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Kultur Fahrstühle ins Weltall
Nachrichten Kultur Fahrstühle ins Weltall
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11:00 02.03.2018
Tom Hillenbrand ist auch für seine kulinarischen Krimis rund um den Koch Xavier Kieffer bekannt. Quelle: Stephanie Füssenich
Berlin

Die Menschen beschweren sich nicht mehr über die Deutsche Bahn, sondern über die ständig ausfallenden Fahrstühle ins Weltall. Sibirien ist infolge der Erderwärmung das Ziel hoffnungsfroher Auswanderer. Und der Eiffelturm existiert nach einem Terroranschlag nur noch in Form einer Projektion: Das Leben am Ende des 21. Jahrhunderts ist fremd und doch seltsam vertraut. Der Autor Tom Hillenbrand, auch für seine kulinarischen Krimis rund um den Koch Xavier Kieffer bekannt, hat in seinem Zukunftsthriller „Hologrammatica“ (KiWi) Ideen aus seinem Erfolgsroman „Drohnenland“ (2014) weitergedacht.

Ging es dort um digitale Überwachung, sind in Hillenbrands neuer Welt die persönlichen Informationen nach einem mysteriösen „Zwischenfall“ vor einigen Jahren wieder privat. Mehr noch, die Menschen legen sich wechselnde Identitäten in Form von Holomasken auf Gesicht und Kleidung. Auch in den Geschäften wird die schicke Verpackung auf neutrale Oberflächen nur noch projiziert.

Cover Quelle: Verlag

Der Erzähler Galahad Singh, ein Londoner mit indischen Wurzeln, sucht als Quästor nach verschwundenen Personen. Eigentlich müsste er nicht arbeiten, denn sein Vater ist mit „Pinetas“ – künstlichen Bäumen und CO2-Fressern – schwerreich geworden. Für Singh bietet der Trend des Bodyswaps, der zeitweisen Verpflanzung des Gehirns in einen anderen Körper, einen ganz eigenen Nervenkitzel: Er weiß nicht, ob seine neue Liebschaft eine Frau im Körper eines Mannes ist, ob er sich in Bewusstsein oder Körper verliebt hat. Eine schöne Spielerei, die dem Begriff Transgender eine ganz neue Bedeutung gibt.

Hillenbrand spinnt Zukunftsmöglichkeiten, deren Fäden in der Gegenwart bereits angelegt sind. Die selbstfahrenden Taxis, die in „Drohnenland“ noch ein zentrales Thema waren, sind hier schon alltägliche Nebensache. Hillenbrands lakonischer Witz zeigt sich in Sätzen wie „Wegen des Klimawandels gibt es inzwischen verdammt viele Möchtegern-Venedigs, nur das Original leider nicht mehr“. Auch die Krimihandlung kommt nicht zu kurz. Singh sucht eine Frau, die Verschlüsselungen für digitale Gehirne entwickelte, die man in einen anderen Körper hochladen kann. Cogits nennt Hillenbrand diese Wandelwesen. Ein Beispiel für die Wortphantasie des Autors.

Lesung am 6. März um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris in Hannover sowie am 16. März im Smow Leipzig.

Von Nina May/RND

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