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Kultur Sting und Shaggy – Zwei für die Sonne
Nachrichten Kultur Sting und Shaggy – Zwei für die Sonne
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09:47 20.04.2018
Gemeinsame Offbeat-Sache: Sting (r) und Shaggy treten im Rahmen der Verleihung der 60. Grammy Awards im Madison Square Garden auf. Quelle: dpa
Los Angeles

Platte einlegen, Fenster aufreißen, blauen Himmel und Sonne reinlassen und von Wellen, Strand und einem Jamaica Rum Punch träumen. Sting und Shaggy haben zusammen ein Reggae-Album aufgenommen. Das macht Sinn und Laune obendrein.

Bob Marleys Geist sucht Sting immer noch heim

Der Jamaikaner Shaggy (49) wurde 1993 mit der Reggae-Variante Ragamuffin‘ und dem Song „Oh Carolina“ bekannt, der mehrere Popgenerationen ältere Brite Sting (66) wurde in der Punkära zum Star, einer Zeit, in der auch der flotte Ska florierte und Reggae der Zweitsound aller Punk- und Wavebands von The Clash bis Fischer Z war.

Stings Band The Police lieferte mit Songs wie „Roxane“ und „So Lonely“ Hitparaden-Hybride aus Punk und Reggae. Dass ihn, wie er im Titelsong „44/876“ behauptet, immer noch vom Geist des zu früh verstorbenen Bob Marley heimgesucht wird, ist ihm also zu glauben.

Und so singt sich Sting mit seiner kreidigen Honigstimme und rappt sich Shaggy mit seinem Patois-gefärbten Robot-Stakkato durch ein Dutzend süßer Songs (auf einer Special Edition sind es 15), die den Winter aus Hörers Knochen vertreiben dürften.

Aus einem einzelnen Duett wurde ein ganzes Album

Eigentlich war nur ein gemeinsames Stück geplant, „Don’t Make Me Wait“, angeregt von Shaggys Produzent und Stings Manager. Sting war angetan, sechs Wochen später war in Los Angeles „44/876“ fertiggestellt, benannt nach der britischen und jamaikanischen Landesvorwahl. Ein Zufallsprodukt und Glücksfall.

Tanzen ist angesagt, zumindest bei Sting-Musik ist diese Auswirkung auf den Hörer zuletzt selten geworden. Meist kann man sich hier in den Offbeat lümmeln und sich traumverloren in den Songs wiegen. Da flirrt mal eine jazzige Gitarre („22nd Street“), da finden Akkordwechsel, Rhythmuswechsel, Spielereien statt – ein Reggae mit Raffinesse.

Im Motown-Soul-inspirierten „Dreaming in the USA“ nennen sie den nicht beim Namen, der ihre strahlenden Amerikaträume verhagelt hat. Sie beschwören lieber den Glamour von Elvis, Marilyn und Jimmy Dean und brechen eine Lanze für die kleinen, mittelarmen Immigranten, für die Billigjobs und Militärdienst übrigbleiben. „Ich warte auf den Tag, wenn wir alle in einem besseren Amerika leben“, singt Shaggy, der bei den Marines war, am Ende des Songs.

Die verlorene Liebe wird frühstücksmetaphorisch beschrieben

Politik ist nur am Rande spürbar. In „Don’t Make Me Wait“ geht es um die Frau, die eine fürs Leben werden könnte. In „Night Shift“ muss der Liebhaber statt aufs Liebeslager auf die Arbeit. Gar oft geht’s um die Liebe hier, die ersehnte, unendliche oder gescheiterte.

Deren Bedeutung wird jedem begreiflich, wenn Sting ihr in „Sad Trombone“ frühstücksmetaphorisch hinterher trauert: „Sie war mein Morgenkaffee, die Butter auf meinem Toast“. Tja, Wasser und trocken Brot ab jetzt, Sting. Privat, verrieten beide in Interviews, stünde bei ihnen alles bestens mit den Lebenslieben.

Ein 12-Song-Wonneproppen nicht mehr so taufrischer Popherren

Sie mögen sich, fahren zusammen Motorrad, machen Faxen für Fernsehteams und versichern – Shaggy im Titelsong, Sting in „Morning is Coming“ Morgenmenschen zu sein. Ein Aufbruch in den Tag, das Hörerlebnis ist durch und durch erfreulich. Kein Album, dass mehr zum Wetter und zur Stimmung passt als dieser 12-Song-Wonneproppen zweier nicht mehr ganz so taufrischer Herren. Auf Tour gehen sie auch. Hoffentlich wird’s kein Sommer so grau und verregnet wie im letzten Jahr.

Sting & Shaggy: „44/876“ (A&M Records) Sting & Shaggy live: Mainz, 8. Juli – Volkspark; Fulda, 12. Juli – Domplatz: Füssen, 13. Juli - Barockgarten am Festspielhaus; Salem, 23. Juli -| Schloss Salem

Von Matthias Halbig/RND

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