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Kultur Feine Sahne Fischfilet: Alles auf Rausch
Nachrichten Kultur Feine Sahne Fischfilet: Alles auf Rausch
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16:03 06.01.2018
Die Jungs von Feine Sahne Fischfilet um Frontsänger Jan „Monchi“ Gorkow veröffentlichen am 12. Januar ihr neues Album „Sturm & Dreck“. Quelle: dpa
Rostock

„Einmal Döner komplett“, tönt es durch den Raum des Diyar Bistro im Barnstorfer Weg in Rostock, als Sänger Jan „Monchi“ Gorkow und Bassist Kai Irrgang von Feine Sahne Fischfilet das Lokal betreten. Klischee-Punker, die gern feiern, arrogant sind und ihr Hinterteil zeigen. Nach einem kurzen Wortwechsel ist klar: Arrogant sind sie nicht! Der erste Gang der beiden geht zu den Männern hinterm Tresen. Umarmungen werden ausgetauscht und Gespräche über Familie und Freunde geführt.

Ihre Dezember-Auftritte als Vorband von den Toten Hosen scheinen in diesem Moment unwirklich. „Wir haben sieben Konzerte mit ihnen gespielt. Das kleinste war vor 11.000 Leuten. Die haben uns eingeladen. Es war einfach geil“, erzählt Monchi später euphorisch.

„Sturm & Dreck “ ab 12. Januar

Am 12. Januar erscheint ihr Album „Sturm & Dreck“. Und am 1. Februar fällt der Startschuss für ihre Tour „Alles auf Rausch“, die die Musiker durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führen wird. Am 23. März beenden Feine Sahne Fischfilet diese Tour mit einem Heimspiel in der Stadthalle Rostock. Die Band hat eigentlich wenig Zeit, da sie mitten in den Vorbereitungen für ihre Tour steckt.

„Wir haben mit Tobi Kuhn gearbeitet, der mehr Komponist als Produzent ist. Der Kontakt kam über Thees Uhlmann von Tomte zustande, der auch schon mit ihm gearbeitet hat“, sagt Kai Irrgang über die CD. „Es war einfach intensiv. Wir sind sehr stolz, was dabei rausgekommen ist.“ Das neue Album wirke reifer als seine vier Vorgänger und zeigt an einigen Stellen, dass Tobi auch schon mit den Toten Hosen gearbeitet hat.

Zwei Jahre wie im Rausch

Mit den Getränken in der Hand setzt sich jetzt auch Monchi und atmet tief aus. Die letzten zwei Jahre liefen wie auf Rausch für die Band. Eigene Konzerte, Festivals, ihr Gastspiel im Volkstheater Rostock und ihr Engagement hinsichtlich politischer Aufklärung. „Ich möchte das alles so lange mitnehmen, wie es geht“, schiebt Monchi ein und unterstreicht im Gespräch immer wieder den Fakt, dass sie nicht wissen, wie lange ihr Erfolg anhalten werde. „Morgen finden sie uns vielleicht schon wieder Kacke.“

Mittlerweile ist es draußen dunkel und der Regen prasselt an die Scheibe. Im Bistro, einem von Monchis Stammlokalen, herrscht reger Betrieb. Der Wahl-Rostocker zeigt sich gern in der Stadt und durch seine enorme Gestalt und die zahlreichen Tätowierungen ist er kaum zu übersehen. Die Kröpeliner-Tor- Vorstadt ist sein Revier, was Feine Sahne im Video „Zurück in meiner Stadt“ auch zeigen. Die „Snackbar Flirt“, das „Dieter“ (die Kneipe Mau-Club) und der obligatorische Punkerhintern wurden szenisch eingefangen und mit Bildern aus Greifswald vermischt – dem anderen Schaffensort der Punkrocker.

Nur noch Party?

Schnell taucht eine Frage auf: Doch nur Feiern im Kopf? Monchi stützt sich in diesem Moment auf den Tisch und erzählt vom Song „Suruç“, der das Gegenteil beweist. „Ich war 2015 mit Freunden in „Suruç“, wo ein Selbstmordattentat stattfand. Wir hatten die Kampagne ,MV für Kobanê’ gegründet, die Klamotten und medizinische Geräte an die türkisch-syrische Grenze gefahren hat. Der Song handelt davon, dass ich zwei Tage zuvor auf dem Deichbrand-Festival in Cuxhaven vor 10 000 Menschen gespielt habe. Saufen, Exzess mit Freunden. Einfach alles nur auf Rausch. Und zwei Tage später fünf Minuten nach dem Attentat zwischen 31 Leichen stehe. Unsere Lieder sind alles persönliche Geschichten.“

Es ist still geworden. Man sieht Kai und Monchi an, wie sie das Thema heute noch bewegt. Ich habe plötzlich die aktuelle Single „Zuhause“ im Kopf, welche vom bezahlbaren und mangelnden Wohnraum in Rostock erzählt. „Es geht um soziale Kälte und die verschiedenen Aspekte von Zuhause: Sicherheit, Schutz, Fluchtgeschichte, Verdrängung, Obdachlosigkeit“, ergänzt Kai meine Gedanken und lehnt sich zurück, während sich die Ladentür öffnet und ein kalter Windzug durch den Raum huscht.

Konzerte und Referate

Feine Sahne Fischfilet sind in ihren Songs ehrlich und zeigen über die Textzeilen hinaus ihr Engagement. „Wir wollen auf den bestehenden Rechtsruck in der Gesellschaft aufmerksam machen, wie zum Beispiel mit der ,Noch nicht komplett im Arsch’-Kampagne. Zusammenhalt demonstrieren und natürlich aufklären. Bei unserer letzten Release-Party war Katharina König-Preuss (Die Linke/Thüringen) und hat über die NSU-Prozesse referiert. Am 13. Januar werden wir zum Release von ,Sturm & Dreck’ im vorpommerschen Loitz vor rund 300 Leuten spielen. Und das Ganze auch wieder mit einer inhaltlichen Veranstaltung anbieten.“

Für Aufsehen hatte diesbezüglich zuletzt ein Prozess gegen den Frontmann gesorgt, bei dem er vor Gericht freigesprochen wurde. Das Güstrower Amtsgericht hatte Monchi und zwei weitere Männer aus der linken Szene vom Vorwurf des Landfriedensbruchs freigesprochen. In der Verhandlung gezeigte Fotos und Videos des Vorfalls hätten nicht belegen können, dass die Männer sich an Gewalttätigkeiten beteiligt hätten, sagte der Richter in der Urteilsverkündung am 18. Dezember letzten Jahres. Auch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert. Ursprünglich hatte ihnen die Anklage vorgeworfen, im Mai 2015 am Rande einer Flüchtlings-Kundgebung Stühle auf eine Gruppe Rechtsextremisten geworfen beziehungsweise sich verbal an der Auseinandersetzung beteiligt zu haben.

Zurück im Döner-Bistro erzählen Kai und Monchi stolz, dass das Loitzer Konzert innerhalb von 57 Sekunden ausverkauft war. Ab Anfang Februar geht es mit ihrer Tour „Alles auf Rausch“ weiter, Start ist im österreichischen Linz. Und zum Schluss kommt Rostock dran. Aufgeregt rutschen Kai und Monchi bei dieser Erwartung auf den Stühlen hin und her. „Wenn die Stadthalle dreiviertelvoll ist, wäre das schon geil. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur darüber rede“, sagt Monchi beim Aufstehen und stellt die leeren Becher am Tresen ab. Zum Schluss machen sie noch ein Foto für Instagram und verabschieden sich mit einem festen Händedruck in den regnerischen Abend.

Von RND/Antje Benda

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