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Der Norden Was nützen Facebook & Co. der Polizei?
Nachrichten Der Norden Was nützen Facebook & Co. der Polizei?
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07:36 26.06.2017
Teilen erwünscht: Die Polizei setzt für Fahndungen, Aufklärungskampagnen und Bürgerkontakt vermehrt auf soziale Netzwerke. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Hannover

Im Juni vor fünf Jahren ging die niedersächsische Polizei zum ersten Mal mit einer zentralen Facebook-Seite auf Verbrecherjagd und war damit Vorreiter in Deutschland. Die Terrorgefahr der jüngsten Zeit macht die sozialen Medien für die Ermittler unverzichtbar - beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 informierte die Polizei die Bürger fortlaufend über Twitter.

Anzahl der Polizeiaccounts steigt

"Die Polizei muss schon vorher eine gewisse Menge an Followern aufbauen, um in Krisensituationen möglichst viele Menschen zu erreichen", sagt der Cyber-Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Der Experte ist überzeugt: "Die Polizei muss sich noch viel intensiver mit den sozialen Medien auseinandersetzen." Die Zahl der Polizeiaccounts bei Facebook und Twitter ist in die Höhe geschnellt: 2016 waren es bundesweit etwa 90, Anfang 2017 schon 216. Aktuell schätzt Rüdiger die Zahl auf etwas unter 300, im Vergleich zu den meisten europäischen Nachbarn seien es jedoch wenige.

Fahndung per Facebook-Post

In den Niederlanden gibt es dem Experten zufolge knapp 2400 Polizeiaccounts. Der Leiter der Polizeiinspektion Leer/Emden 1, Johannes Lind, twittert sogar individuell. Die vom Landeskriminalamt betriebene Facebook-Fanpage der niedersächsischen Polizei hat inzwischen über 53.000 Likes und Followers. Sie werden mit "liebe Helfer(innen)" oder "liebe Supporter(innen)" angesprochen, der Ton ist locker. Die Beamten posten Fahndungsaufrufe mit Bildern aus Überwachungskameras nach Überfällen oder Geldautomatensprengungen. Berichtet wird auch von Festnahmen, verbunden mit "vielen Dank für die Mithilfe".

Rechtliche Bedenken

Wegen rechtlicher Bedenken werden die Aufrufe auf einem Polizeiserver gespeichert und nur verlinkt. Sie sehe die Nutzung sozialer Medien von Behörden und Kommunen "nach wie vor sehr kritisch", sagt Niedersachsens Landesdatenschutzbeauftragte Barbara Thiel. Von 650 Veröffentlichungen auf der zentralen niedersächsischen Seite führten laut LKA 216 zur Identifizierung des Tatverdächtigen beziehungsweise gesuchten Vermissten. "In 32 Fällen ging der entscheidende Hinweis belegbar nach der Veröffentlichung bei Facebook ein", sagt LKA-Sprecher Hans Retter.

Aufklärung und Unterhaltung

Bei den Facebook-Auftritten von örtlichen Polizeien geht es häufig auch um Präventionskampagnen, Sportwettkämpfe oder spaßige Meldungen, letztere mit großer Resonanz. So schlug der Polizei Osnabrück eine Welle von Sympathie entgegen, als sie Anfang Januar via Facebook den Besitzer eines vor einer Wache abgestellten Bobbycars suchte. Auch die Meldung ""Falschparker" stellt sich" mit dem Bild des dreijährigen Bobbycar-Eigentümers wurde fast 7000 Mal geliked.

Polizeimeldungen bald per WhatsApp?

Unterhaltung spielt eben eine große Rolle in den sozialen Medien. Die Polizei in Frankfurt am Main ist Pionier auf Instagram - auch dort findet der süße junge Drogenspürhund den meisten Anklang. Das bei Kindern und Jugendlichen beliebte Instagram werde auch bei der Polizei den Kanon um Twitter und Facebook erweitern, glaubt Experte Rüdiger. "WhatsApp hingegen nutzen annähernd alle von jung bis alt. Daher wäre es eine logische Schlussfolgerung den Messenger-Dienst vermehrt für polizeiliche Themen zu nutzen." Der Cyber-Kriminologe fordert zudem einen breiten gesellschaftlichen Austausch über die Präsenz der Polizei - und damit des Rechtsstaats - im öffentlichen digitalen Raum. "Das Internet ist für viele Menschen ein gefühlt rechtsfreier Raum. Zum Beispiel bei der Bekämpfung von Volksverhetzung im Internet - dem sogenannten Hatespeech - wäre daher eine Debatte etwa über virtuell sichtbare Polizeistreifen sinnvoll."

Christina Sticht, dpa

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