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Kultur Das eiserne Herz von AC/DC
Nachrichten Kultur Das eiserne Herz von AC/DC
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12:04 19.11.2017
Gitarrist Malcolm Young. Quelle: imago/ZUMA Press
Canberra

„Wenn du es nicht magst“, sagte Malcolm Young einmal, „dann stimmt was nicht mit dir.“ Er meinte das AC/DC-Album „Let there be Rock“, aber auch den Sound von AC/DC überhaupt. Damals in den mittleren Siebzigerjahren, als noch nicht ausgemacht war, ob die Australier auf ihren Tourneen nicht alle Mädchen rauben und die Städte verheeren würden, war ihr metalgehärteter Rumpel-Rock’n’Roll noch ein exklusives Ding für Biker und sonstige bierliebende Headbanger.

Später aber, als klar war, dass alles nur ein ewig pubertärer, höllisch lauter Spaß war, gefielen die genial simplen Mackersongs plötzlich allen, ob Maurer oder Manager. Alle Welt war seit den Neunzigern auf dem „Highway to Hell“ und Malcolm Young war mit seiner Gretsch Jet Firebird Gitarre bis 2014 der Rhythmusgitarrist dieser Band, der Mann, dessen Spiel das eiserne Herz von AC/DC war, das „TNT“ im Sound, das sie alle wegblies. Nach der Diagnose einer Demenzerkrankung verließ Young die Gruppe, wurde auf der letzten Tournee durch seinen Neffen Stevie ersetzt. Jetzt, 44 Jahre nach Gründung der Band, ist er im Alter von 64 Jahren an den Folgen seiner Erkrankung gestorben. Malcolm Young hinterlässt seine Ehefrau Linda und zwei Kinder.

„Mit aus tiefstem Herzen empfundener Traurigkeit muss AC/DC den Tod von Malcolm Young ankündigen“, so ging am frühen Sonnabendnachmittag ein Tweet um die Welt, in dem Youngs Bedeutung für die Band hervorgehoben wurde. „Als Gitarrist, Songwriter und Visionär war er ein einzigartiger Mann“, hieß es da. Stolz sei er auf das Erreichte gewesen, „seine Loyalität zu den Fans ist unübertroffen.“

Die große Glocke, die bei Konzerten den Song „Hells Bells“ einläutete, liebte Malcolm Young. Sie war für ihn ein Statement des Überlebens. Viele hatten AC/DC im Frühjahr 1980 nach dem überraschenden Tod ihres Sängers Bon Scott abgeschrieben. Und mit dem Nachfolger Brian Johnson gingen die Australier nach anfänglichen Erfolgen tatsächlich in ein durchwachsenes Jahrzehnt.

Mit dem Album „The Razor’s Edge“ (und den Hits „Thunderstruck“ und „Money Talks“) knüpften AC/DC 1990 wieder an die Zeit ihrer großen Erfolge an. Beim Comeback waren AC/DC Klassiker, kein Konzert, das nicht ausverkauft war. Und am Ende jeden Auftritts machten Batterien von Fake-Kanonen bei „For those about to Rock“ richtig Krach. Diese Bühnenknaller mochte Young nicht so gern. AC/DC stand bei ihm „für das Echte“. Echte Kanonen, so pflegte er zu sagen, wären ihm lieber gewesen.

AC/DC Mitte der 80er. Quelle: imago/United Archives International

1973 hatte der mit seiner Familie nach Australien ausgewanderte Malcolm AC/DC mit seinem jüngeren Bruder Angus gegründet, dem auffälligen Leadgitarristen in der Pennäleruniform. Mentor war der erst vor kurzem verstorbene ältere Bruder George, der mit seiner Band Easybeats den Welthit „Friday on my Mind“ gelandet hatte.

Die wilden, frühen Jahre waren Young bis zuletzt die liebsten gewesen, damals, als man in Sydney noch eine Bande aus Bürgerschrecks war. „Wir waren ein Skandal in Australien. Mütter zerrten ihre Kinder auf der Straße weg von uns: Oh schau, die sind’s“, erinnerte er sich in einem Interview. In Deutschland, wo man nicht wusste, in welche Schublade man AC/DC stecken sollte – sie waren eindeutig zu hart für Hardrock – wurde die erste Single „It’s a Long Way To The Top“ als „neue Punk-Sensation aus Australien“ vermarktet.

Young im Jahr 2011. Quelle: imago/ZUMA Press

Malcolm Youngs Gesundheit war schon in den Jahren vor der Demenz ein Problem gewesen. Er litt zeitweilig an Lungenkrebs, bekam einen Herzschrittmacher. Kürzer trat er deshalb nicht, gab erst auf, als es nicht mehr anders ging und gestand sich das Ende doch nicht ein. Von einer „Pause“ war die Rede, als AC/DC 2014 ohne ihn ins Studio ging, um das Album „Rock or Bust“ einzuspielen.

Nun ist der Mann, dessen Leben die Band war, gestorben. Und die Band selbst steht auch auf der Kippe. Schlagzeuger Phil Rudd schied 2015 aus, Bassmann Cliff Williams gab seinen Abschied 2016 bekannt, Sänger Brian Johnson wurde wegen Gehörproblemen auf Tour von Guns’N Roses-Frontmann Axl Rose ersetzt.

Alles sieht nach Band-Ende aus, aber Totgesagte leben länger, und dass es Bedarf an AC/DC-Musik gibt, beweisen Legionen von AC/DC-Tributebands. Das Geheimnis des Erfolgs beschrieb Malcolm Young so:„Die Leute können losziehen und REM hören, wenn sie tiefsinnige Lyrik wollen. Aber am Ende des Abends wollen sie nach Hause und richtig flachgelegt werden. Und da kommt AC/DC ins Spiel.“

Von Matthias Halbig / RND

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