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Kultur „7 Tage in Entebbe“ – Stunde des Terrors
Nachrichten Kultur „7 Tage in Entebbe“ – Stunde des Terrors
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20:02 02.05.2018
Flugzeug gekapert: Die Terroristen Böse (Daniel Brühl) und Kuhlmann (Rosamund Pike) wollen mit der Entführung Gesinnungsgenossen freipressen. Quelle: fox
Hannover

Am 27.Juni 1976 entführten palästinensische und deutsche Terroristen den Air France Flug 139 von Tel Aviv über Athen nach Paris und nahmen die 258 Passagiere im ugandischen Entebbe als Geiseln, um inhaftierte Gesinnungsgenossen in deutschen und israelischen Gefängnissen frei zu pressen. Nach sieben Tagen gelang es der israelische Armee in einer halsbrecherischen Militäraktion alle Entführten zu befreien.

Actionthriller aus sicherer historischer Distanz

In „7 Tage in Entebbe“ versuchen Regisseur José Padilha („Tropa de Elite“) und sein Drehbuchautor Gregory Burke nun aus sicherer historischer Distanz und im Gewand eines Actionthrillers die verschiedenen Seiten und Akteure mit ihren widersprüchlichen Motivationen zu beleuchten.

Für die Genossen der „Revolutionären Zellen“ Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) ist die Flugzeugentführung die Nagelprobe ihrer marxistischen Theorie, die sich mit dieser vermeintlich revolutionären Tat in der Praxis beweisen muss.

Jüdische Passagiere werden in einen abgetrennten Raum gebracht

Sehr viel unmittelbarer ist die politische Motivation der palästinensischen Mitstreiter, die sich im direkten Krieg mit dem Staat Israel sehen und ihren Hass aus der persönlichen Erfahrung der Vertreibung herleiten. Die deutschen Marxisten geraten in die moralische Zwickmühle, als alle jüdischen Passagiere ausgelesen und in einen abgetrennten Raum gepfercht werden.

Derweil wird in Tel Aviv über die adäquate politische Reaktion auf die Entführung gestritten. In dem Konflikt zwischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi) und Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) um die Verhandlungsbereitschaft des Staates geht es nicht nur um die Frage des richtigen Weges, sondern auch um tagespolitisches Machtkalkül.

Letztlich willigt Rabin entgegen der eigenen Überzeugung in die Militäraktion ein und macht auch nach deren Gelingen deutlich, dass es ohne Verhandlungen keine Zukunft geben wird.

Die personellen Kontinuitäten sind frappierend

Es ist nicht nur diese Botschaft, mit der „7 Tage in Entebbe“ das historische Ereignis mit der politischen Gegenwart des Nahost-Konfliktes verknüpft. Allein schon die personellen Kontinuitäten sind frappierend: In den Neunzigern trat Rabin in die Osloer Friedensverhandlungen mit der PLO ein und wurde 1995 von einem religiös-fanatischen Israeli ermordet.

Der Leiter der Militäroperation, der beim Einsatz in Entebbe ums Leben kam, war Jonathan Netanjahu – der Bruder des derzeitigen Ministerpräsidenten, der wiederum nicht müde wird den familiären Verlust als Rechtfertigung für seine Hardlinerpolitik heranzuziehen.

Von Martin Schwickert / RND

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