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Kultur Samy Deluxe über sein Unplugged-Album
Nachrichten Kultur Samy Deluxe über sein Unplugged-Album
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07:02 11.09.2018
Samy Deluxe MTVG Unplugged Quelle: Janick Zebrowski
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Hannover

Es ist kein „MTV Unplugged“-, es ist ein „SaMTV Unplugged“-Album. Der Hamburger Hip-Hopper Samy Deluxe (40) lud zur Werkschau. Interview mit einem musikalischen Überzeugungstäter.

Vor zwei Jahren erschien Ihr Album „Berühmte letzte Worte“, jetzt „SaMTV Unplugged“ – was kann da noch kommen?

Einiges, glaube ich. Das hat beides ein bisschen Abschiedscharakter, ist aber nicht so gemeint. Es ist eher die Möglichkeit, ein Resümee zu ziehen und weiterzumachen. Und die Chance, viele von den Songs auf ein Level zu hieven, wo sie hingehören, was aber damals bei den Aufnahmen nicht immer möglich war. Sei es wegen meiner Performance, sei es wegen der Produktion.

Die ist üppig. Was aber fast noch mehr ins Ohr fällt, ist das ungeheure Tempo, das Sie an den Tag legen.

Viele Silben in wenig Zeit. wahrscheinlich sage ich in den zwei Stunden mehr als andere in ihrer Karriere.

Haben Sie alles an einem Tag aufgenommen?

Nein, es waren drei Drehtage, zwei offizielle und eine Generalprobe. Daraus haben wir das Beste genommen. Wobei wir uns jeden Tag krass gesteigert haben.

Wie lief die Vorbereitung?

Ich habe einen Musical Director, Hazy, der den Löwenanteil erledigt hat. Aber es haben noch ein paar andere Leute Sachen vorproduziert. Die Bläsersätze zum Beispiel hat der Posaunist geschrieben, der auch mitgespielt hat. Es war ein ziemliches Patchwork. Und ist jetzt eine Reise durch meine History.

Wann ging es los?

Ab Mitte vergangenen Jahres, als ich das Go hatte, habe ich eine Location gesucht – und erst Ende des Jahres gefunden. Ich wollte nicht anfangen zu planen, bevor ich nicht wusste, an welchem Ort ich aufnehme. Es sollte so speziell sein wie die Tropfsteinhöhle von den Fantas, aber natürlich etwas Anderes.

Es ist ein Schiff geworden.

Ja, das war der perfekte Kompromiss. Alle hatten irgendwelche Einwände. Aber dann sind wir hingegangen, in den Hamburger Freihafen. Und es war genau das Richtige.

Ließen sich alle Songs gleich gut umsetzen?

Es war nie so, dass es gar nicht funktionierte. Aber es gab Sachen wie „Zurück zu Wir“ von Max Herre, das im Original ein ganz zurückhaltender Beat ist, eigentlich nur Drums, Gitarre, Bass. Da dachten wir – gerade bei der kurzen Probenzeit –, das ist einer der Songs, den wir einfach nur spielen müssen; den können wir noch vor uns herschieben. Aber dann funzte es überhaupt nicht. Und dann habe ich mich nochmal mit Moritz, unserem Gitarristen, herumgejammt und es viel schneller gespielt, und plötzlich funktionierte es.

Gab es Vorgaben von MTV? Zum Beispiel, was musikalische Gäste angeht?

Gab es so nicht. Wobei es natürlich viele Musiker gibt, die nicht so regelmäßig Kollaborationen machen wie ich. Ein normaler Popkünstler macht das vielleicht zweimal in seiner Karriere. Bei uns Rappern ist es automatisch mehr. Ich habe am Anfang gesagt: „Ich würde den, den, den, den einladen und die, die, die ...“ Da kam nur: „Alles klar, ja.“ Jetzt habe ich, glaube ich, die längste Featureliste, die je bei MTV produziert wurde. Und da ist niemand vom Label dazu gekauft. Die haben alle Lust, mich zu unterstützen, weil ich sie auch unterstützt habe.

Wenn Sie sich jetzt diese History, wie Sie es nennen, anschauen: Würden Sie alles noch einmal so machen?

Ich bin generell sehr froh darüber, wo ich jetzt bin und was ich gemacht habe. Aber als ich die Liste für das Konzert zusammengestellt habe, musste ich feststellen, dass ich teilweise echt belangloses Zeug gemacht habe, was ich nie wieder hören werde. Aber man geht halt durch verschiedene Phasen, und am Ende sind von jedem Album, jedem Mixtape eben dich ein, zwei Sachen hängen geblieben, die ich Best-of-würdig finde.

Es sind erstaunlich viele politische Songs dabei.

Als ich jetzt noch einmal die Aufzeichnung gesehen habe, habe ich mich doch positiv bestätigt gefühlt, dass ich mit meiner Musik etwas richtig mache. Ich werde oft gefragt, ob ich nicht überrascht bin, dass viele dieser Songs noch so aktuell sind. Nein, bin ich nicht. Aber ich bin froh, in welcher Bandbreite ich das tue. in „Mimimi“ eben auch mal mit Humor. Bei der ganzen Rassismus-Diskussion ist man ganz schnell in dieser Betroffenheitsecke.

Wie meinen Sie das?

Betroffenheit ist keine Emotion, die ich groß in mir habe. wenn ich jetzt zum Beispiel sehe, wie manche AfD-Leute die erste Strophe von Eko Freshs „Aber“ abfeiern, da merkt man doch: Die stehen für nichts. Eine türkische Organisation oder eine Black-Power-Organisation würde doch nie etwas posten, was ein Weißer gemacht hat. Das sind richtig rückgratlose Menschen. Und ich habe schon so viele Phasen miterlebt, ob das nun die NPD war oder die DVU ... Und jedes Mal ging es wieder: „Oh, nein, wir haben Rassismus, es geht bergab. Wir dachten doch, Deutschland wäre so toll.“ Und dann zerstreiten diese Leute sich doch immer wieder untereinander, und das geht auseinander. Weil sie eben für nichts stehen, sondern nur gegen etwas. Und auf der Basis kann man keine Partei am Leben halten. Das kann man auf Dauer nicht ernst nehmen, und darum habe ich auch keine Angst vor denen.

Wie geht es weiter? Die nächste angekündigte Tour ist schon mal keine „Unplugged“-Tour.

Das ist eine ganz kurze Freestyle-Tour in Clubs. Die „Unplugged“-Tour kommt erst nächstes Jahr. Jetzt geht es erstmal nur um mich als Rapper, nicht für die Hithörer, sondern für Leute, die einfach Bock auf Hip-Hop und auf Punchlines haben.

Und danach?

Habe ich bestimmt noch 200 Deluxe-Songs herumliegen, die irgendwann releast werden. Ich bin von allen Künstlern, die ich kenne, bestimmt der produktivste. Mein Problem ist, dass mein einziges Hobby Musik ist. Ich habe mich von allen sozialen Aktivitäten außerhalb meiner Kunstwelt zurückgezogen. Ich gehe nicht in Clubs, ich gehe nicht in Bars.

Ohhhh ...

Nein. Wenn ich von einer Tour zurückkomme, denke ich immer: „Geil, kann ich wieder Musik machen.“ Das, was viele Musiker jetzt so haben, mit Familie und Kindern zuhause, habe ich ja schon hinter mir. So eine Frau, die einen nie etwas machen lässt. Dass man als Mann in einer Beziehung irgendwann nur noch Dienstleister ist, habe ich schon mit Anfang 20 hinter mir. Mein Sohn ist vor neun Jahren in die Staaten gezogen, da habe ich wieder angefangen, ein Künstlerleben zu leben. Das kann sich ändern. Vielleicht habe ich ja irgendwann Bock zu gärtnern.

Von Stefan Gohlisch

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