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„Game Night“ – Spieleabend läuft aus dem Ruder

Kino „Game Night“ – Spieleabend läuft aus dem Ruder

Eine Gemeinschaft von Brettspielfans beschließt, die Routine zu durchbrechen und in einem Rollenspiel ein Verbrechen aufzuklären. Ihre „Game Night“ (Kinostart am 1. März) wird dann allerdings von richtigen Gangstern durcheinander gebracht. Eine witzige, böse und höchste elegante Komödie mit Rachel McAdams und Jason Bateman.

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Vermeer-Gemälde auf Herz und Nieren geprüft

Das Chaos ist perfekt: Max (Jason Bateman) und Annie (Rachel McAdams) an einem durchaus lebensgefährlichen Spieleabend.

Quelle: Foto: Warner

Hannover. Trotz der Tendenz zu Videogames befinden sich die Absatzzahlen für Brettspiele auf einem Rekordhoch. Mittlerweile gibt es sogar eigene Brettspielcafés, in denen sich nicht nur Hipster regelmäßig für gemeinsame Spieleabende zusammenfinden. Grund genug für die beiden „Vacation“-Regisseure John Francis Daley und Jonathan Goldstein, sich in ihrem neuesten Projekt „Game Night“ des Themas anzunehmen, dem die beiden obendrein auch privat regelmäßig frönen.

Timing, Sprachwitz, stilsicher inszenierte Action

Der fertigen Komödie ist nicht bloß die Leidenschaft an der Materie anzumerken. Auch das Timing für wohldosierten Slapstick, jede Menge Sprachwitz und die stilsicher inszenierte Action sitzen und machen aus der starbesetzten Komödie ein gleichermaßen derbes wie harmloses Vergnügen – nicht nur für Brettspielfans.

Max (Jason Bateman) und Annie (Rachel McAdams) haben ihr Leben dem Brettspiel gewidmet. Regelmäßig nehmen sie an Pärchen-Spieleabenden teil und haben darüber enge Freunde gefunden. Der ewig gleichen Abläufe müde, schlägt Max‘ cooler Bruder Brooks (Kyle Chandler) eines Abends ein ganz besonderes Spiel vor: Wie in einem Krimi sollen die Mitspieler ein Verbrechen aufklären. Um es möglichst lebensecht wirken zu lassen, organisiert Brooks echte falsche Ganoven und weiht sogar einen FBI-Agenten in seine Pläne mit ein.

Den Helden ist die Gefahr, in der sie schweben, nicht bewusst

Doch dann kommt alles anders, denn die Spielgemeinschaft gerät plötzlich ins Visier echter Gangster. Das Problem: Weder Max, Annie noch die anderen Mitspieler steigen hinter den Ernst der Lage und beginnen stattdessen mit den Ermittlungen – nicht ahnend, in was für einer Gefahr sie sich befinden.

Auf der einen Seite treffen in „Game Night“ Revolverkugeln blutig auf Knochen, während an anderer Stelle Menschen von riesigen Flugzeugturbinen angesaugt und anschließend zerhäckselt werden. Gleichzeitig geht es in der Actioncomedy aber nie unter die Gürtellinie, so dass „Game Night“ trotz der mitunter durchaus brachialen Ideen immer eine angenehm-nostalgische Bravheit innewohnt.

Sympathische Figuren, denen man immer die Daumen drückt

Die Figuren – allen voran die von der Oscar-nominierten Rachel McAdams („Spotlight“) und Komödien-Experte Jason Bateman („Wie ausgewechselt“) verkörperten Hauptcharaktere – sind sympathisch, und trotz ihres Übereifers für das Thema Brettspiele drückt man ihnen bei den teils hanebüchenen Ereignissen immer die Daumen.

Und so verrückt das aus dem Ruder laufende (Nicht-)Spiel auch anmutet, so logisch und realistisch agieren die darin involvierten Menschen. Nicht zuletzt hieraus ergibt sich in „Game Night“ ein Großteil des Witzes: Es ist einfach unglaublich komisch, wie hier nahezu jeder irgendwie versucht, des Chaos’ Herr zu werden.

Die Kamera lässt das Thema Spiele allzeit erkennen

Eine weitere Trumpfkarte spielen die beiden Regisseure auf Seiten der Inszenierung aus. „Game Night“ besitzt nicht bloß eine eindringliche Filmmusiken (verantwortlich ist Cliff Martinez, bekannt für seine Arbeit an „The Neon Demon“ oder „Drive“), sondern auch eine hochelegante, immer durchdachte Kameraführung. Kameramann Barry Peterson („Central Intelligence“) lässt in jeder Szene das Thema „Spiele“ erkennen; mal sehen die Panorama-Aufnahmen der Städte und Vororte aus wie ein einziges großes Spielfeld, ein anderes Mal wohnen wir einer wilden Verfolgungsjagd aus der Tilt-Shift-Perspektive bei.

Hinter dem visuellen Konzept steckt so viel Cleverness, dass sich auch über kleinere Mengen im Mittelteil locker hinwegsehen lässt. Bei „Game Night“ gibt es letztlich nur Gewinner.

Von Antje Wessels / RND

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