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Kultur Er inspirierte Goethe und Schiller: Zum 250. Todestag von Johann Joachim Winckelmann
Nachrichten Kultur Er inspirierte Goethe und Schiller: Zum 250. Todestag von Johann Joachim Winckelmann
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11:24 08.06.2018
Begründer der Kunstgeschichte: Johann Joachim Winckelmann. Quelle: Foto: Picture Alliance
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Berlin

Die alten Griechen, ihre Geschichte und ihre Geschichten, faszinieren uns bis heute. Filme wie „Troja“ oder „Alexander“ erzählen von Kriegen, Mythen und Helden. Jugendbuchserien wie „Percy Jackson“ oder James Joyces Klassiker „Ulysses“ spielen genauso mit griechischen Motiven wie Comics und Computerspiele. Und wenn The Chainsmokers und Coldplay in „Something Just Like This“ von „Achilles and his gold, Hercules and his gifts“ singen, ist die Antike sogar Teil der Musikcharts. Am Anfang der Griechenbegeisterung in Deutschland steht ein heute nahezu vergessener Schriftsteller und Antiquar. Johann Joachim Winckelmann, der am Freitag vor 250 Jahren starb, beeinflusste viele Dichter und Denker, ganz besonders aber Goethe und Schiller. Eine digitale Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar gibt Einblick in sein Werk.

Erst Hauslehrer, dann Bibliothekar

Winckelmanns Leben beginnt in einfachen Verhältnissen. Als Sohn eines Schuhmachermeisters wird er am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren. Dass er sich überhaupt bilden und zur griechischen Sprache und Kultur finden konnte, hatte er dem blinden Schuldirektor Esaias Wilhelm Tappert zu verdanken, der ihn förderte. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst als Hauslehrer und dann als Bibliothekar auf Schloss Nöthnitz bei Dresden, wo er vom päpstlichen Nuntius in Sachsen, Alberico Archinto, entdeckt wurde. Dieser bot ihm eine Stelle in Rom an. Im Herbst 1755 zog er, der sich in all den Jahren als Autodidakt mit der antiken Literatur, Kunst und Kultur beschäftigt hatte, in die Ewige Stadt und wurde schließlich als erster Ausländer oberster Antikenaufseher im Vatikan. Unter anderem wachte er über die Ausgrabungen von Pompeji und Herculaneum.

In diesen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit antiker Kunst und begann, sie zu klassifizieren und Elemente der Schönheit wissenschaftlich zu erforschen. Diese Arbeit gipfelte in seiner „Geschichte der Kunst des Altertums“ von 1764, dank der er bis heute als Begründer von Kunstgeschichte und Klassischer Archäologie gilt.

Weiße Statuen hatten Vorbildcharakter

Bereits in seinem ersten Romjahr 1755 aber erschien das Werk, das ihm zum geistigen Vater all der Griechenfreunde der Weimarer Klassik werden lassen sollte: die „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“. Nur wer antike und besonders griechische Kunstwerke betrachtet, hat demnach überhaupt eine Vorstellung von Schönheit. „Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten, und was jemand vom Homer gesagt, dass derjenige ihn bewundern lernet, der ihn wohl verstehen gelernet, gilt auch von den Kunstwerken der Alten, sonderlich der Griechen“, schreibt Winckelmann. Das Griechische, vor allem die Kunst und Kultur aus der Blütezeit des fünften Jahrhunderts vor Christus, galt ihm als das Idealschöne. An ihm soll sich jeder orientieren, der schöne Kunst schaffen will.

Vor allem weiße Statuen, die die damaligen Idealmaße des menschlichen Körpers zeigen, waren für Winckelmann der Inbegriff des Schönen. Eine Vorstellung mit lang andauernden Folgen, sind doch die Alabasterkörper eines Arnold Schwarzenegger oder eines Cristiano Ronaldo von heute nichts anderes als fleischgewordene Idealstatuen aus dem alten Griechenland. An diesem Schönheitsideal hat sich in den vergangenen 2500 Jahren nicht viel geändert.

„Edle Einfalt, stille Größe“

Berühmt wurde Winckelmann vor allem mit einer eingängigen Formulierung: „Edle Einfalt, stille Größe“, so charakterisierte er die griechischen Kunstwerke in Abgrenzung zur verspielten und monströsen Kunst des Rokoko und des Barock. „So wie die Tiefe des Meers allezeit ruhig bleibt, die Oberfläche mag noch so wüten, ebenso zeiget der Ausdruck in den Figuren der Griechen bei allen Leidenschaften eine große und gesetzte Seele“, heißt es bei Winckelmann. Die Laokoon-Gruppe, ein Jahrzehnt später ausführlich von Lessing beschrieben, galt ihm als exemplarisch für diese Stille und Erhabenheit, da Laokoon im Moment des größten Schmerzes und der größten Gefahr Ruhe ausstrahlt. „Wir wünschten, wie dieser große Mann das Elend ertragen zu können“, so Winckelmann.

Goethe und Schiller nahmen Winckelmanns Idealvorstellungen auf und transportierten Stoffe aus der Antike in die Gegenwart oder verlegten moderne Themen in die Antike. Goethes „Iphigenie“ mit den berühmten Worten „Das Land der Griechen mit der Seele suchend“, seine Figur der Helena in „Faust II“ oder Schillers Gedichte „Nänie“ und „Die Götter Griechenlands“ sind nur einige Beispiele für Auseinandersetzungen mit der Antike in den Werken der beiden großen Dichter. „Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt“, schreibt Goethe 1826.

So geist- und wortreich Johann Joachim Winckelmann über Schönheit, Anmut und Grazie nachgedacht hat, so profan war sein Tod. Als er erstmals nach 13 Jahren wieder Deutschland besuchen wollte mit Zielen wie Leipzig, Berlin, Hannover und Göttingen, wurde er auf der Reise krank und wollte diese bereits in Regensburg abbrechen. Auf dem Weg zurück nach Rom besuchte er noch Wien, wo er vier wertvolle Münzen von Kaiserin Maria Theresia für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt. In einem Hotel bei Triest wurde er dann Opfer eines Mordes: Ein Mann namens Francesco Arcangeli tötete ihn mit sieben Messerstichen, er hatte es wohl auf die Münzen abgesehen. Winckelmann starb am 8. Juni 1768. Dem Mann, der so viel über Schönheit nachgedacht und geschrieben hatte, blieb ein schöner Tod verwehrt.

Von Kristian Teetz/RND

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