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Kultur Madeleine Albright warnt in neuem Buch vor Trumps Faschismus
Nachrichten Kultur Madeleine Albright warnt in neuem Buch vor Trumps Faschismus
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16:35 01.08.2018
Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright hat ein Buch über US-Präsident Donald Trump geschrieben. Quelle: picture alliance/AP Photo
Washington


Alles nur halb so schlimm mit US-Präsident Donald Trump? Jetzt, wo sich der US-Präsident eine Spur zurückhaltender zeigt und den Handelskrieg - vorerst - nicht eskalieren lässt, atmen viele Europäer auf. Anstatt sich zurückzulehnen und darauf zu hoffen, dass sich Trump vielleicht doch noch in die Reihe der westlichen Politiker stellt, sollte die Gelegenheit jedoch genutzt werden, eine erste Schadensbilanz zu ziehen - zum Beispiel mithilfe des neuen Buches von Madeleine Albright.

Mit „Faschismus. Eine Warnung“ legt die frühere US-Außenministerin eine lesenswerte Arbeit vor, die die gegenwärtigen Umbrüche gut erklärt. Um die bedrückende These gleich vorwegzunehmen: Trump beschädigt nicht allein die liberale Demokratie Amerikas. Die Folgen des scheinbar unkontrollierten Wüterichs lassen sich auch in anderen Staaten beobachten.

So erklärt die Pekinger Regierung ihren Untergebenen, dass sie den kritischen Berichten der US-Korrespondenten über den Zustand Chinas keinen Glauben schenken sollten. Immerhin würde der amerikanische Präsident höchstpersönlich von Lügenmedien sprechen, die eine eigene, regierungsfeindliche Agenda verfolgen würden. Ähnlich äußern sich auch die Militärmachthaber in Thailand und in anderen autoritären Systemen.

Lange Linien der trumpschen Strategie

Trump als Kronzeuge von Diktatoren und autoritären Herrschern? Leider ja. Albrights quellenreiches Buch zeichnet die langen Linien der trumpschen Strategie nach. Der Präsident, schreibt die Politikwissenschaftlerin, sei keineswegs so erratisch, sprunghaft und unkontrolliert, wie so manche Oppositionellen in ihrer Verzweiflung behaupten. Es sei viel bedrohlicher: Seine wütenden Angriffe auf unabhängige Medien, auf die Justiz und auf die Bundespolizei würden das klare Ziel verfolgen, sämtliche Institutionen zu beschädigen, die sich nicht mittelbar oder unmittelbar durch das Weiße Haus kontrollieren ließen.

Trump inszeniert sich als demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt, das er ohne Zweifel ist. Die Volkssouveränität, die dem 72-Jährigen offenbar vorschwebt, sollte allerdings nicht mit einer westlichen Demokratie verwechselt werden: Das Ringen zwischen unabhängigen Institutionen wird von ihm regelrecht verachtet.

Ein Auftreten wie ein Brandstifter

So spricht es Bände, wie der Amtsinhaber beispielsweise den früheren irakischen Diktator Saddam Hussein beschreibt. Auf mehreren Wahlkampfveranstaltungen rief Trump seinen Anhängern 2016 unter lautstarkem Jubel zu: „Wisst ihr, was er gut gemacht hat? Er hat Terroristen getötet. Man hat ihnen nicht erst ihre Rechte vorgelesen. Man hat nicht lange mit ihnen gefackelt.“

Der oberste Hüter der amerikanischen Verfassung tritt wie ein Brandstifter auf, der den bisher so vorbildlichen Verfassungspatriotismus seiner Landsleute ins Lächerliche ziehen will.

Auch seine Verbalattacken auf Justizminister Jeff Sessions und auf den früheren FBI-Direktor James Comey kommen nach Albrights Einschätzung einer schweren Schädigung des eigenen Systems gleich.

Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Faschismus

Und die 81-Jährige weiß, wovon sie spricht: Ihre Familie, die ursprünglich aus der Tschechoslowakei stammte, floh wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 nach London. Ihr Vater, ein Politikwissenschaftler und Diplomat wie sie, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Heimat zurück - und musste nach dem kommunistischen Staatsstreich abermals fliehen. Angesichts ihrer persönlichen Erfahrungen findet Albright denn auch eigene Worte für politische Unterdrückung: Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Faschismus.

Madeleine Albright: „Faschismus. Eine Warnung“, DuMont Buchverlag, 24 Euro.

Von Stefan Koch/RND

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