Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Kultur „Molly’s Game“ – Jessica Chastain pokert hoch
Nachrichten Kultur „Molly’s Game“ – Jessica Chastain pokert hoch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:46 27.02.2018
Gerät in Schwierigkeiten: Molly Bloom (Jessica Chastain) steckt Pokergeld in die eigene Tasche. Quelle: Foto: SquareOne
Hannover

Es gibt heute nur noch wenige Drehbuchautoren in Hollywood, die man an ihren Stil erkennt, egal welcher Regisseur ihre Werke verfilmt. Aaron Sorkin gehört auf jeden Fall dazu. Seine Dialoge sind keine netten Konversationen, sondern rasante Wortgefechte, die mit ihrer hohen Informationsdichte das Publikum immer wieder an die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit bringen.

Der Autor Sorkin wurde mit der Serie „West Wing“ berühmt

Die ersten Filmminuten gleichen oft einer verbalen Schocktherapie. Es braucht ein wenig Zeit, bis man sich als Zuschauer in das Tempo eingegroovt hat und die Schlagfertigkeit, die Eleganz, die Musikalität der Sprache erkennt. Im amerikanischen Original hat das oft etwas von einem guten Hip-Hop-Song, in der deutschen Synchronisation bleibt meist nur die Schnelligkeit als Markenzeichen erhalten.

Sorkins Karriere nahm mit der TV-Serie „West Wing“ (1999–2006) Fahrt auf, die sich am Alltag eines fiktiven US-Präsidenten ins Zentrum der Macht vorarbeitete und zu den Pionierwerken des derzeitigen Serienbooms gehört. In „Social Network“ (2010) porträtierte er wenig vorteilhaft den Facebook-Gründer Mark Zuckerman, in „Steve Jobs“ (2015) ganz ohne Heiligenschein den Apple-Guru und in „Moneyball“ untersuchte er die knallharten monetären Strategien in der US-Baseball-Liga.

Nun legt Sorkin mit „Molly’s Game“ seine erste eigene Regiearbeit vor und erneut ist die Geschichte sehr nahe an die Realität herangebaut. Von 2003 bis 2011 veranstaltete eine gewisse Molly Bloom in Los Angelas und New York Pokerrunden, in denen prominente Hollywood-Stars, Sportler, Banker und Ganoven mit extrem hohen Einsätzen Millionenbeträge verspielten, bis das FBI die Gastgeberin wegen vermeintlicher Kontakte zur russischen Mafia in Haft nahm.

Die Reichen spielen in stilvoller Atmosphäre

Jessica Chastain spielt de Tochter aus gutem mittelständischem Hause, die es als Skifahrerin fast bis zur Olympiade geschafft hätte, wenn ein fataler Sturz ihrer Sportlerkarriere nicht ein frühzeitiges Ende gesetzt hätte. Auf der Piste beginnt der Film und die Worte von Mollys Off-Kommentar fliegen uns in dem gleichen Tempo um die Ohren, wie die junge Frau den Abhang hinunter rast.

Nachdem die Verletzungen verheilt sind, schießt sie das geplante Jura-Studium in den Wind und zieht nach Los Angeles, wo sie bald als Assistentin von dem Möchtegern-Geschäftsmann Dean Keith (Jeremy Strong) angeheuert wird, der für ein paar betuchte Promis eine Pokerrunde organisiert. Molly arbeitet sich schnell in die Materie ein, übernimmt kurzerhand das Spiel und verlagert es vom Hinterzimmer einer Bar in ein Nobelhotel.

In stilvoller Atmosphäre spielen die Reichen der Stadt mit hohen Einsätzen und Molly erhält als Organisatorin großzügige Trinkgelder. Erst als sie das Spiel nach New York verlagert, wo Banker und Geldwäscher am Tisch sitzen, steckt sie einen Anteil der Einsätze in die eigene Tasche – womit sie sich laut Gesetz des illegalen Glücksspiels schuldig macht.

Chastain ist perfekt in Sorkins Highspeed-Dialogen

In einer rasant Rückblendendramaturgie wird zwischen dem Aufstieg der Poker-Queen und einer Gegenwartserzählung hin und her geschwenkt, in der Molly sich mit ihrem Anwalt Charly Jeffey (Idris Elba) vor Gericht verantworten muss. Das FBI bietet ihr einen Deal an. Aber Molly hat ihre eigenen moralischen Prinzipien und weigert sich die Poker-Klienten zu verraten.

Mit Jessica Chastain hat Sorkin die ideale Hauptdarstellerin gefunden, die nicht nur die Hochgeschwindigkeitsdialoge souverän handhabt, sondern auch hinter der Fassade der kühlen Geschäftsfrau, die Intelligenz und Integrität ihrer Figur glaubwürdig herausarbeitet. Nach ihren Einsätzen in „Zero Dark Thirty“ und „Die Erfindung der Wahrheit“ überzeugt Chastain auch hier wieder als kompetente Frau, die sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen versteht.

Aber so gerne man ihr bei der Arbeit zuschaut, ist „Molly’s Game“ mit 140 Minuten deutlich zu lang geraten. Auf so manche Poker-Fachsimpelei hätte man gerne verzichtet. Hier merkt man deutlich, dass der Regisseur Sorkin den Drehbuchautoren Sorkin nicht richtig in den Griff bekommen hat.

Von Martin Schwickert / RND

Ein Kind wird zur Obsession: Die Komödie „Dinky Sinky“ (Kinostart am 8. Februar) erzählt von einer Frau, die dem Wunsch nach Nachwuchs ihr ganzes Leben unterordnet. Daran droht sie zu zerbrechen

07.02.2018

Bereits im November hat Disney eine weitere „Star Wars“-Trilogie angekündigt. Nun nimmt die neue Reihe Formen an. Für die Umsetzung des nächsten Weltraum-Abenteuers hat das Film-Imperium die Macher der erfolgreichen Fantasy-Serie „Game of Thrones“ engagiert.

07.02.2018

Die Softpornoschnulzenserie findet ihren Abschluss mit Eheschließung, Ehekrise, Terror und Schwangerschaft: „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“ (Kinostart am 8. Februar) kaschiert seinen dürftigen Plot mit Szenen, die den Zuschauer ermüden.

07.02.2018