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Kultur Der Sommer ohne Beatles
Nachrichten Kultur Der Sommer ohne Beatles
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17:27 26.05.2017
Bunte Truppe: Die Uniformen der Hearts Club Band wirken wie neu, dabei hatte Sergeant Peppers Blaskapelle nur einen Auftritt. Am 30. Mai vor 50 Jahren erschien das Jahrhundertalbum in Deutschland, am 26. Mai war es in Großbritannien erschienen, am 1. Juni folgte Amerika. Quelle: imago/Vibrant Pictures
Hannover

„Heut auf den Tag ist‘s 20 Jahre her / als Sergeant Pepper seine Band das Spielen lehrte“, mit diesen Worten geht es schwungvoll los. Und am 30. Mai ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass die zugehörige Wunderschallplatte in Deutschland erschien. „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ änderte den Blick auf die Popmusik, es wandelte das Format Album von einer bloßen Liederanhäufung zu einer konzeptuellen Kunstform. War „Sergeant Pepper“ überhaupt eine Beatlesplatte? Auf dem Albumrücken war die Band erstmals nicht vermerkt – stattdessen stand da bloß der Name dieses ominösen Blasorchesters.

Die Beatles am Grab der Beatles

Es war ein Album von vier Musikern, die damals nicht mehr Beatles sein wollten, die sich als Beatles satt hatten und deshalb im Jahr davor auch die kräftezehrenden Tourneen eingestellt hatten. Die Beatles wollten nur noch im Studio spielen, basteln, probieren, sie waren eine andere Band geworden. Und so stehen die vielen Leute auf der Plattenhülle – von Gruselschriftsteller Edgar Allan Poe über Tarzan-Darsteller Johnny Weißmüller bis zum großen Neutöner Karlheinz Stockhausen am Grab der Band, Blumen formen ihren Namen, eine Trauergemeinde nimmt Abschied. Die Blaskapelle vom Klub der einsamen Herzen im Zentrum des Covers blickt hoffnungsfroh nach vorn, derweil eine Wachsfigurengruppe der Pilzkopf-Beatles in ihren kragenlosen Anzügen erschüttert vom eigenen Ableben scheint. Vor allem der wächserne Ringo Starr will gleich losheulen, der wächserne John Lennon legt ihm eine tröstende Hand auf die Schulter. Nicht traurig sein. Die Beatles sind tot, es leben die Beatles.

Mehr als nur eine Teeniesensation

Natürlich gabs dann kein Humbatäterä zu hören, waren dann doch elektrische Gitarren, Bass und Schlagzeug vorherrschend. Vorbei aber war die Zeit von „Yeah, Yeah Yeah“, geschüttelten Wuschelköpfen, kreischenden Mädchen - ab jetzt war man erwachsen, war strikt Kunst das Gebot. Seit 1965 auf dem Album „Help“ die Ballade „Yesterday“ mit Akustikgitarre und Streichquartett erschienen war, wusste man, dass die Beatles mehr waren als Krachmacher und Teeniesensation für zwei, drei Sommer. Lieder wie „Michelle“, „Norwegian Wood“ , „We can work it out“ und „Tomorrow never knows“ liegen heute wie Brotkrumen auf dem Weg zum Hexenwerk von Sergeant Pepper, zum ätherischen „She’s Leaving Home“, zum burlesken „Being for the Benefit of Mr. Kite“ und zum psychedelischen Drogenlob „Lucy in the Sky with Diamonds“, zu Harfe, Sitar, Zirkusinstrumenten. Ohne die Naht einer Leerrille gingen die Lieder jetzt ineinander über.

Keine Tomaten auf den Schlagzeuger werfen!

Und ein todmüder Ringo Starr klemmte sich nach einem harten Studiotag noch hinters Mikrofon, um „With a little Help from my Friends“ einzusingen, wobei er sich erfolgreich gegen John Lennons und Paul McCartneys boshafte Zeile „Was würdest du tun, sänge ich schräg / würdest du aufstehen und mich mit Tomaten bewerfen?“ wehrte. Keine Chance. Jahrelang hatte man die Beatles auf den Bühnen mit weichen und harten Süßigkeiten beworfen, falls sie doch jemals wieder Konzerte gäben, wollte Starr keine Aufforderung gegeben haben, ihn, den Beatle mit der eher limitierten Stimme, als Gemüsezielscheibe zu nehmen.

Pop wurde 1967 ein bunter Regenbogen

Mit dem epischen „A Day in the Life“, einer sechsminütigen Minioper über Alltagsroutinen und Zeitungsmeldungen endet das Album. Hier sind durch zweifache Doppelung der Orchestermusiker 160 Instrumente zu hören. Nie gehörtes Unerhörtes! Und am Ende rummst es gewaltig, der Schlussakkord, gehämmert von vier Pianisten zugleich, klingt als verrauche hier ein aus großer Höhe gefallenes und zerborstenes Klavier.

Es war ein gutes Jahr, vielleicht das beste der Popmusik, das Jahr des „Summer of Love“, als die Hippiebewegung auf ihrem Höhepunkt stand. Knapp drei Wochen zuvor war Jimi HendrixDebütalbum „Are You Experienced?“ erschienen, die Doors hatten bereits im Januar mit ihrem Erstling von sich reden gemacht, im März folgten – damals noch weitgehend unbemerkt – The Velvet Underground und zwei Monate nach „Sergeant Pepper“ schwebten die Popfans dann über den „Interstellar Overdrive“ der Londoner Band The Pink Floyd. Alles war möglich, luftig, offen, Pop war ein bunter Regenbogen und wurde zu Rock, nach „Sergeant Pepper“ trauten sich alle was. Es war das Jahr von Cream, Jefferson Airplane, Love und Leonard Cohen.

Und nur Brian Wilson von den Beach Boys zerbrach in tausend Stücke während der Arbeit an seiner unkomponierbaren Popsinfonie „Smile“. Ironie der Geschichte, wie Paul McCartney wiederholt betonte: „Der größte Einfluss (für ,Sergeant Pepper‘) war… das Album ,Pet Sounds‘ von den Beach Boys, und es waren hauptsächlich die Harmonien, die ich dort klaute.“

„Anniversary Edition“ erscheint am 26. Mai

Zum Jubiläum wird „Sergeant Pepper“ mit einer „Anniversary Edition“ geehrt. Mit vier CDs und zwei DVDs wird gefeiert – mit einem neuen Stereo-Mix der Lieder, dem Original-Album in Mono inklusive der vorab veröffentlichten Single „Strawberry Fields Forever/Penny Lane“. Und mit 33 weitgehend unveröffentlichten Aufnahmen aus den Sessions. Es ist die erste Spezialversion eines Beatles-Albums überhaupt, ein 144-Seiten-Buch lässt kein Detail unberücksichtigt. „Sergeant Pepper“ ist damit in Gefahr, endgültig zum gläsernen Album zu werden. Dabei will man doch verzaubert bleiben und gar nicht alles wissen. Zuviel Klarheit killt den Mythos. Und was wäre die Popmusik ohne ihre Mythen

Für das Musikmagazin „Rolling Stone“ ist „Sergeant Pepper“ das beste Album aller Zeiten. Der Musikschalk und Avantgardist Franz Zappa aber glaubte den Beatles nicht eine Minute deren Drang zu Ernst und Tiefe. Im März 1968 später parodierte er das Cover für ein eigenes Album, das „We’re only in it for the Money“ hieß. Für die Hearts Club Band blieb es dann ein einmaliger Auftritt, auf der nächsten Platte waren die Beatles dann wieder die Beatles und ganz bei sich.

Von Matthias Halbig / RND

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