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Kultur „In My Room“: Paarprobleme im Paradies
Nachrichten Kultur „In My Room“: Paarprobleme im Paradies
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18:00 06.11.2018
Der letzte Mann auf Erden: Armin (Hans Löw) wird vom Schluffi zum Alleskönner. Quelle: Foto: Pandora Film
Hannover

Dieser Film versprüht eine Originalität, wie man sie im deutschen Kino selten findet. Dabei fängt „In My Room“ stinknormal an, und genau darin besteht der Trick: Armin (Hans Löw) ist Anfang 40, Kameramann, und sammelt in Berlin all die gestanzten Politikerstatements ein, mit denen die Medien täglich abgefüllt werden wollen.

Armin erwacht – und ist der einzige Mensch auf Erden

Armin ist offen für sexuelle Abenteuer, aber wenn es nichts wird mit dem Sex, geht er eben so nach dem Zähneputzen ins Bett. Feste Pläne hat er jedenfalls nicht. Als seine Oma stirbt, ist er an der Seite seines Vaters zur Stelle – und es könnte sein, dass ihm in der Nacht ihres Todes zum ersten Mal in den Sinn kommt, dass man sein Leben irgendwie gestalten sollte, bevor es vorbei ist. Darüber wird er bald genauer nachdenken müssen.

Denn jetzt kommt’s: Nach einer traurigen Nacht mit ein paar Dosen Bier im Auto erwacht Armin – und plötzlich ist er der einzige Mensch auf Erden. Die Tiere sind noch da, die Dinge, nur die Menschen nicht mehr (bis auf die tote Oma in ihrem Bett). Warum? Egal. Hier geht es nicht um die Apokalypse, sondern um ein soziologisches Experiment: Was macht der letzte Mensch, wenn er alles machen kann?

Nach dem Weltende liegt noch alles in den Supermarktregalen

Eine Robinsonade unter den Bedingungen der Überflussgesellschaft beginnt. Denn es liegt ja noch alles da in den Supermarktregalen. Der Verpackungsindustrie sei Dank. Und wenn Armin will, dann heizt er in einem Sportwagen mit Höchstgeschwindigkeit durchs Dorf. Doch dann zieht er sich in eine ländliche Idylle mit Ackerpferd, Hühnern und Ziegen zurück. Licht gibt’s vom Mühlenrad am Bach.

Aus dem wabbeligen Schluffi ist inzwischen ein durchtrainierter Alleskönner mit Verantwortungsgefühl für Vieh und Technik geworden. Und dann taucht, welche Überraschung, doch noch eine Frau auf, Kirsi (die Italienerin Elena Radonicich). Woher Kirsi kommt? Spielt keine Rolle. Ist eben so.

Muss noch mehr Wildbret geschossen werden, oder nicht?

Wer jetzt denkt, dass eine paradiesische Zeit zu zweit anbricht, sieht sich getäuscht. Beziehungsprobleme können sich auch dann einstellen, wenn beide Beteiligten wissen, dass die Alternativen überschaubar sind. Muss noch mehr Wildbret geschossen werden oder nicht? Wollen die beiden Kinder oder lieber nicht? Sollen Sie sich endgültig am Mühlbach niederlassen, oder ist es doch besser, gen Süden zu ziehen? Kein Wunder, dass schon Adam und Eva die Sache mit dem Apfel damals nicht wirklich auf die Reihe bekamen.

Allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass Köhler seine geniale Idee noch weiter hätte treiben können. Aber vielleicht ist es ja genau so, wie er es beschreibt: Man richtet sich in der Welt ein, wie sie eben ist.

Von Stefan Stosch / RND

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