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Wulff übernahm Schirmherrschaft

Wird „Made in Germany“ gewulfft?

Der Bundespräsident hat vorigen Sommer die Schirmherrschaft für das große hannoversche Kunstereignis zugesagt – und scheint Wort zu halten. Scheint die Ausstellung nun also im Licht der Affäre um Christian Wulff?
Wulff ist Schirmherr der Kunstausstellung „Made in Germany“ in Hannover.

Wulff ist Schirmherr der Kunstausstellung „Made in Germany“ in Hannover.

© dpa (Archivbild)

Hannover. „Wulffen“ ist ein neues Wort im deutschen Sprachschatz. Wer „wulfft“, nimmt etwas in Anspruch, beispielsweise Aufenthalte in Urlaubsgebieten, ohne dafür zu bezahlen. Man kann die Bedeutung aber auch auf andere Gebiete ausweiten, etwa Kulturveranstaltungen. Ereignisse, für die Bundespräsident Christian Wulff die Schirmherrschaft übernommen hat – etwa die bevorstehende hannoversche Ausstellung „Made in Germany Zwei“ (MIG2) – sind dann sozusagen „gewulfft“. Der Bundespräsident hat bereits vorigen Sommer die Schirmherrschaft für „Made in Germany“ übernommen, die große Gegenwartskunstschau, die im Sprengel Museum, im Kunstverein und in der Kestnergesellschaft vom 17. Mai bis zum 19. August zu sehen ist. Das bestätigte Veit Görner, der Leiter der Kestnergesellschaft, gestern auf Anfrage.

Der Kunstverein Hannover nennt den Schirmherrn ausdrücklich auf seiner Homepage: „Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff.“ Hinter den Kulissen, so ist zu erfahren, wird derzeit die Frage diskutiert: Wulffen oder nicht Wulffen? Man ist mit dem Schirmherrn nicht mehr besonders glücklich. Veit Görner neigt zu einer neutralen Umformulierung: „Made in Germany“ steht „unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten“. Niemand könne schließlich mit Sicherheit sagen, wie in vier Monaten der deutsche Bundespräsident heiße. Die Angelegenheit sei höchst „sensibel“.

Dass MIG2 grundsätzlich präsidial beschirmt werden sollte, bezweifelt der Leiter der Kestnergesellschaft nicht: „Bereits die erste Ausgabe von ,Made in Germany‘ stand unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.“ Dieser hieß damals Horst Köhler.

Auch Berlin treibt die „Wulffen“-Frage um. Am Wochenende wird in der Nationalgalerie eine große Ausstellung zum 80. Geburtstag des in Köln lebenden Malers Gerhard Richter eröffnet. Die Eröffnung wird einem Staatsakt gleichen. In einem Interview mit der „Welt“ bekannte Richter kürzlich die Sorge, der Präsident würde bei der Vernissage erscheinen. Richter: „Es ist schrecklich. Mein Freund Kasper König hat schon gesagt, ich solle aufpassen, dass der Wulff nicht zur Eröffnung kommt.“ Er habe dann Udo Kittelmann gefragt, den Direktor der Nationalgalerie. Dieser habe „nee“ gesagt, Wulff würde seines Wissens nach nicht kommen.

Was Hannover angeht, lässt sich soviel sagen: Aus der Übernahme der Schirmherrschaft leitet sich nicht automatisch ab, dass ein Präsident auch ein Katalogvorwort schreibt und zur Eröffnung kommt. Die MIG-Eröffnung 2007 jedenfalls verlief ohne Horst Köhler.

[Johanna Di Blasi]

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