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Kultur In den Eröffnungsfilmen geben die Frauen den Ton an
Nachrichten Kultur In den Eröffnungsfilmen geben die Frauen den Ton an
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11:54 21.02.2018
Penelope (Mia Wasikowska) ist in „Damsel“ diejenige, die echten Pioniergeist in sich trägt. Quelle: Strophic Productions Limited
Berlin

Da ist zum Beispiel der irische Soldat Feeney (James Frecheville). Er ist aus der britischen Armee desertiert, um in seine geschundene Heimat zurückzukehren. 1847 grassiert in Irland die Hungersnot. Aschfahle Gestalten lagern wie Gespenster am Wegesrand.

Feeney kommt zu spät zu Hause an: Seiner Mutter haben die Engländer das Dach über dem Kopf abgerissen. Sie ist erfroren und verhungert. Ein Richter Gnadenlos hat seinen Bruder an den Galgen gebracht. Feeney spricht nicht viel, er handelt. Er tötet all jene mit kalter Wut, die für den Tod seiner Familie verantwortlich sind.

Einen allzu geradlinigen Western hat der Ire Lance Daly mit „Black 47“ inszeniert. Allein Feeneys Verfolger ist eine ambivalente Figur: Hobson (Hugo Weaving), ein ehemaliger britischer Kriegskamerad, ringt mit der Entscheidung, sich auf die Seite der Unterdrücker oder womöglich doch auf die der Unterdrückten zu schlagen.

Für Feeney aber ist auf seinem Rachefeldzug gegen die Kolonialisten keine Gerechtigkeit zu erlangen, wohl nicht einmal Genugtuung. Ein Mann tut, was er eben tun muss.

Martinessis Figuren brechen aus ihrem passiven Leben aus

„Black 47“ ist (beinahe) ein reiner Männerfilm, im Drama „Las Herederas“ aus Paraguay dagegen spielen nur Frauen. Ob die Auswahljury die Filme zu Beginn des Berlinale-Wettbewerbs bewusst auf diesen Gegensatz hin kuratiert hat?

Die beiden titelgebenden Erbinnen sind zwei ältere Damen. In einem düsteren Apartment haben sich Chiquita und Chela eingerichtet. Im Fall Chelas könnte man auch sagen: Sie hat sich verkrochen mit ihrer Malerei und ihren Tabletten. Dann muss ihre Partnerin wegen Schulden ins Gefängnis, nicht einmal der Verkauf der Wohnungseinrichtung kann sie davor bewahren. Die bislang so passive Chela (Ana Brun) ist gezwungen, sich doch noch einmal hinaus ins Leben zu wagen.

Eine zögerliche Geschichte weiblicher Emanzipation bietet Regisseur Marcelo Martinessi an. Manchmal möchte man Chela förmlich auffordern, das Gaspedal ihres alten Mercedes durchzudrücken, mit dem sie eine Art Taxiservice für ihre Bekannten aufbaut. Am Ende könnte es aber durchaus sein, dass sie doch noch dem Ruf der Freiheit folgt.

Die Männer haben keinen Pioniergeist

Eine toughe Frau zwischen weit weniger toughen Männern ist in der Westernparodie „Damsel“ unterwegs - auch wenn der Filmtitel auf das Gegenteil hinzudeuten scheint: „Damsel“ bedeutet so viel wie „Jungfer“ oder „Fräulein“.

Im Film von David und Nathan Zellner zieht Samuel (Robert Pattinson) mit Gitarre und einem Zwergpony namens Butterscotch durch die John-Ford-Kulissen Utahs. Er will seine Verlobte Penelope (Mia Wasikowska) retten. Aber der Schein der ersten Kinostunde trügt: Penelope ist hier diejenige, die echten Pioniergeist in sich trägt. Sie hat wirklich Mumm. Die Männer sind dieser Frau und auch dem harten Leben in der Prärie nicht gewachsen.

Hat man vor „MeToo“ eigentlich auch schon so sensibel darauf geschaut, wie das Verhältnis zwischen den Geschlechtern inszeniert ist? Die Frage, welche Kleidung beim Gang über den roten Teppich adäquat ist und ob man den richtigen Meinungs-Anstecker trägt, scheint plötzlich nicht mehr ganz so wichtig. Nun kann man die Filme selbst nach den ihnen innewohnenden Gesellschaftsbildern befragen.

Von Stefan Stosch/RND

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