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Kultur “Nur Gott kann mich richten“ und mehr Filmtipps
Nachrichten Kultur “Nur Gott kann mich richten“ und mehr Filmtipps
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17:26 01.10.2018
Quelle: iStockphoto
Hannover

Chicago Med, Staffel 3. Ein Jahr lang haben wir von den DVD-Guckerbrigaden geduldig bis zum Erscheinen der dritten DVD-Box von “Chicago Med“ um Dr. Charles gebangt, der in der letzten Szene der zweiten Staffel niedergeschossen wurde. Und dann wird gleich zu Beginn von Staffel 3 fünf Monate in die Zukunft geblendet und in unserer Lieblingsärzteserie (noch vor “Emergency Room“ und “Grey’s Anatomy“) tritt – völlig undramatisch - ein topfitter und ausgeruhter Doktor Charles (Oliver Platt) vor die Kamera, der dem Tod offenbar nochmal von der Schippe gesprungen ist.

Enttäuschend glatt geht’s neuerlich in die Notaufnahme und die Operationssäle des Gaffney Medical Center von Chicago, wo Ärzte und Pfleger schnell reagieren und Nerven behalten (sowie ihre Menschlichkeit), während drastische und obskure Fälle über sie hereinbrechen – wie der besonders blutige des offenbar irren Mannes, der sich einen Menschen aus dem Bauch herausreißen will und in dessen Eingeweiden die Chirurgen dann tatsächlich eine erstaunliche Entdeckung machen.

“Chicago Med“ ist die spannendste der drei “Chicago“-Serien (es gibt noch eine über deren Polizei und deren Feuerwehr) und das liegt im dritten Durchlauf weniger an den medizinischen Geschichten, die in der zweiten Staffel markanter waren als an einem Schauspielerensemble, dass man ins Herz geschlossen hat: Außer Platt (der erneut eine dramatische Staffelfinale-Szene bekommt) sind das Nick Gehlfuss, Yaya DaCosta, Torrey DeVito, Rachel DiPillo, Colin Donnell, Brian Tee, Marylene Barrett und S. Epatha Merkerson als resolut-sorgenvolle Chief of Services Sharon Goodwin. Chapeau!

Chicago Med, Staffel 3 Quelle: Universal

Rampage – Big meets Bigger. Ihm zuzuschauen macht schwer Spaß. Vor nicht allzu langer Zeit hat Dwayne Johnson für Regisseur Brad Peyton seine Familie vor der Kalifornikalypse gerettet. “San Andreas“ war dabei ein Katastrophenfilm von beinahe heiterer Gangart. Amüsiert haben wir uns Ende vorigen Jahres auch, als der Lebendschrank Johnson in der neuen Verfilmung von “Jumanji“ den Spiele-Avatar für einen schmalen Computernerd gab.

Und jetzt ist er der beste Freund, den ein weißer Gorilla haben kann. In Peytons “Rampage“ nun gerät der eigentlich liebenswerte Affe George außer Kontrolle, nachdem er mit einem genetischen Manipulationsgas in Berührung kam. Das üble Zeug wurde im Weltraum getestet (!) und geht durch einen Unfall auf Erden nieder.

George wächst zu einer Art Albino-King-Kong heran, wird dabei zunehmend sauer und ist beileibe nicht das einzige Wesen, das unter Einfluss des Mittels durchdreht. Für alle gilt; Je größer, desto aggro. Zusammen mit der geläuterten Forscherin Kate (Naomie Harris) stellt sich Davis (Johnson) schützend vor George (soweit das bei dem Größenunterschied möglich ist). Und das reicht für einen wirklich netten Heimkinoabend.

Rampage – Big meets Bigger Quelle: Warner

Nur Gott kann mich richten. Ein Mann betet auf den Knien. Er hat Jesus und einiges mehr auf seinen Rücken tätowiert. Dass er kein heiliger Mann ist, ahnt man. Sein Blick ist ernst, entschlossen, Showdown-Augen nennt man das, dabei ist der Film gerade erst einmal eine Minute alt. Und so blendet Regisseur Özgür Yildirim, um die restlichen 99 Minuten zu füllen, erst einmal fünf Jahre zurück, als ein nächtlicher Coup jenes Ricky mit rauchenden Colts endete.

So war das: Zwei Brüder, Ricky und Rafael, ihr Kumpel Latif, eine nächtliche Werkstatt, eine wertvolle Tasche. Ein stiernackiger Russe, der nicht kleinbeigab. Es wurde blutig auf beiden Seiten, die räuberischen Brüder landeten im Knast. Fünf Jahre später will Ricky (Moritz Bleibtreu) mit einer Bar im Süden der Welt neu beginnen, und der alte Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan), den Ricky damals nicht verpfiffen hatte, liefert zur Finanzierung dieses Traums natürlich die angeblich passgenaue, todsichere, letzte krumme Tour.

Rickys Bruder ist am Ende auch wieder dabei, Rafael (Edin Hasanovic) wollte eigentlich “nie mehr Scheiße bauen“, aber er träumt auch - von einer gemeinsamen Tanzschule mit der schwangeren Freundin Elena (Franziska Wulf), die nicht mehr als Stripperin an der Stange tanzen soll. Die rosarote Zukunft versperrt die Sicht auf die wahrscheinliche Schweinerei am Ende. Dabei ist die todsichere Sache eine mit Albanern. Und kriminelle Albaner machen keine halben Sachen, das ist Krimi- und Thrillerfans bekannt. Albaner ziehen einen immer blutig über den Tisch, über den man eigentlich sie ziehen wollte.

Regisseur Özgür Yildirim ist nach dem Sci-Fi-Ausflug “Boy 7“ zu den Gangstern zurückgekehrt, die er von zehn Jahren in seinem Debüt “Chiko“ bereits ausgiebig gefeiert hatte. Damals war Hamburg Gangsterstadt, heute geht’s zu den Klein-Capones, die hinter den Glitzerfassaden der Banker-, Goethe- und Grüne-Soße-Stadt Frankfurt herumkrebsen.

Yildirims dampfendes Genre-Kino folgt amerikanischen Mustern, erzählt eine Geschichte, die - von Raoul Walsh bis Brian DePalma – vom Kino bereits tausendfach erzählt wurde. Nie werden Gangster aus Schaden klug, immer ist der Asphalt regennass als Vorbote neuerlichen Scheiterns.

Was den klischeebeladenen Thriller “Nur Gott …“ erlebenswert macht, sind das echt wirkende Milieu, die authentische Sprache und die unbändige Energie, die jedes Bild vibrieren lässt.So viel Tragödie rollt hier heran, dass selbst ein Shakespeare Taschentücher bräuchte. Gangster sterben, das ist Kinogesetz, die Frankfurter Soße ist in diesem Fall rot.

Nur Gott kann mich richten Quelle: Sony

Der Hauptmann. Er verkriecht sich vor seinen Verfolgern unter einer Wurzel, der Obergefreite und Deserteur Willi Herold (Max Hubacher). Die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs sind angebrochen, Denunzianten liefern Fahnenflüchtige und Zweifler zuhauf an fanatische Nazis aus, die es durchaus zu schätzen wissen, wenn auf den letzten Drücker noch ein paar Leute ins Grab sinken, bevor ihr eigener Kopf rollt.

Wie durch ein Wunder wird Herold nicht entdeckt, und stößt seinerseits in einer Limousine am Wegesrand in einem Köfferchen auf eine Hauptmannsuniform. Was ihm als Schutz gegen die späte Winterkälte dient, wird von dem versprengten Soldaten Freytag (Milan Peschel) sofort als Dienstgrad fehlverstanden. Mit schneidigem Tonfall und forscher Pose gelingt Herold bald auch die Unterstellung einer Bande plündernder Wehrmachtssoldaten unter Führung des nicht ganz so obrigkeitsgläubigen Sadisten Kipinski (Frederick Lau).

Und schnell wird aus dem Mummenschanz bitterer Ernst. Ein aufgebrachter Gastwirt nötigt Herold zur Ermordung eines vermeintlichen Diebes. Und schon bald gewöhnt sich der falsche Hauptmann an die NS-Methode des kurzen Prozesses. Als die Truppe ein Straflager der Wehrmacht erreicht, geschehen dann unvorstellbare Dinge, denen sich niemand wirklich in den Weg stellt. Im Chaos der letzten Tage des Dritten Reichs wird der direkte Führerbefehl Herolds zwar immer wieder bezweifelt, aber es dauert seine blutige Zeit, bis der Betrug tatsächlich auffliegt.

Regisseur Robert Schwentke (“Tattoo“, “R.E.D.“) liefert mit dem in Schwarzweiß gefilmten, mit seiner düsteren Atmosphäre fesselnden “Der Hauptmann“ seine bislang gelungenste Arbeit ab - eine rabenschwarze Köpenickiade mit unheilvoller Musik über die Macht von Uniform und Dienstgrad, basierend auf wirklichen Geschehnissen. Der pausbäckige Hubacher in der Titelrolle macht beim Zuschauen fassungslos.

Der Hauptmann Quelle: Universum

Das Zeiträtsel. Der NASA-Physiker Alex Murry (Chris Pine) glaubt – sehr zur Belustigung seiner Wissenschaftskollegen - fest daran, dass es möglich ist, Millionen Lichtjahre ohne Vehikel zurückzulegen und so an Orte zu gelangen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Eines Tages ist er verschwunden, und nach vier Jahren will nur seine Tochter Meg (Storm Reid) noch nicht zur Tagesordnung übergehen.

Da tauchen drei feenartige Wesen (Reese Witherspoon, Oprah Winfrey, Mindy Kaling) auf, die mit ihr, ihrem enthusiastischen Bruder Charles Wallace (Deric McCabe) und ihrem Schulfreund Calvin (Levi Miller) auf die Suche nach dem Verschwundenen gehen und dazu zauberische Welten durchmessen, in denen beispielsweise Blumen mit Menschen reden können. Dann gibt es freilich noch das “Es“, das amorphe Böse und Dunkle, das alles Helle und Gute verschlingen will und das sich den Suchenden auf unerhörte Weise in den Weg stellt.

Zu Disney passt die Forderung des Films nach unbedingter Zusammengehörigkeit der Familie, nach Vätern, die ihre Kinder beschützen und Kindern, die nicht müde werden, ihre wie auch immer verloren gegangenen Eltern zurückzuwollen.

Trotzdem ist es ein Rätsel, weshalb dieses komplizierte, hyperbombastische Stück Loyalitätskino mit seinen blassen Charakteren – Storm Reids Meg ausgenommen – den Weg ins Kino geschafft hat. Vor allem Oprah wirkt als Mrs.Wer, als hätte es sie von Wagners “Walküre“ in diesen Film verschlagen.

Das Zeiträtsel Quelle: Disney

Ghostland. Hinter den sieben Horrorfilmbergen wohnen seltsame alte Tanten, die ihre Häuser wie Geisterbahnen einrichten und dann sterben. Ziehen die Erben dort ein, was nur Horrorfilm-Protagonisten einfallen kann, besuchen einen dort schon am ersten Abend monströse, hinterwäldlerische Mordgesellen. Ein Überfall, unter dem Mutter Colleen (Mylène Farmer) und ihre Töchter Elizabeth und Vera zwar ihr Leben lang leiden, was zwei von dreien aber nicht einmal zum Tapetenwechsel verleitet.

Eines Tages erhält die erfolgreiche Schriftstellerin Elizabeth Keller (Crystal Reed) in Chicago einen verstörenden Anruf ihrer Schwester und kehrt zurück aufs Land, wo natürlich das alte Grauen auf sie wartet. Der Franzose Pascal Laugier (“Martyrs“) entfesselt mit “Ghostland“ eine Paniksause mit allerhand Schockeffekten und einer überraschenden Wendung zur Filmmitte, nach der sich der Film allerdings nur noch an den Standards des Genres abarbeitet.

Unter seiner blutigen Oberfläche handelt “Ghostland“ vom Erwachsenwerden und der Furcht vor dem sexuellen Erwachen (das im konservativen Horrormilieu ja stets bestraft wird). Und davon, dass das eigene Leben zu leben immer Verrat an der Familie bedeutet, aus der man kommt. Merke: Schuld kann alles Glück auffressen.

Ghostland Quelle: Capelight

Heilstätten. Michael David Pate macht Filme für die Generation Youtube und holt sich auch schon mal deren Helden vor die Kamera. Mancher mag über seinen Film “Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ gestolpert sein. Darin musste der ungeliebte Neue an der Schule (Torge Oelrich alias Youtube-Star Freshtorge) gegen Schulzombies antreten. Es war die Nacht der lebenden toten Gags - nur erschütternd platte Comedy der TV-Steinzeit wurde von den vermeintlich wilden Youtubern ausgeschüttet. Und von Otto Waalkes, der diese Art Humor erfunden hat.

Man war sich sicher, den Namen Pate nie wieder in einem Filmvorspann zu lesen. Jetzt erst recht. “Heilstätten“ heißt der Ausflug des Regisseurs ins Horrorfach. Diesmal mit Filmförderung und als Auftragsarbeit für die 20th Century Fox. Was nach Thomas Mann und “Zauberberg“ klingt, ist ein alter Nazi-Klinikbau in der Nähe Berlins, wo einst Tuberkulosekranke behandelt wurden. Böse Geister sollen hier eine ewige Heimat gefunden haben.

Youtubestars – diesmal sind es fiktive, die von Schauspielern wie Tim Oliver Schultz (“Club der Roten Bänder“) und Lisa-Marie Koroll (“Bibi & Tina“) gespielt werden - kriechen zu einer 24-Stunden-Challenge in die unseligen Mauern – mit Nachtsichtkameras gehen sie das Böse suchen für Klicks und Likes und den schnellen Ruhm in den sozialen Medien. Selbstverständlich finden sie es. Und so spult sich ein Spuk ab, den Freunde übernatürlichen Gelichters schon tausendmal gesehen haben. Wer dorthin geht, wo er nichts verloren hat, findet meist nichts Besseres als den Tod.

Heilstätten Quelle: Fox

Steig. Nicht. Aus! Karl Brendt will zur Arbeit, vorher noch kurz an der Schule Sohn und Tochter aus dem Auto werfen – da kommt ein Anruf. Ein Unbekannter hat eine Bombe in seinem Auto platziert. Hebt nur ein Insasse den Hintern, geht sie hoch. Damit die Protagonisten und der Zuschauer begreifen, wie ernst die Lage ist, detoniert das Auto von Karl Brendts Kollegen. Die Geschichte erinnert an “Speed“, wo eine Bombe in einem Bus tickte, die explodieren würde, wenn das Öffi zu langsam würde.

“Steig. Nicht. Aus!“ von Christian Alvart (“Tschiller: off Duty“) hat neben einer meist ansprechenden Kameraarbeit und einer coolen, silbergrauen Farbgebung auch einige interessante Wendungen. Als Brendts Sohn schwer verletzt wird, der daueranrufende Bombenleger aber darauf besteht, vor dessen Rettung eine halbe Million Euro auf seinem Offshore-Konto finden will, wird die Erpressung zum Wettlauf mit der Zeit. Auf dem Berliner Gendarmenmarkt spitzt sich die Lage zu und das Bild von dem Polizeihubschrauber, der das Auto stoppt, hat etwas Überwirkliches.

Könnte also richtig fesseln, hätte Alvart für die Protagonisten im Auto genug zu tun. Hier aber herrscht bald Hochgeschwindigkeitsleerlauf. Der Schauspieler Wotan Wilke Möhring versucht sich vorzustellen, wie ein echter Mensch auf eine solche Situation reagieren würde, schreit viel zu oft “Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ und sieht dabei meist so angestrengt aus wie Bruce Springsteen bei einer besonders schwierigen Gesangspassage. Und der Angreifer brüllt immer wieder: “Erst mein Geld!“ und “Superarschloch!“ durchs Telefon, bis man ihn gründlich satt hat, und kaum noch interessiert ist, warum er all das Unheil eigentlich angezettelt hat.

Die meisten Figuren bleiben Schemen und Schablonen, viele Dialoge sind von der 08/15-Liste. Emily Kusche (“Tigermilch“) allerdings macht als Tochter Josefine auf der Rückbank einigen Eindruck und von der Figur der Bombenentschärferin Pia Zach (Hannah Herzsprung), die ausschaut, als habe sie zeitlebens in Dantes Inferno geblickt, würde man gern mehr erfahren. Tut man aber nicht. Ergebnis: Reicht. Nicht. Aus!

Steig. Nicht. Aus! Quelle: Eurovideo

Winchester. Der Originaltitel “Winchester“ lässt einen an Western denken, an James Stewart, Rancher, Indianer Saloons. Der deutsche Untertitel “Das Haus der Verdammten“ lenkt das Augenmerk auf das tatsächliche Genre: Gruselfilm. Die Waffenfabrikantenwitwe Sarah Winchester ließ bei San Francisco zwischen 1884 und 1922 ein kolossales Haus bauen: Sieben Stockwerke, Hunderte Räume, Labyrinthe, Türen mit Mauern dahinter, Treppen ins Nichts. Völlig irre.

Sie übernachtete jede Nacht in einem anderen Raum - aus Furcht vor den Geistern der von Winchester-Gewehren Getöteten. Sag(t)en die Leute. Helen “die Queen“ Mirren ist im Film der deutschen Spierig-Brüder (“Daybreakers“) die angeblich wahnsinnige Witwe, Jason Clarke ein morphinistischer Psychiater, der im Auftrag der Firmenleitung Geisteskrankheit feststellen soll. Auf der monströsen Baustelle trifft er eine nicht allzu zerrüttete Frau. Sie will den guten Geistern einen Ort der Erlösung bieten, die bösen sicher verwahren. Und er selbst kann auch Tote sehen.

Der Winchester-Spuk indes ist von der Stange, die Darsteller spielen auf halber Kraft, als seien sie enttäuscht von den verpassten Möglichkeiten. Der Film trägt zwar klar die Botschaft: Waffen schaffen Geister - weg mit ihnen (und eine Woche ins Winchester-Haus mit der Waffenlobby, Präsident inklusive)! Aber jemand anders hätte aus dem Stoff ein ansehnliches Drama gemacht.

Der zornige Geist aus Bürgerkriegszeiten ist übrigens kein Anachronismus: Zwar wurde Winchester Repeating Arms Company erst 1866 gegründet, Oliver Winchester ließ aber schon seit 1856 Gewehre bauen. Das echte Haus ist noch heute eine Touristenattraktion. Hat seit dem Erdbeben von 1906 aber nur noch vier Etagen.

Winchester Quelle: Splendid

The King. Elvis Presley war bekannt für seine Cadillacs, aber der Sänger besaß auch einen britischen Rolls Royce, Baujahr 1963. Mit ihm fährt Eugene Jarecki, Filmemacher und Chauffeur, durch Amerika. Von Presleys immer noch bettelarmer Nachbarschaft im Geburtsort Tupelo geht es bis ins glitzernde Las Vegas. Jarecki zeigt Schnipsel von Elvis, von Elvis-Imitatoren, lässt Zeitzeugen sprechen, erfühlt seine Präsenz bis heute – das Phantom des amerikanischen Traums.

Der Regisseur nimmt Leute mit auf die Fahrt – von Alec Baldwin über Ethan Hawke bis zum Songwriter John Hiatt. Letzterer bricht in Tränen aus, weil er im Auto von Elvis sitzt. Chuck D. von Public Enemy dagegen gibt immer noch “einen Scheiß“ auf den 1977 verstorbenen, vermeintlich größten Dieb der schwarzen Musikkultur.

Elvis steht bei Jarecki für die USA, eine Metapher, ein Synonym. Bitterarme Anfänge, unbeirrbarer Glaube an sich selbst, triumphaler Aufstieg, dann Trägheit, Nieder- und Untergang. Groß geworden ist man auf dem Rücken der anderen (oder warum wurde nicht statt Elvis der schwarze Little Richard, dessen Songs wie Tornados klangen, zum King of Rock’n’Roll ausgerufen?).

Heute, das lässt Jarecki auf seiner doppelbödigen Reise, der vielleicht besten Elvis- und einer der sehenswertesten USA-Dokus, den Zuschauer wissen, liegt das Land am Boden wie Elvis am Ende seines Lebens. “Es geht den Bach runter“, sagt eine Frau im Tupelo der Trump-Zeit. Und der Rolls Royce bleibt passenderweise auch auf der Strecke.

The King Quelle: Indigo

The Death of Superman. All die Jahrzehnte war Superman bis weit über die Grenze der Langeweile hinaus unbesiegbar. Seine (bösen) Gegner waren das nur schier, am Ende triumphierte stets der muskulöse Comicheld vom Planeten Krypton, Inbegriff des jesusmäßig Guten und Moralischen. Und jetzt wird er in diesem Cartoon ganz banal von einem grauhäutigen, knebelbärtigen Außerirdischen in den Boden gestampft, der weit weniger aufregend ist als viele andere, die sich bisher mit Supie maßen, nur halt ein klein wenig stärker.

So endet die gigantische 80-Minuten-Klopperei, bei der auch die Justice League plattgemacht wird, mit dem durch den Filmtitel angekündigten Ereignis, dem aber – keine Angst – sogleich eine Auferstehung folgt. Wir werden überdies Zeuge des historischen Moments, in dem sich der Reporter Clark Kent seiner Kollegin Lois Lane als Superman offenbart.

Das alles ist in jede Menge pathetisch-patriotisches Gesalbadere getunkt. Sind dieses Justice-Typen eigentlich alles Republikanerwähler? Und als am Ende ein Cyborg-Superman dem Sequel dieser Comicverfilmung entgegenfliegt, beschließen wir, uns diese Fortsetzung zu sparen. DC braucht dringend eine neue Filmvision für seine Figuren, eine des Kalibers, das Christopher Nolan mit seiner Batman-Trilogie verwirklichte.

The Death of Superman Quelle: Warner

Von Matthias Halbig

Der französische Street-Art-Star JR wird zum Tag der Deutschen Einheit das Brandenburger Tor in Berlin mit einer gut 25 Meter hohen Installation bespielen. Ein Porträt des Künstlers, der in Wuppertal einst für einen Skandal sorgte.

01.10.2018

Er gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des französischen Chansons. Nun ist Charles Aznavour, einer von Frankreichs größten Künstlern, im Alter von 94 Jahren gestorben. Nachruf auf einen ganzen Kerl.

01.10.2018

Ab Donnerstag (27. September) starten Pixars „Die Unglaublichen“ in ihr zweites Kinoabenteuer. Ein Film, der erneut unter Beweis stellen will, dass das Haus mit der Stehlampe im Animationsfilmsektor unerreicht ist. Lieben Sie Pixar? Dann testen Sie hier Ihr Wissen über das Pixarversum.

01.10.2018