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Kultur „Ocean’s 8“ – Jetzt gehen die Frauen auf Beutezug
Nachrichten Kultur „Ocean’s 8“ – Jetzt gehen die Frauen auf Beutezug
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07:41 21.06.2018
Wie kommen sie an die Juwelen? Lou (Cate Blanchett, v. l.), Rose (Helena Bonham Carter) und Debbie (Sandra Bullock) schmieden Pläne. Quelle: Foto: Warner
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Hannover

Frei von Ironie ist dieses frauenbewegte Unternehmen nicht: Schließlich bestand die erste Ocean-Bande aus einem Haufen Machos um Frank Sinatra (als Danny), Dean Martin und Sammy Davis Jr., die sich 1960 im Kasino Sands in Las Vegas vor die Kinokamera verirrt hatten.

Frauen dringen in Männerdomänen vor

Im Gangsterfilm „Ocean’s Eleven“ ließ Regisseur Lewis Milestone jenen Männerclub Sprüche klopfen, über den Mia Farrow, Sinatras dritte Ehefrau, befunden hatte: „Alles, was sie können, ist dreckige Geschichten erzählen, Möbel zertrümmern, die Hintern von Kellnerinnen zwicken und auf Pferde wetten.“

Steven Soderbergh revitalisierte die Ocean-Gang gleich in drei Filmen mit George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon. Und nun, mehr als zehn Jahre nach dem dritten Teil „Ocean’s 13“, hat ihren Auftritt: Debbie Ocean (Sandra Bullock), Dannys Schwester, die – welch Zufall – ebenfalls eine Meisterdiebin ist.

Nun soll ausgerechnet der Krimiaufguss „Ocean’s 8“ (Kinostart am 21. Juni) beweisen, dass die Frauen in Hollywood in Männerdomänen vordringen. Jedenfalls ist es unter der Regie eines Mannes so gedacht: Gary Ross inszeniert, Soderbergh ist als Produzent dabei. Hauptdarstellerin Sandra Bullock zweifelte lange daran, ob sich eine Krimikomödie mit einer rein weiblichen Besetzung finanzieren lassen würde. Mit diesem illustren Team hat es geklappt: Cate Blanchett, Anne Hathaway, Helena Bonham Carter, Rihanna und noch ein paar andere geben sich die Ehre.

Die Show gehört vor allem Sandra Bullock

Zuerst aber gehört die Show allein Debbie, die nach fünf Jahren, acht Monaten und zwölf Tagen aus dem Gefängnis entlassen wird. In dieser Zeit hat sie nichts anderes getan, als den nächsten Streich zu planen. Eben gibt sie noch die weinerliche Gefangene in Sträflingsklamotten – schon schreitet sie im schicken Abendfummel in die Freiheit.

Wem das irgendwie bekannt vorkommt: Bruder Danny alias Clooney trug bei dieser Gelegenheit Smoking. Und wer schon immer wissen wollte, wie man sich ohne einen einzigen Cent die nötige Ausstattung und ein teures Hotelzimmer besorgt: Debbie demonstriert es mit schnoddriger Eleganz, verweilt allerdings die meiste Zeit in einer Luxusdrogerie bei Lippenstift und Parfum. Sind hier nicht antifeministische Klischees im Spiel?

Das ist nicht die einzige Frage, die sich stellt: Wieso müssen die Damen unbedingt ein 150 Millionen teures Juwelen-Halsband während der New Yorker Met-Gala klauen? Und ist es wirklich eine gute Idee, Debbie dadurch zusätzlich zu motivieren, dass sie sich an einem eitlen Galeriebesitzer (Richard Armitage) rächen will? Da kommt ja doch wieder ein Mann ins Spiel.

Die Schauspielerinnen sind quirlig, der Plot ist müde

Und überhaupt scheint in diesem Film noch immer für die meisten Frauen zu gelten: „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“. Dieses Lied sang Marilyn Monroe 1953 in der Howard-Hawks-Komödie „Blondinen bevorzugt“ – auch wenn sie sich die Klunker schenken lassen und sie nicht klauen wollte.

Dass sich die Sache gerade in der ersten Filmhälfte in die Länge zieht, ist nicht den Schauspielerinnen anzulasten, sondern einem müden Plot. Zunächst gilt es wie immer in solchen Fällen, Spezialistinnen mit der nötigen kriminellen Energie für den Diebstahl zu begeistern. Eine davon ist eine Hackerin (Rihanna), ohne die in digitalen Zeiten nichts läuft. Das Geschehen verlagert sich auf den Computerbildschirm, was die endlose Vorbereitung nicht eben spannender macht.

Der Coup selbst wird vor den Augen des Publikums so sorgfältig ausgebreitet, dass jeder die Brillanz des Unternehmens bewundern kann. Gedreht werden durfte tatsächlich im Metropolitan Museum of Art. Witzig immerhin, dass hier ein Mann durch ein Überwachungsfeld von Infrarotstrahlen hindurchturnt – sonst müssen immer die Frauen ran, siehe Catherine Zeta-Jones in „Verlockende Falle“.

Cameo-Auftritte wecken dann doch das Champagner-Kribbeln

Überhaupt muss man sagen: Die Schauwerte sind ansprechend, was zuerst an den prächtigen Garderoben liegt, die Edeldesigner als Eigenwerbung beisteuerten. Einige Cameo-Auftritte wecken ansatzweise das Champagner-Kribbeln, das sonst fehlt (bitte achten auf: Heidi Klum, Kim Kardashian, „Vogue“-Chefin Anna Wintour).

Nach ein paar bestenfalls halbwegs originellen Handlungstwists muss man sagen: Bullock und Co. holen das Beste aus dem Job heraus, leiden aber eindeutig unter Unterbeschäftigung. Blanchett immerhin macht sich als Verkäuferin von Street Food gut.

Bei der „Ghostbusters“-Kopie von 2016 ging es schon einmal schief, einen Kinohit mit weiblichem Personal zu imitieren. Aber gemach, die Aufholjagd der Frauen hat eben erst begonnen: Jessica Chastain hat für den Spionagethriller „355“ das nächste Starensemble schon zusammengetrommelt. Mit dabei: Penélope Cruz, Marion Cotillard, Lupita Nyong’o.

Beim Filmfestival in Cannes war diese Zusammenstellung so begehrt, dass das Universal-Studio allein für die US-Rechte mehr als 20 Millionen Dollar springen ließ. Dieses Mal dringen die Damen in die Gefilde von James Bond und Jason Bourne vor und wollen mit einem global operierenden Team die Welt retten. Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht damit begnügen, die männliche Konkurrenz nachzuahmen.

Von Stefan Stosch / RND

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