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Der Norden Das müssen Sie zum neuen Brennstoffzellen-Zug wissen
Nachrichten Der Norden Das müssen Sie zum neuen Brennstoffzellen-Zug wissen
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14:23 16.09.2018
Rollt in Zukunft auf der Strecke Cuxhaven – Buxtehude: Der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Zug Coradia iLint. Quelle: Alstom SA M.Wittwer
Bremervörde

Nach vielen Testfahrten wird es ernst. In Bremervörde wird am Sonntag die Premiere eines mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenzuges gefeiert. Zwei Prototypen werden dann in den Fahrplan integriert und befördern erstmals Fahrgäste. Zuvor wurde das neuartige Zugmodell Ende 2017 in Wolfsburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Mitte Juli 2018 folgte dann die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt. Langfristig sollen die neuen Züge Diesel-Loks ersetzen und den Ausstoß von Emissionen verringern. Hier erfahren Sie, was Sie über die Brennstoffzellen-Züge wissen müssen.

Wann geht es genau los?

Am Bahnhof Bremervörde wird am Sonntag ein besonderer Zug erwartet. Dort soll am frühen Nachmittag erstmals ein Wasserstoff-Brennstoffzellen-Zug einfahren. An Bord werden unter anderem Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) und der Präsident des Zugherstellers Alstom, Henri Poupart-Lafarge, erwartet.

Was ist an diesem Zug besonders?

Es fallen zumindest im direkten Betrieb außer dem Wasserdampf keine Emissionen an.

Wo sollen die Züge fahren?

Die in Salzgitter gebauten Züge sollen auf der knapp 100 Kilometer langen Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude unterwegs sein und die bisherigen Dieseltriebwagen ablösen. Ab Montag werden zwei Züge regulär im öffentlichen Linienverkehr und nach festem Fahrplan eingesetzt. Betrieben werden sie von der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Ab 2021 sollen 14 Brennstoffzellen-Züge auf der Strecke unterwegs sein. Das Elbe-Weser-Dreieck eignet sich laut Verkehrsministerium in Hannover aufgrund der Größe und des ebenen Geländes für die Erprobungsphase.

Wie wird die Anschaffung finanziert?

Das Verkehrsministerium in Hannover fördert die Anschaffung mit rund 81,3 Millionen Euro.

Wie funktioniert die Technik?

Die Züge der Firma Alstom haben auf dem Dach einen Wasserstofftank und eine Brennstoffzelle. In der Brennstoffzelle entsteht Energie, indem Wasserstoff und Sauerstoff kontrolliert miteinander reagieren. Dabei entstehen Strom, Wärme und als Abfallprodukt Wasserdampf. Alstom zählt weltweit zu den ersten Herstellern, die einen Personenzug auf Basis dieser Technologie entwickelt haben. Seit Juli 2018 hat das Unternehmen vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Zulassung für den Passagierverkehr im öffentlichen Netz in der Tasche.

Wie schnell ist der Zug und welche Strecke schafft er?

Rund 1000 Kilometer kann der „Coradia iLint“ mit einer Tankfüllung zurücklegen und so ohne Probleme einen Tag in dem Netz fahren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 Kilometern pro Stunde. Die Versorgung mit Wasserstoff soll über eine eigene Tankstelle sichergestellt werden. Der Zug, der sich äußerlich nicht wesentlich von seinen Vorgängern unterscheidet, soll deutlicher leiser sein.

Wird sich die Technik durchsetzen?

Während der Fahrt fallen außer dem Wasserdampf keine Emissionen an. Allerdings bemängeln Kritiker, dass bei der herkömmlichen Gewinnung des Wasserstoffs per Chlor-Alkali-Elektrolyse wegen des hohen Stromeinsatzes große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids freigesetzt werden. Außerdem muss das Gas in Fahrzeugen wegen der Explosionsgefahr in hochfesten Tanks gelagert werden.

Nach Angaben aus dem Verkehrsministerium ist schon in naher Zukunft sukzessiv Windstrom zur Herstellung von grünem Wasserstoff vorgesehenen. Mittel- und langfristig sei zudem zu erwarten, dass der Wasserstoff auch die wirtschaftlichere Alternative sein werde.

Fährt der Zug bald auch andere Strecken?

Alstom entwickelt die Züge nach eigenen Angaben gezielt für den Einsatz auf nichtelektrifizierten Strecken. Das Ministerium geht davon aus, dass der Einsatz für weitere solcher Netze in Niedersachsen interessant ist. Im April 2018 gab es in Hessen eine Demonstrationsfahrt von Wiesbaden nach Frankfurt. Dort will der Rhein-Main-Verkehrsverbund ab Ende 2022 die Dieselloks auf mehreren nicht elektrifizierten Nebenstrecken im Taunus durch die neue Technik ersetzen. Andere Bundesländer haben ebenfalls Interesse bekundet.

Was meinen die Fahrgäste?

Die Praxistauglichkeit muss sich für Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn erst noch herausstellen. Für ihn handelt es sich aber um einen interessanten und richtigen Versuch. „Wir brauchen elektrische Antriebe auf der Schiene“, sagt er. Eine Entscheidung sollte aus seiner Sicht frühestens in zwei bis drei Jahren erfolgen, damit es Erfahrungen bei möglichst vielen unterschiedlichen Witterungsbedingungen gibt.

Niedersachsen bei alternativen Antrieben vorne

Einer neuen Studie zufolge gehört Niedersachsen auch im Busbetrieb zu den Vorreitern in Deutschland in Sachen alternativer Antriebe. Demnach rollen in Hannover so viele Hybrid-Busse wie in keiner anderen deutschen Stadt. In ganz Niedersachsen fahren laut der Studie zurzeit 110 Busse im öffentlichen Nahverkehr mit alternativen Antrieben - jeder sechste in Deutschland. Nur in Nordrhein-Westfalen sind es mehr.

Von RND/dpa

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