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Kultur Diktator am Boden: „Death of Stalin“
Nachrichten Kultur Diktator am Boden: „Death of Stalin“
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19:00 27.03.2018
Furchtloses Alphatier: Feldmarschall Schukow (Jason Isaacs) lässt sich nicht von den Angstreaktionsmustern anstecken. Quelle: Foto: Concorde
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Hannover

Da liegt er nun, der gefürchtete Diktator, in seiner Urinlache und keiner kommt ihm zu Hilfe. Die Wachen vor der Tür hatten gehört, wie Stalin zu Boden fiel, trauten sich aber nicht rein. Zuviel könnte man falsch machen und jeder Fehler kann den Tod bedeuten in der UdSSR des Jahres 1953.

Tod mitten in der neuesten Verhaftungswelle

Millionen sind den Säuberungs- und Terroraktionen bereits zum Opfer gefallen, in Gulags verschleppt, in Gefängnissen gefoltert oder gleich vor Ort erschossen worden. Und auch am Abend zuvor, als der Generalsekretär des ZK der KPdSU mit seinem engsten Parteigenossen in seiner Datscha aß, trank und einen Cowboyfilm anschaute, hatte er vorher noch die neusten Verhaftungslisten unterschrieben.

NKWD-Chef Beria (Simon Russell Beale) ist am Morgen auch der Erste vor Ort. Bevor der Rest des Zentralkomitees nacheinander hektisch mit schwarzen Limousinen vorfährt, hat er schon die ersten Schritte eingeleitet, Papiere verschwinden lassen, Schubladen und Tresore durchsucht.

Der Machtkampf um die Nachfolge beginnt sofort

Auch wenn Stalin nach einem schweren Schlaganfall seinen letzten Atemzug noch nicht getan hat – der Machtkampf um die Nachfolge hat bereits begonnen. Den Tod des Diktators macht der schottische Regisseur Armando Iannucci zum Zentrum einer historischen Farce. Das stalinistische Terrorsystem aus einem komödiantischen Blickwinkel zu betrachten, ist natürlich eine harte Gratwanderung.

Iannuccis Konzept ist es, dort zu lachen, wo einem eigentlich nach Heulen zumute ist, und sicherlich ist nicht jeder bereit, diesen Weg mitzugehen. Mit unnachgiebiger, humoristischer Härte macht sich der Film her über den Opportunismus, die Intrigen und die vom Terror geschulten Angstreaktionsmuster im Kreise von Stalins Gefolgsleuten.

Bitterböse Charakterstudie über autoritäre Machtklüngel

Steve Buscemi gibt als Chruschtschow den begnadeten Taktierer, Jason Isaacs als Feldmarschall Schukow ein furchtloses Alphatier und Simon Russell Beale einen monströs widerwärtigen NKWD-Chef. Als bitterböse, kollektive Charakterstudie über autoritäre Machtklüngel verfehlt die Farce auch über ihren historischen Kontext hinaus nicht ihre Wirkung.

In Russland landete der Film auf dem Index, was sicherlich nicht nur an seinem Blick auf die Geschichte, sondern auch an gewissen Kongruenzen zu den gegenwärtigen Verhältnissen im Lande liegt.

Von Martin Schwickert / RND

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