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Kultur Deutsche Überraschung beim Film-Festival
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13:29 17.05.2018
Allein – nicht mal Zombies auf den Straßen: Armin (Hans Löw) ist urplötzlich der letzte Mann auf der Welt. Quelle: Pandora Film
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Cannes

Es war einmal in Cannes: Viele Kinogeschichten haben so angefangen. Eine davon handelte vor zwei Jahren von einem vereinsamten Vater, seiner von ihrer Karriere getriebenen Unternehmensberater-Tochter und einem Zottelmonster. Der Film von Maren Ade hieß „Toni Erdman“ und trat an der Côte d’Azur einen Triumphzug rund um die Welt an.

Eine Originalität wie sie im deutschen Kino selten ist

Jetzt ist Ade wieder in Cannes gemeldet, aber dieses Mal „nur“ als Koproduzentin mit ihrer Firma Komplizen Film. Regie geführt hat Ulrich Köhler, und das ist Ades Mann. Cannes hat sich schon immer als Familientreffen verstanden.

Köhlers „In My Room“ läuft allerdings nicht im grell ausgeleuchteten Wettbewerb, sondern in der Nebenreihe Un Certain Regard. Aber er versprüht eine Originalität, wie man sie im deutschen Kino selten findet.

Dabei fängt alles stinknormal an, und genau darin besteht der Trick: Armin (Hans Löw) ist Anfang 40, Kameramann und hat nichts Bestimmtes vor im Leben. Als seine Oma stirbt, ist er an der Seite seines Vaters zur Stelle – und zum ersten Mal kommt ihm in den Sinn, dass man seine Zeit irgendwie gestalten sollte, bevor es zu spät ist. Darüber wird er bald genauer nachdenken müssen.

Als letzter Mann auf Erden wird Köhlers Held endlich aktiv

Denn jetzt kommt`s: Nach einer traurigen Nacht mit ein paar Dosen Bier im Auto erwacht Armin – und er ist plötzlich der einzige Mensch auf Erden. Die Tiere sind noch da, die Dinge, nur die Menschen nicht mehr (nur die tote Oma). Warum? Egal. Hier geht es nicht um die Apokalypse, sondern um ein soziologisches Experiment: Was macht der letzte Mensch, wenn er alles machen kann?

Armin zieht sich in ein ländliches Idyll mit Ackerpferd, Hühnern und Ziegen zurück. Aus dem wabbeligen Schluffi wird ein durchtrainierter Alleskönner mit Verantwortungsgefühl für Vieh und Land. Und dann taucht doch noch eine Frau auf, Kirsi (die Italienerin Elena Radonicich). Woher sie kommt? Spielt keine Rolle.

Wer jetzt denkt, dass eine paradiesische Zeit anbricht, sieht sich getäuscht. Beziehungsprobleme können sich auch dann einstellen, wenn beide Beteiligten wissen, dass die Alternativen begrenzt sind. Sollen Sie sich am Mühlbach niederlassen oder doch lieber durch die weite Welt ziehen? Kinder kriegen oder nicht? Jetzt versteht man, warum Adam und Eva die Sache mit dem Apfel nicht in den Griff bekommen haben.

Köhler hätte die geniale Idee noch weitertreiben können

Am Ende wird man in diesem Film allerdings das Gefühl nicht los, dass Köhler seine geniale Idee noch weiter hätte treiben können. Aber vielleicht ist es ja genau so, wie er es beschreibt: Man richtet sich in der Welt ein, wie sie eben ist.

Wim Wenders war in Cannes mit seinem braven Papst-Film, Margarethe von Trotta mit ihrer auf persönliche Erinnerungen getrimmten Doku über Ingmar Bergman. Ulrich Köhler hat eine fiktive Geschichte erzählt – und mit „In My Room“ am meisten überrascht.

Von Stefan Stosch / RND

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