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Kultur „Stronger“ – Jake Gyllenhaal als Bombenopfer
Nachrichten Kultur „Stronger“ – Jake Gyllenhaal als Bombenopfer
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14:31 18.04.2018
Kämpft sich ins Leben zurück: Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) mit seiner Ex-Freundin Erin (Tatiana Maslany). Quelle: Studiocanal
Hannover

Man kennt diese Filme „nach einer wahren Begebenheit“: Ein Terroranschlag tötet Unschuldige, aber inmitten der Katastrophe wachsen Helfer oder Überlebende über sich hinaus. Ihr Kampf zu dicker Streichermusik soll das Publikum inspirieren, er lehrt uns, was wir angesichts großen Unglücks bewältigen können.

Keins der gewohnten manipulativen Opferdramen

Auch der Trailer zu einem Drama über das Attentat auf den Boston-Marathon 2013 weckt den Eindruck, dass „Stronger“ genau ein solcher Film ist, Katastrophe und Held im Rollstuhl inklusive. Doch Zuschauer, die den Film auslassen, weil sie keine Lust auf manipulative Opfer-Dramen haben, machen einen großen Fehler.

Zu Beginn des Films ist Jeff eigentlich schon nicht mehr mit seiner Freundin Erin zusammen, aber er will versuchen, sie ein letztes Mal für sich zu gewinnen, indem er ihr beim Zieleinlauf des Marathons zujubelt. Doch er verliert bei dem Anschlag beide Beine und Erin muss sich fragen, welche Verantwortung sie ihm gegenüber hat.

Gyllenhaal und Maslany als überzeugendes (Ex-)Filmpaar

Natürlich, und gleichermaßen zögerlich wie fordernd, prägt der „Orphan Black“-Star Tatiana Maslany ihre Rolle. Ihr zur Seite steht der 37-jährige Gyllenhaal, der sich sich seit seinem Debüt als Sohn von Billy Crystal in „City Slickers“ mit Filmen wie „Brokeback Mountain“, „The Day After Tomorrow“ und „Nightcrawler“ eine vielseitige Filmografie aufgebaut hat. Mit braunen Kontaktlinsen und filzigen Haaren uneitel in Szene gesetzt, wirkt sein Spiel nie wie das eines Standard-Hollywood-Schönlings, der sich gegen den Typ bürsten lässt - stattdessen stellt er sich in den Dienst der Sache und überzeugt in lauten und leisen, in charmanten und deprimierenden Szenen gleichermaßen.

Sein Jeff Bauman ist zwar ein Durchschnittstyp, der über sich hinauswachsen könnte – aber als großer Held in düsteren Zeiten taugt er trotzdem nicht. Als Opfer jammert er wehleidig über seine Situation, und seine unangenehm laute Bostoner Arbeiterfamilie trinkt und flucht am Rande zur Karikatur – als einer der Attentäter erschossen wird, jubeln sie laut durchs Krankenhaus.

Der Film bleibt nicht beim üblichen Inspirationskitsch stehen

Das stärkste Plus des Filmes ist aber, dass er nicht beim üblichen Inspirationskitsch stehen bleibt. Dafür schmerzen Jeffs Stürze auf die Wannenkante im schlecht eingerichteten Badezimmer zu sehr und dafür sind die Szenen, die in anderen Filmen gnadenlos draufhalten würden, hier zu leise umgesetzt. Da gibt es keine beeindruckende Inszenierung einer derben Bombenexplosion, sondern es zählt der eine um Hilfe flehende Blick, den Jeff seiner Erin zuwirft, als zum ersten Mal die Verbände an seinen Beinstummeln gewechselt werden.

Der Film bekommt dafür eine wichtige andere Botschaft verpasst. Jeff muss in seine neue Rolle als Symbol für Widerstandsfähigkeit hereinwachsen. „Bin ich schon ein Held, weil ich da gestanden habe und mir die Beine hab’ wegblasen lassen?“, fragt er an einer Stelle. Es ist die größte Stärke dieses herausragenden Dramas, zu zeigen, dass eine solche Katastrophe für eine Gruppe erst einmal nicht zur Inspiration taugt: die Betroffenen.

Wie der Film dann verhandelt, ob andere aber trotzdem ein Recht auf inspirierende Ikonen haben, hebt „Stronger“ weit über den Durchschnitt anderer Terror-Bewältigungsdramen hinaus.

Von Christian Fahrenbach

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