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Kultur Bilanz und Buddenbrooks
Nachrichten Kultur Bilanz und Buddenbrooks
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11:02 01.03.2018
Brille des Schriftsteller Gustav Freytag: Der Autor aus dem 19. Jahrhundert beschäftigte sich in seinem Werk „Soll und Haben“ ganz selbstverständlich auch mit der Sphäre des Ökonomischen. Quelle: dpa
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Berlin


In Amerika, wo es das klassische Feuilleton nicht gibt, habe ich gelernt, dass auch Schriftsteller und Kulturschaffende aller Art die Wirtschaftsseiten lesen sollten, denn was sich dort findet, betrifft uns oftmals mehr als eine Theaterkritik oder ein Philosophen-Interview. Ich meine nicht nur Berichte über Tarifabschlüsse, von denen freischaffende, in prekären Verhältnissen lebende Künstler nur träumen können (Weihnachtsgeld? Was ist das?), sondern auch Artikel über Verkehrspolitik und Digitalisierung, die längst nicht nur Wirtschaftsthemen sind.

Aber es gehört zum globalen Spätkapitalismus, dass alles ökonomisiert wird: Zuallererst die Politik selbst, die längst zum Wachstumsmanager und Taschengeldgeber verkommen ist, aber auch die Kunst und selbst der Sport. Menschen sind vor allem Konsumenten, junge Fußballspieler werden wie Aktien gehandelt, Bilder werden für einen überdrehten Kunstmarkt gemalt, die Stiftungen fördern nur, wenn die Gewinne sprudeln. Museen sind längst nicht mehr die Tempel des Bürgertums, das sich bilden möchte, um politisch zu partizipieren –– sie sind Wirtschaftsfaktoren. Manchmal, wenn ich die Wirtschaftsseiten gelesen habe, sehne mich zurück in Zeiten, als die Vereinnahmung in die andere Richtung ging, als sich die Kunst der Wirtschaft überstülpte, nicht umgekehrt. Dann blättere ich zum Beispiel in Gustav Freytags „Soll und Haben“, oder in Thomas Manns „Buddenbrooks“, dem vielleicht beliebtesten Roman der Deutschen. Er ist im Kaufmannsmilieu angesiedelt und liest sich streckenweise wie ein Bilanzbuch. Und das ist tatsächlich ganz große Kunst.

Gregor Hens ist Schriftsteller und Übersetzer in Berlin.

Von Gregor Hens

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