ihr ein „zeitgemäßes Heimatverständnis ohne Kitsch und Folklore“ attestiert.

„Das Problem mit der Heimat besteht eben darin – dass der Begriff stets eine Verlusterfahrung oder Verlustbefürchtung mitschwingen lassen muss, um seinen emotionalen Wert zu entfalten“, hat Jens Jessen jüngst in der „Zeit“ geschrieben. Thea Dorns Buch ist der Versuch, Heimat als positiven Begriff wieder neu zu entdecken. Mit der Detailtreue, mit der sie einer deutschen Kultur zwischen „Tatort“, Matthäus-Passion und Reinheitsgebot nachspürt, ist die Publizistin Horst Seehofer, dem frisch installierten Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, eine Nasenlänge voraus. Auch er hat gerade in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ versucht, den Heimatbegriff frei zu waschen von potenziell fremdenfeindlichem Dünkel. „Heimatpolitik ist stets eine Politik der Vielfalt“ schreibt er da – und beschreibt die identitätsstiftende Bedeutung des deutsch-türkischen Kabarettisten Django Asül in Bayern.

Dorn beschreibt im Rückgriff auf die deutsche Geistesgeschichte von Schiller bis Thomas Mann einen neuen Kulturpatriotismus. Damit richtet sie sich an das wohl saturierte Bürgertum, jene Intellektuellen, die sich nach Auffassung der Autorin auch im Hinblick auf die umstrittene „Erklärung 2018“ zunehmend rechts orientieren.

Der Wald als Urbild deutscher Kultur: Thea Dorn orientiert sich an der Romantik. Quelle: ZB

Klassische Bildung erscheint bei Dorn als Heilsbringerin, das klingt mitunter arg idealistisch. Allerdings stellt sich die Publizistin auch selbst infrage, indem sie beschreibt, dass es Auschwitz nicht trotz, sondern wegen der deutschen Kultur gegeben habe, wie es der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész immer wieder formulierte.

Dorn schreibt viel über Geschichte, wenig über aktuelle Kulturerscheinungen. Allerdings gesteht auch sie zu, dass Kulturen einem steten Wandel unterzogen sind. Sie gibt das Beispiel des Fußballs: Lange galt das Turnen als deutsche Form der Körperertüchtigung. Im 19. Jahrhundert habe der Fußball hierzulande noch als „proletarische Fußballlümmelei“ gegolten. Erst das Wunder von Bern habe dieses Bild geändert. Dorn bestreitet jedoch, dass der Döner inzwischen Teil der deutschen Kultur geworden sei – eben so wenig wie Spaghetti, die zwar überall in Deutschland gegessen werden, aber immer noch italienisch seien.

Thea Dorn hat sich bereits 2011 gemeinsam mit dem Schriftsteller Richard Wagner auf Spurensuche begeben. In „Die deutsche Seele“ beschreiben sie anhand von Begriffen wie „Abendbrot“ über „Gemütlichkeit“, „Narrenfreiheit“, „Strandkorb“ bis „Zerrissenheit“, was es mit dem Deutschen auf sich hat. Jener letzte Begriff ist besonders zentral, das stellt Dorn auch in ihrem aktuellen Buch heraus. Es handelt sich dabei um ein zentrales Stichwort der Romantik, Dorns Herzensthema, das sie auch in ihrem Roman „Die Unglückseligen“ aufgreift. In „deutsch, nicht dumpf“ knüpft sie auch metaphorisch an die Epoche der Romantik an und bezeichnet die Sucher in Sachen Patriotismus als „Förster im deutschen Wald“. Es wurde Zeit, dass dieser von jemandem durchstreift wird, der sein Refugium nicht allein mit Grenzzäunen schützen will.

Thea Dorn: „deutsch, nicht dumpf: Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten“

Albrecht Knaus Verlag, München 2018

336 Seiten, 24 Euro

Von Nina May/RND

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