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Kultur Eröffnungsfilm Berlinale 2019: So war „Kindness of Strangers“
Nachrichten Kultur Eröffnungsfilm Berlinale 2019: So war „Kindness of Strangers“
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15:13 08.02.2019
Die Außgestoßenen müssen sich selbst vergeben: Der Eröffnungsfilm „Kindness of Strangers“. Quelle: Per Arnesen/Berlinale/dpa
Berlin

Berlin kann sehr kalt sein, erfahrungsgemäß besonders während der Berlinale. New York aber kann noch kälter sein, jedenfalls im Kinodrama „The Kindness of Strangers“, das an diesem Donnerstag die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet hat. Die dänische Regisseurin Lone Scherfig erzählt darin von einsamen Außenseitern im Big Apple. Die verdächtig süßen Geigenklänge und die tänzelnden Schneeflocken in der Ostküsten-Metropole verhinderten allerdings, dass die Gäste im Kino mehr fröstelten als beim Gang über den roten Teppich (bei immerhin leichten Plusgraden).

So viel geballte deutsche Prominenz wie beim alljährlichen Berlinale-Aufgalopp versammelt sich sonst nur beim Deutschen Filmpreis im Frühjahr. Angekündigt war alles, was Rang und Namen hat: Heike Makatsch, Iris Berben, Hannah Herzsprung oder Paula Beer genauso wie Tom Tykwer, Moritz Bleibtreu, Axel Milberg und Devid Striesow. Die dänische Regisseurin Scherfig brachte ihr internationales Team mit, darunter Zoe Kazan (Enkelin von Regisseur Elia Kazan), Tahar Rahim, Bill Nighy und Andrea Riseborough.

Chefin der Berlinale-Jury Juliette Binoche bringt Glamour

Mittendrin im Getümmel: Juliette Binoche, die diesjährige Jury-Präsidentin. Die Französin ist die perfekte Wahl, bringt sie doch Glamour genauso mit wie tiefes Verständnis für Kinokunst. Noch dazu kennt sich Binoche bei der Berlinale bestens aus: Als liebende Krankenschwester in „Der englische Patient“ hat sie vor gut zwei Jahrzehnten selbst einen Silbernen Darstellerinnen-Bären gewonnen.

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Die Voraussetzungen für einen gelungenen Start waren also prinzipiell gegeben. Zumal ein versierter Festivalfuchs wie Dieter Kosslick in seinem 18. und letzten Dienstjahr genau weiß: Auch ein Eröffnungsfilm mit Suppenküche und Selbsthilfegruppe muss letztlich die Herzen der Zuschauer erwärmen. Schließlich soll niemand beim nachfolgenden Eröffnungsempfang mit schlechtem Gewissen an seinem Weinglas nippen, weil es anderen auf diesem Planeten nicht ganz so gut geht.

„Kindness of Strangers“: Nicht zu trist

Diesen Zweck zumindest erfüllt „The Kindness of Strangers“ – worauf ja schon der Titel hinweist, der von der Güte unter Fremden kündet. Es begegnen sich in einem russischen Restaurant namens Winter Palace: eine Mutter (Kazan) und ihre zwei Kinder, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann verfolgt werden, eine aufopferungsvolle Krankenschwester (Riseborough), ein sympathischer Ex-Häftling (Rahim) als Restaurantmanager und der spleenige Restaurantbesitzer (Nighy).

Jetzt fragt sich nur noch, ob Regisseurin und Drehbuchautorin Scherfig, treue Berlinale-Gängerin mit Filmen von „Italienisch für Anfänger“ (2000) bis zu „An Education“ (2009), auch einen berührenden Film mitgebracht hat. Und da sind schon eher Zweifel angebracht.

Klar verdient sich so eine Notgemeinschaft Sympathiepunkte, zumal wenn ein humorbegabter Schauspieler wie Nighy die Tristesse mit feinen Absonderlichkeiten wegwischt. Und doch: All die traumatisierten Menschen hier scheinen nur dafür bestimmt zu sein, von ihrer Regisseurin von ihrem Leid erlöst zu werden. Dazu müssen sie vor allem eines lernen: sich selbst zu vergeben. Mit ein bisschen Weihnachtsdeko wäre „The Kindness of Strangers“ der richtige Film zum Fest. Solidarität ist möglich!

Unglücksfilme sind bei der Berlinale beliebt

Ob wir dieses international koproduzierte Drama auch politisch lesen sollen? So nach dem Motto: Wer hätte gedacht, dass in den von Hass und Wut gespaltenen USA so viele hilfsbereite Zeitgenossen wohnen? Mag der US-Anführer auch Gift und Galle in die Welt hinaustwittern: Hier sehen wir, dass Amerikaner am unteren Ende der sozialen Nahrungskette füreinander einstehen.

Vielleicht sollten wir aber auch einfach dankbar sein: Zumindest nach den Inhaltsangaben müssen wir uns bei insgesamt 23 Filmen im Berlinale-Wettbewerb in den nächsten eineinhalb Wochen auf viel Unglück einstellen. Wärmen wir uns also am Miteinander im Restaurant Winter Palace. Wie hat doch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zur Eröffnung bemerkt? Die Berlinale lasse „die Welt einmal mehr über Sprache, kulturelle und weltanschauliche Grenzen hinweg ein Stück zusammenrücken“.

Von Stefan Stosch/RND

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