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Albumkritik und Interview

Die Sterne: Oma tanzt wieder

Im Stroboskopgewitter: Auf ihrem neuen Album “24/7“ geht die Hamburger Band Die Sterne in die Disko.
Die Sterne haben am 26. Februar ihr neues Album "24/7" herausgebracht.

Die Sterne haben am 26. Februar ihr neues Album "24/7" herausgebracht.

© Handout

Mathias Modica und Frank Spilker sind ein seltsames Paar: hier der Münchener Hipster, der als DJ, Produzent und Musiker mit seiner Gomma-Gang dem Synthesizerpop eines Giorgio Moroder huldigt, dort der ob seiner Größe immer leicht linkisch wirkende Hamburger Spilker, der mit seiner Band die Sterne seit 18 Jahren Funk und Punk zu nölig-groovendem Gitarrenrock verbindet. Weil es zuletzt nicht mehr richtig lief bei den Hamburgern, denen trotz vieler Experimente keine Hits vom Format eines „Universal Tellerwäscher“ oder „Big in Berlin“ glücken wollten, beschlossen sie, eine Disko-Platte aufzunehmen – mit tatkräftiger Unterstützung von Modica, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Munk“.

„Er hat einer alten Oma über die Straße geholfen“, sagte Spilker kürzlich über die Kooperation mit Modica. Dass die Band dafür die Trennung vom langjährigen Keyboarder Richard von der Schulenburg in Kauf nahm – er wollte die „ästhetischen Veränderungen nicht mittragen“ –, hört man dem neuen Sterne-Album „24/7“ sofort an: Ungewohnt kühl pluggern und fiepen Modicas Synthesizer, doch im Stroboskopgewitter grooven die Sterne wieder wie zu ihren besten Zeiten. „Life in Quiz“ oder das schön knarzende „Deine Pläne“ etwa gehen, anders als die meisten der vorherigen Sterne-Titel, sofort ins Ohr. Doch die Eingängigkeit hat ihren Preis. Spilker, verlässlicher Fürsprecher der zu spät Gekommenen und Skeptischen, einer, der in seinen Texten mit Akribie und Witz Fragmente aus dem beschädigten Leben versammelte, irrlichtert nun freier assoziierend als früher über die Tanzfläche. Auch wenn Echoeffekte seine Stimme geschmeidig zerdehnen, drehen sich Spilkers Textsplitter dabei aber noch immer um das Unbehagen an einer zusehends sinnentleerten Arbeitswelt. Was in „Wie ein Schwein“ noch punkig (und auch etwas peinlich) plakativ beschrieben wird, mündet im süßlichen Mantra von „Neblige Lichter“: „Ich wechsle den Schritt / Ich mache nicht mit.“

Die Sterne mögen in der Disko angekommen sein, aber sie pflegen auch dort einen angenehm eigenen Tanzstil.

Die Sterne: „24/7“ (Materie Records/Rough Trade) ist soeben erschienen.

[Karsten Röhrbein]

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