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Nachrichten Kultur Der neue Chef im Humboldt Forum
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00:20 24.03.2018
Hartmut Dorgerloh. Quelle: dpa
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Potsdam

Dass er mal in die Politik wechseln könnte und irgendwo als Kultur-, Bildungs- oder Innenminister anheuert, das haben Beobachter für möglich gehalten. Hartmut Dorgerloh war 2002 gerade einmal 40 Jahre alt, da wurde er schon zum Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) berufen. Eine nächste Karrierestufe im Kulturbetrieb war kaum auszumachen.

Nun überraschte Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit der Entscheidung, Hartmut Dorgerloh wahrscheinlich schon ab 1. Juni 2018 die Intendanz des Berliner Humboldt Forums zu übertragen. Das ist ein Sprung an die Spitze einer neuen Generation weltweit konkurrierender Topmuseen, allerdings auch mit beträchtlicher Fallhöhe. Für diesen schwierigen Job holt Monika Grütters keinen international erfahrenen Hochkaräter aus dem Ausland, sondern diesen stets gut aufgelegten, gebildeten Herrn aus Potsdam. Die Sitzungen des SPSG-Stiftungsrates, bei denen der Bund als Geldgeber stets mit am Tisch sitzt, verließ der einnehmende Taktiker meist als Sieger. Monika Grütters über Dorgerloh und sein Verhandlungsgeschick: „Er kann nicht nur mit dem Publikum kommunizieren, sondern auch mit der Politik.“ Er kenne die Debatten in Deutschland und habe gezeigt, „wie man ein sehr heterogenes kulturelles Gebilde positionieren und zum Strahlen bringen kann.“ Sie will Dorgerloh für das Humboldt Forum sogar die „Richtlinienkompetenz“ übertragen.

Kind eines DDR-Pfarrers

Wer ist dieser Mann? Was macht seinen Erfolg aus? Obwohl Kind eines DDR-Pfarrers, durfte er 1980 in Potsdam an der elitären Helmholtz-EOS sein Abitur machen und nach dem Grundwehrdienst an der Humboldt-Universität Kunstgeschichte und Archäologie studieren. Er gehört zur Gründergeneration des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam, wo er 1991 das Referat Denkmalschutz aufbaute und leitete. Nebenher schrieb er eine Promotion über die Geschichte der Nationalgalerie in Berlin, die er 1997 verteidigte.

Dorgerloh lebt mit einem Lebenspartner in Berlin-Charlottenburg. Neben seiner Arbeit nimmt er sich regelmäßig Zeit, die wichtigsten Theaterpremieren in der Hauptstadt zu besuchen. Er zeigt sich stets ansprechbar und ist stets auch für ein entspanntes Schwätzchen zu haben. Er tritt wie ein Diplomat auf, versteht sich aber als beinharter Lobbyist. Wenn es um die Belange des Denkmalschutzes geht, kann er regelrecht dickköpfig, stur und ignorant werden, ohne dabei aber sein Lächeln oder seine konziliante Ausstrahlung zu verlieren.

Klaus Lederer jubelt

Für viele Schlösser und Parks im einstigen Hohenzollern-Land war das ein Segen. Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) bedauert Dorgerlohs Weggang: „Er hat die SPSG in seiner mehr als 15-jährigen Amtszeit zu einer schlagkräftigen und erfolgreichen Einrichtung gemacht und der Unesco-Welterbestätte neue Impulse gegeben. In seiner Amtszeit wurde das Sonderinvestitionsprogramm für die preußischen Schlösser und Gärten vereinbart, das zum Erhalt der zahlreichen Bauten und Gartenanlagen beiträgt“, so Münch. Ihr Berliner Amtskollege Klaus Lederer (Die Linke) jubelt: „Dorgerlohs Erfahrungen sind gefragt und wertvoll.“

Nun aber sagt Dorgerloh den echten Schlössern Ade und tauscht sie gegen ein monumentales Pseudoschloss ein. Die großteilige Aufgabe, die ihn in Berlin erwartet, kommt seiner Denkweise entgegen. Dorgerloh war immer ein Freund kompakter Lösungen, die durch großzügig gewährte Steuermillionen möglich wurden. Er mied Provisorien, Zwischenlösungen und halbe Sachen. Dabei fand die beste Ausstellungen in seiner Ära – Friederisiko – 2012 im unsanierten Neuen Palais statt. Sie vermittelte ein durchaus kritisches Preußenbild.

Dorgerlohs Versuch, mit der Hilfe des Ordnungsstaates eine Käseglocke über Potsdams Parklandschaft zu stülpen und etwa das Fahrradschieben und Baden mit einer Ordnungsstrafe zu ahnden, scheiterte am hartnäckigen Widerstand der Bevölkerung.

Mit den Potsdamern und ihrer Stadt lag Dorgerloh wiederholt im Clinch. Seine Ankündigung, für den Besuch von Park Sanssouci erstmals in dessen Geschichte Eintritt zu erheben, konnte die Stadt nur verhindern, indem sie der SPSG pauschal jedes Jahr eine Millionen Euro überweist. In diesem Punkt muss Dorgerloh nun absolut umdenken. Denn der Besuch des Humboldt Forums soll die ersten drei Jahre frei sein, daran wird er nichts mehr ändern können.

Von Karim Saab

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