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Kultur „Aufbruch zum Mond“: Erdenschwere Angelegenheit
Nachrichten Kultur „Aufbruch zum Mond“: Erdenschwere Angelegenheit
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18:00 07.11.2018
Es rüttelt, und es schüttelt ihn: Neil Armstrong (Ryan Gosling) unterwegs im All. Quelle: Foto: Universal
Hannover

Fürchterlich rattert und ruckelt es in der Raumkapsel. Das Metall knirscht, als würde ein Unterseeboot unter hohem Wasserdruck ächzen und gleich die erste Niete aus dem Rumpf platzen. Der Pilot schwitzt und stöhnt bei der Anstrengung, sein Gefährt auf Kurs zu halten.

1962: John F. Kennedy setzt die Weltraumsegel

Nur in kurzen Momenten geht es in „Aufbruch zum Mond“ so erhaben zu, wie wir das von anderen Kinoausflügen ins All kennen, etwa von Stanley Kubricks „2001“ oder „Gravity“ mit Sandra Bullock als Astronautin. So lustig wie „Die Reise zum Mond“, die der französische Kinopionier Georges Méliès 1902 unternahm, ist es schon gar nicht.

Diese Mondfahrt hat wenig von einem gloriosen Aufbruch zu einem Sehnsuchtsort der Menschheit, Filmtitel hin oder her. Noch dazu ist Klaustrophobikern die Enge im Raumschiff kaum zu empfehlen. Warum also zum Mond?

Regisseur Damien Chazelle lässt diese Frage in seinem Drama „Aufbruch zum Mond“ gleich mehrfach beantworten. Die Strategen im Weißen Haus sagen: um den Sowjets endlich mal im Weltraum zuvorzukommen, die ihnen seit dem Sputnik-Schock von 1957 immer wieder eine Nase gedreht haben.

Präsident J. F. Kennedy betont in einer Archivaufnahme seiner Rede von 1962 die Herausforderung, vor der er die Amerikaner sieht: Die Aufgabe müsse noch in diesem Jahrzehnt erledigt werden, und deshalb werden „wir die Segel setzen und aufbrechen in das riskanteste und gefährlichste und größte Abenteuer, zu dem sich jemals ein Mensch aufgemacht hat“. Schöne Worte.

Neil Armstrong sagt seinen großen Satz. Ansonsten ist er einsilbig

Die Antwort von Neil Armstrong (Ryan Gosling) ist weniger eindeutig. Klar, seinen berühmten (und bis heute in zwei Versionen zitierten) Satz sagt er auch in diesem Film, sobald er am Zielort gelandet ist: „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“

Ansonsten aber ist der Mann recht einsilbig. Sogar die Verabschiedung von seinen beiden Söhnen hätte er lieber vermieden. Ehefrau Janet (Claire Foy) musste ihn regelrecht dazu nötigen. Wie bei einer Pressekonferenz sitzt Armstrong am Wohnzimmertisch. Er spricht von neuen Horizonten und Risiken und Vertrauen in die Mission. Und dann sagt er: „Noch Fragen?“ Seine Kinder wollen vor allem eines wissen: Wird er wirklich bei ihrer anstehenden Schwimmprüfung fehlen?

Wenn Armstrong endlich mit seinen klobigen Boots einen Abdruck im Mondstaub hinterlässt, wirbeln Szenen von einem lange zurückliegenden Familienausflug durch seinen Kopf. Er erinnert sich an seine Tochter, die an einem Hirntumor starb. Kann es sein, dass Armstrong sich für sie auf diesen irrwitzigen Trip eingelassen hat? Sucht er da oben die Antwort auf ihren Tod, die ihm unten auf der Erde niemand geben konnte?

Das Monddrama ist eine erstaunlich erdenschwere Angelegenheit

Damien Chazelles Kinodrama ist jedenfalls eine erstaunlich erdenschwere Angelegenheit. Eine Heldengeschichte hat der Regisseur, der Ryan Gosling in „La La Land“ das Tanzen lehrte, nicht inszeniert. Die Handkamera rückt den Protagonisten dicht auf die Pelle und verströmt vor allem eines: Nervosität und Unbehagen.

Chazelle gönnt seinen Raumfahrern nicht einmal eine triumphale Rückkehr, so wie es zum Beispiel Regiekollege Ron Howard in „Apollo 13“ tat, nachdem es dem Astronautenteam (um Tom Hanks) der glückliche Eintritt in die Erdatmosphäre gelungen war. Hier hockt Armstrong zusammen mit seinem Kopiloten Buzz Aldrin (Corey Stoll) wie ein Gefangener in der spartanischen Nasa-Quarantänestation und sucht unsicher Kontakt durch die Scheibe, die ihn von seiner Frau trennt. Die Wiederbegegnung hätte kaum befremdlicher ausfallen, wäre da ein Alien aus dem Weltall zurückgekehrt.

Vielleicht ist Janet sogar die eigentliche Heldin: Sie hat die zunehmende Verschlossen- und Gehetztheit ihres Mannes ertragen. Sie hat ihm den Rücken freigehalten, ohne je für voll genommen zu werden. Als sie bei einer der vielen Vorbereitungsflügen ihres Mannes die O-Töne aus der Bodenstation mithört, und es an Bord der Raumkapsel Komplikationen gibt, wird die Übertragung kurzerhand abgedreht. Auch Janet Armstrong ist eine der „Hidden Figures“ (2016), wie es die vergessenen afroamerikanischen Nasa-Mathematikerinnen im gleichnamigen Film waren, die so viel zum unwahrscheinlichen Gelingen der Apollo-Mission beigetragen hatten.

Der Preis für den Aufbruch zum Mond war hoch

Klar wird in diesem Film: Der Preis für den Aufbruch zum Mond war hoch, nicht nur in Dollarmillionen gerechnet. Eine ganze Reihe von Piloten kam bei den Testflügen ums Leben. Und hätte es wirklich nichts Wichtigeres zu tun gegeben, zum Beispiel die Beendigung des Vietnamkriegs?

Von den „Whities on the Moon“, von den weißen Männern auf dem Mond, singt hier ein schwarzer Protestsänger und beklagt, dass Leute seiner Hautfarbe auf Erden nicht einmal ihre Miete bezahlen können. In einer eingespielten Talkshowaufzeichnung zweifelt der Schriftsteller Kurt Vonnegut daran, dass Erlösung durch Technik möglich ist.

Sehnsüchig blicken die Protagonisten zum Trabanten

So streut Chazelle Zweifel daran, dass die Mondlandung am 21. Juli 1969 um 3.26 Uhr MEZ wirklich ein Symbol für die Leistungsfähigkeit und den Zusammenhalt der Amerikaner gewesen ist – ein durchaus überraschender Ansatz, kurz bevor sich dieses Ereignis zum 50. Mal jährt. Erst recht, wenn man bedenkt, dass der in seinen eigenen Filmen so harmoniesüchtige Steven Spielberg „Aufbruch zum Mond“ produziert hat.

Nichtsdestotrotz: Hin und wieder heben die Protagonisten auch in diesem Film den Kopf und schauen sehnsüchtig hinauf zum hell leuchtenden Trabanten.

Von Stefan Stosch / RND

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