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Kultur Igor Levit im Echo-Interview
Nachrichten Kultur Igor Levit im Echo-Interview
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00:26 20.04.2018
Mit Haltung: Starpianist Igor Levit in der Elbphilharmonie Quelle: Queren
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Hannover

Igor Levit hat wie andere Künstler seinen Echo zurückgegeben. Der Starpianist mit Haltung fordert eine weitergehende Debatte über diesen Musikpreis, die Vergabe an Farid Bang und Kollegah und die gesellschaftlichen Auswirkungen der antisemitischen und frauenverachtenden Rap-Texte („Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“). Levit ist zur Zeit in Amsterdam und probt Beethovens drittes Klavierkonzert für Auftritte mit dem berühmten Concertgebouw Orchester.

Herr Levit, wie gibt man eigentlich einen Echo zurück?

Oh, das ist ganz einfach, man legt ihn in einen Karton- und den Rest übernimmt ein Unternehmen namens DHL.

Haben Sie die umstrittenen Rap-Stücke gehört?

Ich habe diese und viele andere Texte von Kollegah und Farid Bang gelesen. Es ist nicht nur der Holocaust, es ist nicht nur der Antisemitismus, dazu kommt noch brutale Frauenfeindlichkeit – im Grunde genommen ist es nur die Provokation um der Provokation willen, es ist hohl und dumm. Was da ausgezeichnet wurde, ist unfassbar.

Wie ist es bei Ihnen mit dem Hören von Rap?

Natürlich ist das mein Ding. Ich halte Hip-Hop heute für eine ganz essenzielle Kunstform, eine der wichtigsten Musikformen der Gegenwart, die bedeutende Künstler hervorgebracht hat. Nicht umsonst hat Kendrick Lamar gerade den Pulitzer-Preis bekommen.

Nun wird ja von Rappern häufig behauptet, auch die Texte sind nur Pose wie die schweren Goldketten und dicken Autos. Und alles ist nicht so gemeint...

Das finde ich eher feige. Einfach hinterher sagen, alles nicht so gemeint. Wenn man so etwas sagt, muss man auch mit den Konsequenzen leben. Nicht so gemeint... das Spiel spiele ich nicht mit.

Was soll man mit solchen Texten? Sie für geschmacklos halten, ignorieren? Die Rapper berufen sich ja auch auf die Kunstfreiheit?

Kunstfreiheit aus sich selbst heraus funktioniert ja nicht. Das ist wie mit der Rede- und Meinungsfreiheit – wenn ich alles damit abdecke, dann können wir einpacken, dann war’s das. Jede Gesellschaft bestimmt ihren eigenen Konsens – und „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“, das verlässt diesen Konsens. Das ist doch nur schwer mit der Kunstfreiheit zu fassen. Worte machen Klima, und diese Worte vergiften das Klima. Über Politik, über politische Kultur kann man nicht sprechen ohne Kultur. Hier entsteht ein kulturloses gesellschaftliches Klima.

Ist das ein Zeichen, dass Antisemitismus zur Zeit im Steigen begriffen ist?

Ich habe das Gefühl, dass überhaupt rechtes Denken gerade am Steigen ist.

Wie sollte man den Echo neu aufstellen, damit er noch einen Sinn hat?

Ich kann sicher kein fertiges Konzept liefern, wie der Echo zu funktionieren hat. Der Echo war schon immer eine kommerzielle Angelegenheit, der seine künstlerischen Relevanzprobleme hatte. Dass man hier nach Verkaufszahlen geht, ist sein gutes Recht. Aber aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus gegenüber gesellschaftlichen Grenzüberschreitungen so blind zu sein, das ist in jeder Hinsicht intolerabel.

Wie könnte es nach diesem Eklat weitergehen?

Das wird Kreise ziehen. Ich finde es wunderbar, wie viele Künstler gerade ihre Echos zurückgeben. Es wäre aber schade, wenn es nur dabei bleiben würde. Der Bundesverband Musikindustrie hat jetzt die Chance und die Möglichkeit sich im Zuge dieser Auseinandersetzung sehr grundsätzliche Fragen zu stellen – auch nach einem Ethikbeirat, von dem man gerne wüsste, was der eigentlich macht. Die Rapper werden ja nicht nur ausgezeichnet, ihnen wird sogar eine Bühne gegeben. Das ist hart. Aber hier besteht meiner Meinung nach die Möglichkeit, daraus gestärkt hervorzugehen.

Von Henning Queren

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