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Kultur „Gauguin“ – Reif für die Insel
Nachrichten Kultur „Gauguin“ – Reif für die Insel
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06:00 01.11.2017
Zurück zum ursprünglichen Menschsein: Gauguin (Vincent Cassel) flieht die Zivilisation und entdeckt auf Tahiti eine neue Muse. Quelle: Foto: Studiocanal
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Hannover

Künstler im Kino: In „Auguste Rodin“ plagte sich jüngst der titelgebende Bildhauer mit Selbstzweifeln herum, in „Final Portrait“ arbeitete Alberto Giacometti an einem Bild, das einfach nicht fertig werden wollte. Nun startet das nächste Künstler-Biopic. Es ist Paul Gauguin (1848–1903) gewidmet und beschäftigt sich mit dessen erstem Tahiti-Aufenthalt.

Gauguin findet in der Heimat keine Motive mehr

Dorthin zieht es den Maler (Vincent Cassel) 1891, weil er in seiner Heimat keine Motive mehr findet, die er für würdig hält. Seine Frau Mette (Pernille Bergendorff), die der Reise nichts abgewinnen kann, bleibt mit den fünf Kindern zurück. Da ihm Tahitis Hauptort Papeete bereits zu stark von der Zivilisation erfasst erscheint, lässt er sich in einem Küstendorf nieder. Auf seiner Suche nach dem noch Ursprünglicheren stößt er im Inselinneren auf eine Familie, die ihm die junge Tehura (Tuhei Adams) als Frau andient. Sie wird seine „Eva“, seine Muse und Geliebte, inspiriert ihn zu einigen seiner bekanntesten Werke. Aber auf Dauer werden beide nicht glücklich miteinander – zumal der Künstler finanziell weiterhin auf keinen grünen Zweig kommt.

Deluc erlaubt sich künstlerische Freiheiten

Regisseur Édouard Deluc beruft sich auf Gauguins Reisebericht „Noa Noa“, erlaubte sich aber künstlerische Freiheiten. So unterschlägt er geflissentlich, dass Tehura damals gerade mal 13 war. Im Film wirkt sie ein paar Jahre älter. Auf der sicheren Seite hat sich Deluc auch mit seinem Hauptdarsteller begeben: In Vincent Cassels Gesicht zeichnet sich die Getriebenheit des Malers und dessen Verzweiflung über die Diskrepanz zwischen hehrem Anspruch und meist trister Wirklichkeit deutlich ab. An der Ausstattung gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln.

Allerdings tritt die Handlung dieses Biopics, das gelegentlich wie ein Abenteuerfilm anmutet, immer wieder auf der Stelle. So kann man sich am Ende kaum des Eindrucks erwehren, man habe sich etwas zu ausgiebig im Elend eines oft kränkelnden und permanent unter Geldnot leidenden Malers gesuhlt.

Von Jörg Brandes / RND

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