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Deutsche Erstaufführung

Oper "Sárka" in Braunschweig

Die Deutsche Erstaufführung der Oper "Sárka" im Braunschweiger Staatstheater findet beim Publikum zwiespältge Resonanz
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Wild: Šárka (Bild unten, Rena Harms) und Vlasta (Julia Rutigliano).

© Karl-Bernd Karwasz

Braunschweig. „Hejo! Hejo!“ Laut gellen die Schlachtrufe der Amazonen zu Beginn des zweiten Aktes von Zdenek Fibichs Oper „Šárka“ über die Bühne. Die Geschichte über die tragische, gleichnamige Heldin aus dem tschechischen Mythos um die sogenannten „Mädchenkriege“ wird - 115 Jahre nach der erfolgreichen Premiere in Prag - zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt. Stolz präsentieren die Kriegerinnen im Braunschweiger Staatstheater - das das hierzulande vergessene, hochromantische Stück wiederentdeckte - einander blutgetränkte Tücher als Beute ihrer mörderischen Raubzüge. Rächen wollen sie sich an den Männern um den neuen Herrscher Premyslaus (Oleksandr Pushniak), die nach dem Tod von Landesfürstin Libussa (Martina Krauel) eine patriarchalische Ordnung installieren und die Amazonen ihrer bisherigen Rechte berauben wollen.

Und wohl jedem, der einmal Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ gehört hat, klingt bei den „Hejo“-Rufen zu Beginn dieser Szene der Schlachtgesang der Walküren im Ohr. Die Analogien zwischen Zdeneks Stück und dem Werk des Bayreuther Komponisten sind an dieser Stelle überdeutlich. Musikalische Assoziationen mit Werken Wagners drängen sich auch andernorts auf, in Bezug auf dessen „Siegfried“ beispielsweise oder auch auf „Tristan und Isolde“.

Fibich, der zeitlebens im Schatten seiner Zeitgenossen Bedrich Smetana und Antonín Dvorák stand, erreicht allerdings nie das Niveau Wagners. Im Gegenteil: Allzuoft illustriert er Zeilen aus dem Libretto von Anezka Schulzová (deutsche Fassung: Peter P. Pachl) musikalisch allzu durchsichtig: Da tirillieren die Querflöten gleich, wenn im Text von Vöglein die Rede ist, da wogen Streicherteppiche, wenn es im Walde rauscht. Die Partitur insgesamt ist oft in wild-heroischem, ja monumentalem Ton gehalten. Dass man das Braunschweiger Staatsorchester zwar als durchschlagskräftig , aber auch mit einer Art Dauerforte in Erinnerung behält, ist deshalb vermutlich nicht dem Dirigenten Sebastian Beckedorf, sondern der Komposition geschuldet.

Andererseits enthält Fibichs „Šárka“ auch hörenswerte Arien voller spätromantischer Ausdruckskraft: vor allem die tragische Begegnung zwischen Šárka und dem anfangs verhassten Ctirad, in den die Amazone sich später verliebt, ist eindrucksvoll gemacht. Arthur Chen als Ctirad, vor allem aber die überragende Rena Harms mit ihrem so kraftvollen, strahlenden Sopran werden den dramatischen Anforderungen ihrer Partien zudem mehr als gerecht.

Um die Schwächen des Stücks zu kompensieren, hätte es deshalb einer klugen Regie bedurft. Konstanze Lauterbach, die Hausregisseurin am Deutschen Theater in Berlin war und der Braunschweiger Oper mit „Lady Macbeth von Mzensk“ schon einen Erfolg bescherte, kann den Krieg der Amazonen allerdings nicht adäquat umsetzen. Schon dass sie Kriegerinnen - offenbar aufgrund ihrer Naturverbundenheit - zu Beginn in geblümte Abendkleider steckt und ihnen als Kopfbedeckung auch noch Blumenschmuck verpasst, wirkte wenig überzeugend. Dass Lauterbach, die auch die Kostüme verantwortet, die Frauen wenig später in kobaltblaue Schürzen steckt oder mit einem Schleier bedachte, um ihre Unterdrückung zu symbolisieren, waren dann doch allzu simple Aktualisierungsversuche. Es ist zwar eine arabische Geste der Verachtung, aber dennoch wirkt es fast schon unfreiwillig komisch, als die wilden Frauen zum Zeichen ihres Triumphs wütend heulend Herrenschuhe in die Höhe recken.

Es überrascht deshalb nicht, dass nach der Pause einige Reihen leer bleiben. Die Dagebliebenen spendenaber großen Applaus.

Wieder am 15., 19. und 27. April. Kartentelefon: (0531) 1234-570

[Jutta Rinas]

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