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Kultur Mit diesem Film geht Florian Henckel von Donnersmarck ins Rennen um den Oscar
Nachrichten Kultur Mit diesem Film geht Florian Henckel von Donnersmarck ins Rennen um den Oscar
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21:37 04.09.2018
Tom Schilling in dem Film „Werk ohne Autor“. Quelle: dpa
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Venedig

Endlich ist Florian Henckel von Donnersmarck wieder da, wo er sich am wohlsten fühlt: inmitten der Weltelite des Kinos. Joel und Ethan Coen, Jacques Audiard, Alfonso Cuarón, Yorgos Lanthimos, Mike Leigh und noch einige prominente Kollegen mehr sind seine Mitbewerber um den Goldenen Löwen beim Filmfestival Venedig, der am Wochenende auf dem Lido vergeben wird.

Bei solchen Konkurrenten wächst die eigene Bedeutung zwangsläufig mit - zumal dann, wenn man soeben für den Oscar nominiert worden ist: Eine deutsche Auswahlkommission hat Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ zum deutschen Kandidaten gekürt.

Die Hollywood-Academy entscheidet im Januar, ob es der Regisseur in die Endrunde geschafft hat. Die Chancen stehen gut: Vor elf Jahren hat er mit „Das Leben der Anderen“ den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen. Das Stasi-Drama war sein Kinodebüt, die Abschlussarbeit an der Münchener Filmhochschule - und wurde als Sensation gefeiert. Sogleich zog Donnersmarck mit Kind und Kegel nach Hollywood, wo er weitere Kinogroßtaten zu vollbringen gedachte.

Dann hörte man lange nichts Konkretes. Seltsam anmutende Kommentare ließ er aus der Ferne vernehmen, wenn er den wegen seiner Scientology-Tätigkeit umstrittenen Tom Cruise in seiner Rolle als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg verteidigte. Originalton Donnersmarck: „So ist uns heute selbst der größte Star der Siegernation nicht gut genug, unseren Übermenschen Stauffenberg zu spielen.“

Der Hollywood-Neuling brachte Angelina Jolie und Johnny Depp zusammen

Als der Hollywood-Neuling dann doch 2010 mit „The Tourist“ wieder auftauchte, brachte er zwei der größten Kinostars zusammen, Angelina Jolie und Johnny Depp. Die Krimikomödienromanze war aber alles andere als ein Coup (und noch dazu ein Remake). „The Tourist“ spielte vor Venedigkulisse, mancher verglich den Film mit einer Fahrt auf einer sinkenden Gondel auf dem Canal Grande. Donnersmarcks Erinnerungen an die Lagunen-Stadt dürften getrübt sein. Oder nicht? „Viva Venezia!“ jubelte das mittlerweile 45-jährige Wunderkind, als die Nominierung für seinen gerade einmal dritten langen Spielfilm bekannt wurde.

Florian Henckel von Donnersmarck. Quelle: dpa

Mit „Werk ohne Autor“ hat Donnersmarck Hollywood wieder den Rücken gekehrt und ist erneut in die deutsche Historie abgetaucht. Über drei Jahrzehnte und drei Kinostunden spannt er den Bogen vom Nationalsozialismus über die DDR bis in die junge Bundesrepublik.

Er begleitet einen Maler, der als Kind eine Ausstellung der von den Nazis so bezeichneten Entarteten Kunst besucht (mit Lars Eidinger als zynischem Museumsführer), als junger Maler unter den Zwängen des sozialistischen Realismus in der DDR leidet (mit Ben Becker als Förderer) und schließlich dank eines Filz und Fett liebenden Professors an der Düsseldorfer Kunstakademie (Oliver Masucci) zu seiner eigenen Ausdrucksform findet - das Ganze vor dem Hintergrund der Euthanasie-Mordmaschinerie. Donnersmarck hat sich nach eigenen Worten von der Lebensgeschichte des Malerstars Gerhard Richter inspirieren lassen, mit dem er lange Gespräche führte.

Tom Schilling verliebt sich in seiner Filmrolle in die Tochter des Peinigers seiner Tante

Als Kind muss Kurt Barnert (Tom Schilling) miterleben, wie seine schwelgerische Tante Elisabeth von Männern in weißen Kitteln in einen Krankenwagen verfrachtet wird. Er wird sie nie wiedersehen. Ein paar Jahre später verliebt er sich in der DDR in Ellie (Paula Beer) und damit ausgerechnet in die Tochter jenes Medizinprofessors Carl Seeband (Sebastian Koch, schon dabei in „Das Leben der Anderen“), der die Ermordung Elisabeths mit einem simplen roten Aktenkringel veranlasst hatte - was Kurt nicht weiß, aber in seiner Künstlerseele irgendwie ahnt. Seeband wacht auch nach 1945 noch über das gesunde deutsche Erbgut. Besonders über das seiner Familie.

Schon in „Das Leben der Anderen“ verfolgte Donnersmarck eine glasklare Hollywood-Dramaturgie und spitzte Historie zum Thriller zu. Dieses unterhaltsame Prinzip verfolgt er auch jetzt, lässt sich dabei aber immer wieder von seiner eigenen Erzählung berauschen. Er begleitet ein NS-Opfer mal eben bis in die Gaskammer, als wäre diese Bebilderung des Holocausts eine Selbstverständlichkeit, lässt Dresden 1945 am flammenhellen Horizont lodern und seinen Düsseldorfer Kunstprofessor über der Krim abstürzen, wo ihn Tataren mit Filz und Fett gesund pflegen (der Name Beuys fällt nicht, dessen Geschichte einer wundersamen Rettung wohl auf einer Legende beruht).

Der überreiche Stoff hätte bisher als Fernsehserie funktioniert

Vielleicht hätte dieser überreiche Stoff in einer Fernsehserie an Tiefe gewonnen, hier aber wird Geschichte als Treibsatz installiert und mit einer nervig puschenden Musik vorangetrieben. Wofür sich aber immer Zeit findet, sind Blicke auf nackte Frauenbrüste – was im Zeitalter von #MeToo seltsam unreflektiert wirkt.

Alles strebt dem Moment entgegen, in dem der zunehmend verzweifelte Maler Kurt sich mit den Mitteln der Kunst von seinen Traumata befreit und zu künstlerischer Wahrhaftigkeit findet. Künstler sollen Priester, Revolutionäre, Befreier sein, hat sein Düsseldorfer Professor gesagt. Kurt findet noch eine weitere Berufung: Er bringt mit seinem Pinsel eine Anklage auf die Leinwand.

Ins deutsche Kino kommt „Werk ohne Autor“ just am 3. Oktober, am deutschen Nationalfeiertag. Florian Henckel von Donnersmarck hat sich schon immer einen herausragenden Platz zuzuweisen gewusst.

Von Stefan Stosch/RND

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