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Kultur „Der Trafikant“ – Zigarren für die Nazis
Nachrichten Kultur „Der Trafikant“ – Zigarren für die Nazis
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19:00 31.10.2018
Im Gespräch: Franz Huchel (Simon Morzé, l.), Sigmund Freud (Bruno Ganz). Quelle: Foto: Tobis
Hannover

Mit einem Donnerschlag verändert sich das Leben des 17-jährigen Franz (Simon Morzé): Der Bub wird 1937 aus dem Salzkammergut nach Wien geschickt, wo er zum Trafikanten ausgebildet werden soll – Trafik nennt man in Österreich ein kleines Geschäft für Tabak- und Schreibwaren.

Die Lizenzen dafür werden an Kriegsversehrte wie Otto Trsnjek (Johannes Krisch) vergeben, der ein Bein fürs Vaterland gab. Von ihm lernt Franz, was einen guten Trafikanten ausmacht: Diskretion, Zeitungslektüre und der fachgerechte Umgang mit Zigarren.

Der „Deppendoktor“ Freud wird zum Gesprächspartner für Franz

Diese sind für besondere Kunden wie Dr. Sigmund Freud (Bruno Ganz), der die Köpfe der Menschen „von innen heraus“ repariert. Der „Deppendoktor“ wird zum Gesprächspartner für Franz, der mit ersten Liebeserfahrungen zu kämpfen hat. Und dann fordern die Zeiten von Franz, schneller erwachsen zu werden, als ihm lieb ist. Die Nazis jubeln dem Anschluss ans deutsche Reich zu. Trsnjek wird von der Gestapo verhaftet, Freud in die Emigration gezwungen.

Mit seinem Roman „Der Trafikant“ landete der Österreicher Robert Seethaler 2012 einen Bestseller. Das Buch verband eine klassische Coming-of-Age-Story mit österreichischer NS-Geschichte. Das Besondere am Roman war, dass der Autor die Warte der Naivität nie verließ. Diese Unschuld bewahrt den jungen Helden vor faschistischem Opportunismus.

Diesem Geist bleibt Nikolaus Leytners Verfilmung treu. Konsequent nimmt er die Perspektive des Jugendlichen ein, der mit sich verdüsternden politischen Verhältnissen konfrontiert wird. Gerade im heutigen politischen Kontext drängen sich bedrückende Parallelen auf. Kameraarbeit und Ausstattung sind jedoch eher gediegen. Man hätte dem Regisseur mehr Mut zur Eigenwilligkeit gewünscht.

Von Martin Schwickert / RND

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