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Science-Fiction-Spektakel

Acht Minuten länger: „Avatar“ startet erneut in den Kinos

Acht Minuten länger auf dem Planeten Pandora: Warum Starregisseur James Cameron sein Umweltmärchen „Avatar“ ein zweites Mal ins Kino bringt.

Blue Movie: Na’vi-Frau Neytiri wird intim.

© 20th Century Fox

Die blauen Riesen sind zurück. „Avatar“ ist zwar schon längst auf DVD zu haben, startet aber trotzdem an diesem Donnerstag noch einmal im Kino. Oder besser: schon wieder. Erst im Dezember hatte James Camerons Sciencefictionmärchen die Leinwände erobert. „Avatar“ spielte weltweit 2,7 Milliarden Dollar ein und gilt damit als der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Trotzdem werden jetzt noch einmal 200 Kopien nachgereicht, natürlich in 3-D.

Immer wieder mal erhalten Filme eine zweite Chance im Kino. Beliebt ist der „Director’s Cut“, also eine vom Regisseur nachträglich autorisierte Fassung, wenn er mit der ursprünglichen nicht zufrieden war. Der Sciencefictionklassiker „Blade Runner“ (1982) von Ridley Scott ist dafür ein Beispiel. In diesem Fall jedoch verstrichen zwischen beiden Filmversionen viele Jahre. Und der starrsinnige Tüftler Cameron hat schon beim ersten Kinostart genau den „Avatar“ gezeigt, den er auch zeigen wollte.

Camerons Begründung für die Wiederauflage: „Immer wieder haben mir Zuschauer gesagt, dass sie mehr Pandora wollten, dass sie länger dort bleiben wollten.“ Jetzt dürfen sie acht Minuten länger auf dem Planeten verweilen, weshalb „Avatar“ es auf eine stolze Gesamtlänge von 170 Minuten bringt.

Die neuen Szenen sind nach Camerons Angaben über den gesamten Film verstreut. Es werde eine „mitreißende“ Jagdszene, eine neue Kreatur und eine „sehr anrührende“ Sterbeszene geben – und dann noch eine zwanzig Sekunden währende Einstellung, in der sich Avatar Jake Sully und seine blauhäutige Alien-Freundin Neytiri körperlich näherkommen. Es soll sich allerdings nicht im eigentlichen Sinne um eine Sexszene handeln.
Reichen acht Minuten zusätzliches Material, die beim Dezemberstart in der Datentonne landeten, damit Zuschauer noch einmal eine Kinokarte mit 3-D-Aufschlag lösen? Die globale „Avatar“-Gemeinde dürfte kaum zögern, und damit wäre das eigentliche Ziel des Revivals erreicht: „Avatar“ spielt noch mehr Millionen ein – und profitiert damit gewissermaßen von seinem eigenen Erfolg.

Ende vorigen Jahres war die Zahl der 3-D-Leinwände in Deutschland noch sehr überschaubar. Viele Kinobetreiber scheuten bis dahin die teure Anschaffung. Sie zweifelten an der Attraktivität des dreidimensionalen Films. Dann kam „Avatar“ und heizte den Hype um 3-D tüchtig an. Auch die Skeptiker unter den Kinobesitzern forcierten plötzlich die technische Aufrüstung in ihren Sälen. Und die Hollywoodstudios schoben schnell nachträglich aufgemotzte 3-D-Filme wie „Alice im Wunderland“ nach, für die Camerons Märchen weichen musste. Was „Avatar“ gesät hatte, wollten sie ernten. Die Rechnung ging auf: Mehreinnahmen der Kinos sind weniger einer größeren Zuschauerzahl als vielmehr dem 3-D-Aufschlag geschuldet.

Wie lange „Avatar“ dieses Mal in den Kinos bleiben wird, ist ungewiss. Wer dann immer noch nicht genug hat von blauen Riesen, muss sich nicht grämen: Zwischenzeitlich ist Regisseur Cameron in einem Mini-U-Boot in 1380 Meter Tiefe im Baikalsee getaucht, auf der Suche nach „neuen Kreaturen“ für künftige Filme, wie es aus Sibirien heißt. Die Geschichte um die blauen Riesen ist noch lange nicht zu Ende.

[Stefan Stosch]

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