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Der Norden #NichtEgal klärt über Hass im Netz auf
Nachrichten Der Norden #NichtEgal klärt über Hass im Netz auf
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17:48 29.10.2018
Die YouTuberin Yvonne Pferrer (2.v.r) spricht in der Oberschule im Park während eines Schul-Workshops zum Auftakt zur Initiative gegen Hass im Netz mit Schülern der 7. Klasse. An mehr als 60 Schulen sollen Schüler als Mentoren ausgebildet werden, die ihr Wissen an andere Schüler weitergeben. Quelle: dpa
Bremen

Beschimpfungen, Beleidigungen, hasserfüllte Nachrichten – dass im Internet ein rauer Umgangston herrscht, hat der zwölfjährige Caillou Meier schon am eigenen Leib erfahren. Seit zwei Jahren postet der Bremer Videos auf YouTube und hat dafür auch schon gemeine Kommentare erhalten. „Ich ignoriere die, oder ich blockiere die“, sagt der Schüler. In einem Workshop will er jetzt lernen, wie er sich gegen den Hass im Netz wehren kann.

Caillou Meier ist einer von etwa 10 000 Schülern an mehr als 60 Schulen bundesweit, die die Initiative #NichtEgal für einen respektvollen Umgang im Internet gewinnen will. Den Anfang machte am Montag die Bremer Oberschule im Park. Medienpädagogen hatten dort zuvor mehrere Neuntklässler als Mentoren ausgebildet. Sie sollen jüngeren Schülern zeigen, wie sie sich in Netzdebatten einmischen und Widerstand gegen hasserfüllte Inhalte leisten können. NichtEgal wird zu 100 Prozent von Google bzw. YouTube Deutschland finanziert. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ist die Schirmherrin der Initiative.

#Nicht Egal" in der Oberschule im Park. Quelle: dpa

„Es gibt viele Leute, die YouTuber beleidigen. Ich finde das schrecklich“, sagt die 15-jährige Silda Brimo. Gemeinsam mit einer anderen Mentorin leitet sie an diesem Tag den Workshop in einer 7. Klasse. Eigentlich wirkt ihre Strategie für eine bessere Stimmung im Netz ganz einfach: „Man kann auch mal schöne Kommentare schreiben, Beiträge loben und sich für diese bedanken“, sagt sie.

Aber gerade das ist gar nicht so leicht. „Es ist nicht einfach, etwas Positives zu formulieren, dass nicht gleich klischeehaft oder plakativ klingt“, sagt der Medienpädagoge Sebastian Reuser. „Eine Hassbotschaft ist viel schneller formuliert.“ So kommt es, dass einige wenige im Internet lautstark Hassparolen verbreiten und die Mehrheit, die das nicht gut findet, schweigt.

„Wer am lautesten schreit, den hört man“

„Wer am lautesten schreit, den hört man auch. Die anderen halten sich zurück“, berichtet Yvonne Pferrer aus ihrer Erfahrung. Die 24-Jährige ist seit sechs Jahren in sozialen Netzwerken aktiv, mehrere Tausend Nutzer folgen ihr auf YouTube, Instagram und Facebook. Beleidigende Kommentare haben sie anfangs sehr getroffen. „Es tut einfach weh“, sagt sie. „Inzwischen prallen Hasskommentare an mir ab. Ab und zu schreibe ich zurück, aber eher neutral. Wenn man sich auf das Niveau herablässt, wird es nur noch schlimmer.“

Doch nicht jeder kann so cool damit umgehen, vor allem, wenn die Angriffe persönlich und herabwürdigend sind. Gerade erst deaktivierte die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli ihren Facebook-Accout, nachdem eine Welle von Hass-Nachrichten über sie hereingebrochen war. Dass die respektlose Debattenkultur im Internet ein Problem ist, haben auch die sozialen Netzwerke erkannt. So löschen diese inzwischen unter anderem Falschinformationen, Manipulationen und diskriminierende Äußerungen. Seit Anfang des Jahres sind diese dazu in Deutschland auch gesetzlich verpflichtet.

Eine Schülerin schneidet zur Initiative gegen Hass im Netz Symbole aus. An mehr als 60 Schulen sollen Schüler als Mentoren ausgebildet werden, die ihr Wissen an andere Schüler weitergeben. Quelle: dpa

76 000 Hassvideos gemeldet

So meldeten Nutzer im ersten Halbjahr 2018 nach Angaben der Google-Tochter YouTube etwa 76 000 Videos mit hasserfülltem oder extremistischem Inhalt. Fast 25 000 davon entfernte die Video-Plattform nach der Überprüfung. Doch das Löschen allein reiche nicht aus, sagt YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz. „Wir wollen die Kompetenz von Jugendlichen im Netz stärken.“ Deshalb beteiligt sich YouTube mit anderen Partnern an der Initiative #NichtEgal.

Schulen können sich für die Aktionstage über die #NichtEgal-Website bewerben. Selbstverständlich müssen sowohl die Schulen als auch die Eltern der teilnehmenden Schüler*innen ihr Einverständnis erklären. Insgesamt werden Workshops an rund 60 Schulen in ganz Deutschland stattfinden.

Von dpa/RND

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