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Kultur Grütters zeichnet 117 Buchhandlungen aus
Nachrichten Kultur Grütters zeichnet 117 Buchhandlungen aus
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17:27 31.08.2017
Die Buchhandlung von Dirk (Foto) und Klaus Eberitzsch in Hannover, Leuenhagen & Paris, gehört zu den Preisträgern. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Seit mehr als 70 Jahren ist Helga Weyhe Buchhändlerin. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg sie in das Geschäft ihres Vaters in Salzwedel in Sachsen-Anhalt ein. Mehr als 40 Jahre später ist sie dort politischer und wirtschaftlicher Umbrüche zum Trotz noch immer die Herrin der Literatur. Bestellte Bücher trägt die 94-Jährige schon mal selbst mit dem Gehstock aus, ihre Vorliebe gilt nach eigener Aussage „Biografien von vernünftigen Leuten“. Am Donnerstag wurde sie mit dem Sonderpreis des Deutschen Buchhandlungspreises geehrt. Bei der Verleihung im Schloss Herrenhausen in Hannover erinnerte sich Weyhe an den schönsten Moment ihrer langen Karriere: „Das war 1990. Als ich endlich wieder das verkaufen durfte, was ich auch verkaufen wollte.“

Die resolut-schalkhafte Dame ist eine von 117 Buchhändlern, die ausgezeichnet wurden, darunter 72 Debütanten. 500 Buchhandlungen hatten sich beworben. Der Moderator und Autor Jörg Thadeusz sprach neckend von einer „Monumentalpreisverleihung“. Doch Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die den Preis 2015 mit der Kurt Wolff Stiftung ins Leben rief, rechtfertigte die Vielzahl an Preisträgern mit den Worten: „Das ganze Netz geistiger Tankstellen ist mir wichtig. Denn jede inhabergeführte Buchhandlung ist ein Fürsprecher unbekannter Autoren und Botschafter unabhängiger Verlage. Deshalb kann ich nicht nur fünf von ihnen auszeichnen.“ Drei von ihnen wurden jedoch als die besten benannt: Die Kinderbuchhandlung Findus aus dem sächsischen Tharandt, die schatulle lies-weise aus dem niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck sowie die M. Lengfeld’sche Buchhandlung aus Köln. Zu fünf weiteren hervorragenden Buchhandlungen gehören Büchers Best aus Dresden und die Strandläufer Verlagsbuchhandlung aus Stralsund.

Moderator Jörg Thadeusz und Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Quelle: Clemens Heidrich

Grütters erzählte Geschichten aus ihrem Vielleserinnenleben: wie sie den Urlaub in einem Hotel mit eigener Buchhandlung zu verbringen pflegt, wie sie sich bei der Rückkehr mit Politikerkollegen über die „Lesefrüchte des Sommers“ austauscht, wie sie beim Besuch einer Einzimmerbuchhandlung in der Nähe ihrer Wohnung neben dem geplanten Buch immer auch „literarischen Beifang“ mit nach Hause nehme. Internetkauf sei Zielkauf, stationärer Kauf hingegen Impulskauf, sagte Laudator Peter Kraus vom Cleff. Der kaufmännische Geschäftsführer des Rowohlt-Verlages verwies auf die Konkurrenz durch den Internethandel und lobte die Preisträger für ihre unternehmerische Leistung, in diesen schwierigen Zeiten ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein und ein „Nukleus der Nahversorgung“. Den mit einem undotierten Gütesiegel Ausgezeichneten wünschte er, dass sie auch weiterhin die Kriterien für diese Art der Ehrung erfüllen mögen: einen Jahresumsatz über einer Million Euro. Zu den Preisträgern in dieser Kategorie gehört auch die Hannoversche Buchhandlung Leuenhagen & Paris. Inhaber Dirk Eberitzsch zeigte sich stolz über die Auszeichnung: „Ehrlich gesagt haben wir damit gar nicht richtig gerechnet und freuen uns jetzt umso mehr, dass unsere Arbeit von der Kulturstaatsministerin persönlich gewürdigt wurde.“ Er freue sich über die Entwicklung, dass Kunden immer mehr auch wieder den Buchhandel vor Ort zu schätzen lernten. Aus Hannover wurde außerdem der Annabee Buchladen ausgezeichnet.

Der niedersächsische Verleger Dietrich zu Klampen, der für seine Lüneburger Buchhandlung Unibuch geehrt wurde, sagte: „Das ist ein wunderbarer Preis, eine Wertschätzung des stationären Buchhandels, von der wir seit dem Angriff durch den Internethandel gar nicht mehr geträumt hätten.“ Es sei eine Chance, den Lesern zu zeigen: „Auch wir können in irrer Geschwindigkeit Titel bestellen. Und bei uns kommt die persönliche Beratung hinzu.“ Aus Potsdam gehören die Buchhandlung Viktoriagarten und die script Buchhandlung zu den Ausgezeichneten.

Die musikalischen Intermezzi stammten von dem Berliner Ensemble Counterpoint mit Musikern verschiedener Herkunftsländer, darunter auch Sacha Rattle, Sohn des berühmten Dirigenten, an der Klarinette.

Zuletzt räumte der Inhaber der Starnberger Bücherjolle noch mit einem Vorurteil auf: Er erzählte von Ladenbesuchern, die Bücher fotografierten. Als er sie fragte, ob sie vorhätten, im Internet zu bestellen, sagten sie: „Ja, weil es dort günstiger ist.“ Das jedoch stimmt nicht, Buchpreisbindung sei Dank.

Von Nina May/RND

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