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München

Russischer Konzertabend unter weiß-blauem Himmel

Es gleicht einer musikalischen Expedition nach St. Petersburg: Russlands berühmteste Opernsängerin, einer der erfolgreichsten Baritone des Landes und „das beste russische Opernorchester“ sind auf einer Bühne vereint - und präsentieren Ausschnitte aus den schönsten Werken russischer Komponisten.
Sopranistin Anna Netrebko

Sopranistin Anna Netrebko

© ddp

Sopranistin Anna Netrebko, Bariton Dmitri Hvorostovsky und das Orchester des St. Petersburger Mariinsky Theaters haben am Freitagabend auf dem Münchner Königsplatz einen begeisternden Open-Air-Auftritt geliefert.

Rund 14.500 Menschen sind - überwiegend wegen Netrebko - auf den Königsplatz geströmt, darunter auch eine Menge Prominenz aus Politik und Gesellschaft. Zudem haben sich in den umliegenden Straßen Hunderte Klassikfans versammelt und lauschen dem Konzertabend hinter den Absperrungen.

Am Dirigentenpult steht Netrebkos Entdecker Valery Gergiev. Ihn bekommen die Zuschauer auf den beiden Großleinwänden neben der Bühne aus der ungewöhnlichen Orchester-Perspektive zu sehen: direkt vor dem Pult, etwa in Kopfhöhe der Streicher, ist eine kleine Kamera auf den Dirigenten gerichtet. So wird der Maestro immer wieder von vorn eingeblendet - vor dem Hintergrund der Zuschauermenge und des weiß-blauen Münchner Abendhimmels.

Netrebko liefert gleich bei ihrem ersten Auftritt des Abends (mit einer Arie aus Michail Glinkas „Ruslan und Ludmilla“) den Beweis für ihre Klasse - wobei durch ihre Schwangerschaft, wie sie selbst zu sagen pflegt, Stimme wie Körper „an Fülle gewonnen“ haben. Gleich darauf präsentiert sich Hvorostovsky als ebenbürtiger Partner der 37-Jährigen - mit der bewegenden Darbietung einer Liebesarie aus Pjotr Tschaikowskys „Pique Dame“.

Die gesamte erste Hälfte des Konzertabends konzentriert sich auf Werke russischer Komponisten. Bei einem Duett aus Tschaikowskys „Jolanthe“ gesellt sich der Tenor Sergej Skorokhodov zu Netrebko auf die Bühne. Anschließend sind die Sopranistin und Hvorostovsky dann mit der Finalszene aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ erstmals an diesem Abend gemeinsam zu hören. In der Pause gibt es neben Champagner („unwiderstehliches Angebot für absolutes Open-Air-Feeling: die Flasche für 55 Euro“) und Bier, Lachsröllchen und Bratwürsten passend zum Abend auch russische Piroggen (Teigtaschen) mit Sauerkrautfüllung zu kaufen. Auch die Temperaturen an diesem Sommerabend muten eher russisch als mitteleuropäisch an.

Die zweite Hälfte des Abends beginnt dann mit Richard Wagner (Ausschnitte aus „Tannhäuser“) und dem Richard-Strauss-Lied „Cäcilie“, ehe die musikalische Reise auf dem stimmungsvoll beleuchteten Königsplatz weiter nach Italien geht - mit Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Pietro Mascagni und Ruggiero Leoncavallo. Vor allem für Hvorostovsky mehren sich mit der Dauer des Abends die „Bravo“-Rufe.

Ihren Höhepunkt erreicht die Stimmung bei den Zugaben: Als Netrebko bei der Arie „Meine Lippen, die küssen so heiß“ aus Franz Lehárs Operette „Giuditta“ durch eine temperamentvolle Tanzeinlage überrascht und eine Kostprobe ihrer Stimmkraft gibt, indem sie eine Passage ohne Mikrofon singt. Hvorostovsky ist es schließlich, der zum Abschluss des mehr als zweieinhalbstündigen Konzerts dann den Bogen wieder zurück nach Russland schlägt - durch seine mitreißende Interpretation des russischen Volkslieds „Ochi chornye“.

ddp


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