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Kultur Willie Nelson – Wenn Cowboys swingen ...
Nachrichten Kultur Willie Nelson – Wenn Cowboys swingen ...
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10:00 21.09.2018
Workaholic: Nur drei Monate nach seinem Countryalbum „Last Man Standing“ lässt Willie Nelson eine musikalische Hommage an den 1998 gestorbenen Jazzsänger Frank Sinatra folgen. Quelle: dpa
Nashville

Frank Sinatra war mal das Gegenteil von Rock’n’Roll, stand für die Popmusik der Alten, für den Sound vor dem wahren Sound. Das änderte sich nicht nur dadurch, dass Ol‘ Blue Eyes Lieder von den Beatles und Simon & Garfunkel aufnahm, sondern dass Musiker wahre Klasse erkennen und sie honorieren, egal von welchem Stamm der Betreffende kommt.

Nelsons Sinatra-Versionen swingen

Stones-Gitarrist Keith Richards ist ein bekennender Fan von Frankieboy und U2 brachten 1997 als Hommage an ihn die jazzelnde Single-B-Seite „Two Shots of Happy, One Shot of Sad“ heraus. Robbie Williams widmete dem Sinatra-Sound zwei Swing-Alben, Rod Stewart dem sogenannten „Great American Songbook“ deren viere, und Bob Dylan hat zuletzt zwei Einzel- und ein Triple-Album voller Sinatra-Songs veröffentlicht. Als wolle er erst dessen Gesamtwerk neu interpretieren, bevor er selbst je wieder eigene Songs schreibt.

Willie Nelson will jetzt auch. Anders als Dylan, der seinen Sinatra überaus eigenwillig singt, dessen Croonen immer auch ein Krächzen ist, lässt sich Nelson auf „My Way“ völlig in den eleganten Jazzpop Sinatras fallen. Hat auch diese Hand-in-der-Hosentasche-Lässigkeit in den Stimmbändern, wenn er seine Coverversionen von Songs bringt, deren Originale von den frühen Dreißigerjahren (Cole Porters „Night and Day“) bis in die späten Sechziger (Paul Ankas Titelsong) reichen.

Mit Norah Jones bringt er Porters „What is this Thing Called Love“ als Duett. Gefühlvoll, ja beinahe zärtlich singend, den Countryman in sich nicht gänzlich verleugend, packt Nelson seine Bearbeitungen in jazzige Arrangements. Das ist coole Fingerschnippmusik, in die aber immer wieder heimelige Gitarrensoli hineinperlen, um von Nelsons Countryherkunft zu künden – nachzuhören in „Night and Day“, „Blue Moon“ oder im Albumöffner „Fly Me ToThe Moon“.

Sinatra heizte für Nelson in Las Vegas an

Apropos Mond: Der 1998 verstorbene Sinatra und der 85jährige Nelson haben eine gemeinsame Geschichte. Das in den USA vierfach mit Platin ausgezeichnete Swing-Album „Stardust“ machte den Countrymann Nelson 1978 zu Sinatras Lieblingssänger. Anfang der Achtzigerjahre drehten sie zusammen krude Werbeclips für Weltraumreisen, warben etwa für die Vorzüge implantierter Medizin, die im Krankheitsfall automatisch in denKörper abgegeben würde. Und 1984 machte Sinatra sogar den Anheizer für eine Nelson-Show in Las Vegas.

Was Nelson musikalisch an Sinatra beeindruckte, war – so verriet er jüngst dem amerikanischen „Rolling Stones“ - , seine Art zu singen, ohne sich groß um die zugehörige Musik zu scheren. „Es juckte ihn nicht, hinter dem Beat zu sein oder vor ihm – er sang einfach, und das ist das Feeling, das du brauchst.“ Er habe von Sinatra viel über das Phrasieren gelernt, sagte Nelson.

So ist „My Way“ Nelsons Liebeserklärung an The Voice. Die mit dem traurigen Titelsong endet, den schon viele Kollegen aller Sparten coverten – von Elvis Presley über Aretha Franklin bis hin zu den Sex Pistols. Bei Nelson, der erst vor einem Vierteljahr das Altersalbum „Last Man Standing“ veröffentlicht hatte, klingen Zeilen wie „Und jetzt ist das Ende nah / ich steh vorm letzten Vorhangs“ zunächst besonders nach der Wehmut des Abschieds.

Nelsons Output lässt nicht auf nachlassende Kräfte schließen

Freilich scheint der Alte aus Texas unermüdlich Musik machen wollen, der derzeitige Output lässt nicht auf nachlassende Kräfte schließen. Manche Wege sind eben „long and winding“, wie die Beatles sangen. Ende unabsehbar. „Wie nennst du das Ding da?“, fragte Sinatra Nelson in einem der gemeinsamen Werbeclips und zeigt auf dessen Bandana. „Ich nenne das ,my way‘“ antwortete Nelson. Vielleicht ist die Coverversion auch nur eine Hommage Nelsons an sein geliebtes Stirnband.

Willie Nelson: „My Way“ (Legacy/Sony), bereits erschienen

Von Matthias Halbig / RND

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