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Kultur Der dritte Gott – Jimmy Page wird 75
Nachrichten Kultur Der dritte Gott – Jimmy Page wird 75
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09:09 09.01.2019
Bitte recht freundlich: Mit seiner Band Led Zeppelin schrieb Jimmy Page – hier bei einer Pressekonferenz im Jahr 2014 – Musikgeschichte. Quelle: Britta Pedersen/dpa
London

Manchmal ist es gut, wenn man als Rockmusiker im rechten Moment über den Rand der Verstärker hinausblickt. Als sich die britischen Yardbirds im August 1968 auflösten, sicherte sich Gitarrist Jimmy Page umgehend die Rechte an dem Namen der Bluesrocker, die mit Eric Clapton und seinem alten Freund Jeff Beck bereits zwei Gitarrengötter hervorgebracht hatten. Für die lästige Verpflichtung einer Skandinavientour heuerte Page, der dritte Gott, drei Musiker an, um mit ihnen als The New Yardbirds durch den europäischen Norden zu ziehen. Im Oktober 1968 gaben sich Page und seine Mitstreiter Robert Plant (Gesang), John Paul Jones (Bass) und John Bonham dann einen neuen Namen: Led Zeppelin.

Die Gitarre faszinierte Jimmy Page als Instrument der „Handschriften“

James Patrick Page wird heute (9. November) 75 Jahre alt. Die einst rabenschwarzen Haare sind grau, der früher notorische Ernst des fünffachen Vaters, den manche auch als Grimm beschrieben, weicht längst einem breiten, freundlichen Lächeln. Rockmusik ist nicht mehr Dagegen und Affront, braucht keine Abwehrmimik mehr. Und der Mann, der als Chorknabe begann, zählt heute unzweifelhaft zu den allseits respektierten Legenden des Rock. Led Zep vereinten Blues, Folk, Psychedelik und harten Rock’n’Roll zu etwas Neuem, einem inbrünstigen, explosiven Hardrock-Gemenge. Die Auftritte waren denkwürdige Spektakel, das Leben drumherum der reine Exzess. Amerika wurde im Handstreich genommen, es folgte bald der Rest der Welt.

Angefangen hat alles mit einer Gitarre, die das Einzelkind Page nach einem Umzug mit der Familie im neuen Haus in London vorgefunden hatte. „Wie eine Skulptur“ habe das Instrument auf ihn gewirkt, eine Erscheinung, eine Gottheit, die ihn beunruhigte, anzog und nicht mehr losließ. Aus denselben sechs Saiten, das war für ihn das Mystische, konnten tausend Musiker tausend verschiedene „Handschriften“ hervorbringen.

Page begann als Studiogitarrist. Da er keine Musik „lesen“ konnte, spielte er zunächst auf Anweisung. Von Anfang an war seine Gitarrenarbeit explosiv – nachzuhören auf Van Morrisons Version von Muddy Waters‘ Bluesklassiker „Baby Please don’t Go“ oder dem The-Who-Hit „I Can’t Explain“. Aber Page ist auch auf Songs zu hören, die man nicht sofort mit ihm in Verbindung brächte – so etwa bei Petula Clarks „Downtown“.

Der Doppelhalsgitarre von Gibson bescherte Page einen Aufschwung

Schnelle, harte Riffs, ausufernde, clevere Soli (mit senkrecht gestelltem Instrument), der häufige Gebrauch von Akustikgitarren und der gelegentliche Griff zum Geigenbogen, um seine Saiten zu „streichen“, waren einige der Markenzeichen von Jimmy Page, den der Rolling Stone als „absolute number-one heaviest white blues guitarist“ feierte.

Sein Fingerpicking bezeichnete Page in einem Interview dagegen einmal scherzhaft als „Kreuzung aus Pete Seeger, Earl Scruggs und totaler Inkompetenz“. Dem barocken, doppelhalsigen Gitarrenmodell Gibson EDS-1275, das er in Konzerten bei „Stairway To Heaven“ und „The Song Remains The Same“ spielte, besorgte Page ein anhaltendes Revival – es wird bis heute gebaut. Und dem Page-Sound frönen auch blutjunge Bands von 2019 – die deutschen Brett ebenso wie die amerikanischen Greta Van Fleet.

Nach der Auflösung von Led Zep spielte Page in Bands wie The Firm (mit Paul Rodgers) und XYZ (mit den Yes-Mitgliedern Chris Squire und Alan White) und als Duo mit David Coverdale. 1994 packte er mit Robert Plant auf dem Album „No Quarter“ alte Led-Zep-Stücke in alternative Klanggewänder, vier Jahre später gab es auf „Walking Into Clarksdale“ neue Songs der beiden.

Der halbrunde Geburtstag von Page wird nur halb-happy

Eine kurze Wiedervereinigung der Band für das „Live Aid“-Festival 1985 – mit Phil Collins als Ersatz für den 1980 verstorbenen Bonham - empfand Page als chaotisch („shambolic“). Die 20 000 Karten für ein Konzert in Londons O2-Arena mit Bonhams Sohn Jason am Schlagzeug wurden 2007 unter 20 Millionen Interessenten verlost. Seither gibt es immer wieder mal Gerüchte einer Tournee, angeheizt und dann wieder abgekühlt von Page oder Plant.

Neue eigene Musik lässt Page schon seit 20 Jahren vermissen. Er verwaltet dafür das Led-Zep-Erbe, ist genervt von den ewigen Vermutungen, mal Satanist gewesen zu sein. Und stritt sich zuletzt mit seinem Nachbarn Robbie Williams, dessen unterirdisches Schwimmbad im feinen Londoner Stadtteil Kensington im Dezember Ende Dezember gegen Pages Willen vom örtlichen Bauausschuss genehmigt wurde. Die Rockgötter von einst haben ganz irdische Probleme. Und so wird der halbrunde Geburtstag nur halb-happy, denn Page sorgt sich, sein historisches Tower House aus dem 19. Jahrhundert könne durch die schweren Baumaschinen Schaden nehmen.

Drei Tage nach Jimmy Pages Geburtstag folgt übrigens schon das nächste Led-Zep-Fest: Am 12. Januar 1969, vor einem halben Jahrhundert, erschien das Debütalbum der Band mit der brennend in Lakehurst herabsinkenden Hindenburg auf dem Cover. Über die bei solchen Jubiläen übliche Super Deluxe Edition hat Page bislang nichts verlauten lassen.

Von Matthias Halbig / RND

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