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Kultur „Ailos Reise“ – Geschichte eines Rentiers
Nachrichten Kultur „Ailos Reise“ – Geschichte eines Rentiers
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18:00 13.02.2019
Hallo Welt! Das junge Rentier Ailo macht sich bald auf zu den Sommerweiden. Quelle: Ascot Elite
Hannover

„Das ist die Geschichte von Ailo, wie er geboren wurde, wie er lebte und wie er geliebt wurde“ erzählt Anke Engelke im Off, gleichzeitig eröffnet sich der Blick auf eine der letzten magischen und mythischen Landschaften Europas. Es ist April, aber immer noch Winter im Norden Lapplands. Die Rentiere sind auf dem Weg zu den Sommerweiden, ein Weibchen zieht sich zurück, um den Nachwuchs zu früh und an einem stillen Ort zu gebären.

Zwei Jahre lang begleitete das Filmteam wilde Rentiere

Auf wackeligen und dünnen Beinchen folgt Ailo der Mutter. Nach tagelangem Marsch erreichen sie unter großen Gefahren die verlorene Herde bei vom Schnee befreiten Moosen und Flechten. Über vier Jahreszeiten hinweg, beginnend im Winter, geht die Wanderung 500 Kilometer durch eine atemberaubende Landschaft, durch die Taiga, über unwegsame Berge, vorbei an Fjorden und gefrorenen Seen.

Man sieht wie aus dem anfänglich schutzlosen Helden ein Männchen wird, das stolz sein Geweih trägt. Um die wichtigsten Etappen im Leben des Jungtiers einzufangen – die Geburt, das Weiterziehen im Sommer, zu Beginn des Winters die Rückkehr in die Berge – begleiteten Naturfilmer Guillaume Maidatchevsky und sein Team innerhalb von zwei Jahren monatelang die „Finse“-Herde mit über 300 Exemplaren, eine der vier letzten wilden Rentierherden.

Entstanden ist ein Dokumentarfilm, der auf Vermenschlichung weitgehend verzichtet, auch wenn eingestreute Geschichten über einen Polarfuchs, der Freundschaft mit Ailo sucht, einen Lemming, der wilde Tänze aufführt oder ein Hermelin, der nur durch Schnelligkeit Raubtieren entkommt, die Reise emotional anreichern, manchmal sogar für Komik sorgen.

Feinde wie Wolf, Luchs, Steinadler und Vielfraß bringen die nötige Dramatik ein, keine heile Welt, sondern einen Welt des harten Ausleseprozesses, in der Schwache nicht überleben. Der Franzose, für den Kälte bis zu minus 40 Grad und lange Warterei das Schlimmste waren, bettet einzelne Aufnahmen, die er in der Wildnis gemacht hat, in das große Ganze ein, betrachtet die Tiere als eigene Persönlichkeiten, nicht nur als Vertreter eine Spezies.

Ein faszinierender Familienfilm, der auch den Klimawandel betont

Und er schärft ganz nebenbei ohne pädagogische oder ideologische Mätzchen den Blick dafür, wie der Klimawandel Lebensraum zerstört, das ökologische Gleichgewicht kippt. Ein faszinierender Familienfilm.

Von Margret Köhler / RND

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