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Den Raubvögeln ganz nah

Greifvogelgehege Bispingen Den Raubvögeln ganz nah

Frigga Steinmann-Laage bringt in ihrem Greifvogelgehege Menschen und Tiere zueinander. In der Anlage gibt es keine Flugschau. Stattdessen genießen die Besucher eine einzigartige Nähe zu den Tieren, die nur durch die starke Bindung der Falknerin Steinmann-Laage zu den Vögeln möglich ist.

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„Uhus sind viel weniger intelligent“ als zum Beispiel Steinkäuze: Falknerin Frigga Steinmann-Laage schmust mit Uhu-Männchen Blasius.

Quelle: Berliner

Bispingen. „Verschwinde doch mal in deine Höhle, Pumuckl“, sagt Frigga Steinmann-Laage. Der Vogel tut, was sie ihm sagt. „Nein, zu weit, man sieht dich nicht mehr. Komm wieder etwas heraus.“ Das Tier folgt auch diesem Befehl und schaut mit großen Augen aus dem Baumloch am Fuß einer Birke. Pumuckl ist ein Steinkauz. Einer von rund 250 Eulen und Greifen, die Frigga Steinmann-Laage gehören. Etwa 40 der Vögel präsentiert sie Besuchern während einer 90-minütigen Führung durch das Gehege.

Käfige gibt es nicht     

Dort sitzen die Tiere der Schau nicht etwa in Käfigen, sondern hocken nur mit einer Leine gesichert auf flachen Ansitzen. Buchstäblich zum Greifen nah werden von der winzigen Zwergohreule Dracula bis zum gewaltigen Steinadler Wotan fast alle europäischen Greifvogelarten gezeigt. Die Falkenarten dieser Welt sind auf dem 20.000 Quadratmeter großen Anwesen am Rande des Truppenübungsplatzes Munster sogar vollzählig vertreten.

In der Anlage gibt es keine Flugschau. Stattdessen genießen die Besucher eine einzigartige Nähe zu den Tieren, die nur durch die starke Bindung der Falknerin Steinmann-Laage zu den Vögeln möglich ist. Die meisten hat die Züchterin aus dem Ei schlüpfen sehen und liebevoll aufgezogen.

„Pumuckl ist besonders schlau“, erzählt Steinmann-Laage. „Nicht umsonst ist der Steinkauz in der griechischen Mythologie Sinnbild von Athene, der Göttin der Weisheit. Uhus sind viel weniger intelligent.“

Sie hat für die Führung gleich drei Exemplare der weltweit größten Eulenart auf einen kleinen Hügel im Wald gebracht. Das Uhu-Weibchen Katharina wiegt 2,6 Kilogramm und hat eine Flügelspannweite von 1,70  Metern. Die Neunjährige lässt sich an den Federpinseln zupfen und ihre todbringenden Krallen spreizen. Sie duldet sogar, dass man fühlt, wie weich die hauchzarten Daunen unter den Deckfedern sind. Getoppt wird der Flausch nur noch vom Nackengefieder der Schleiereule. Das watteweiche Gefieder garantiert der Mäusejägerin einen absolut lautlosen Flug.

Auch im Nacken des grau melierten Bartkauzes verschwinden die vorsichtig tastenden Finger der Besucher vollständig in den Tiefen des üppigen Gefieders, bevor sie auf die Kopfhaut stoßen. In freier Wildbahn wird man einen Bartkauz trotz seiner beachtlichen Größe nur schwer zu Gesicht bekommen. Hier im Gehege aber lässt er sich aus nächster Nähe in die bewegungslosen Augen schauen und schmiegt sich für ein Selfie sogar an menschliche Wangen.

Rauhfußkauz Rumpelstilzchen blinzelt auf Befehl mit den Lidern. Sperlingskauz Krümelmonster, der Winzling unter den Eulen, wippt auf Kommando mit dem Schwanz. Keiner der Vögel bekommt für seinen Gehorsam ein Leckerli als Belohnung. Der Spaß am Spiel, an der Aufmerksamkeit der Falknerin, lässt sie folgen. Auch im Winterhalbjahr, wenn keine Führungen stattfinden, widmet sich Frigga Steinmann-Laage ihren Lieblingen intensiv über Fütterung und Pflege hinaus.

Zu jedem Tier und jeder Art weiß sie unterhaltsam zu berichten. Frigga Steinmann-Laage doziert nicht. Sie erzählt lebendig und mit Gespür dafür, was ihre Zuhörer interessiert. Da ist die Geschichte vom Kolkraben Huckebein, der Friggas Kindheit und Jugend in Hamburg begleitete. „Er flog in die Fenster der Nachbarn und sammelte in der Nachbarschaft Gegenstände. Nie hatten wir so viele Zahnbürsten wie damals.“

Als Dreijährige Vögel gepflegt

Schon als Dreijährige hat sie zugesehen, wie Vögel gesund gepflegt wurden. Ernst August Laage, Friggas Vater, war Zoologe, Wissenschaftler und Vogelnarr. Er gründete in den Fünfzigerjahren eine Lehrstätte für einheimische Taggreifvögel und Eulen. Nach seinem Tod 1975 führte die Tochter sein Lebenswerk weiter. Und weil das Gelände in Hamburg bald zu klein wurde, erwarb sie drei Jahre später zusammen mit ihrem Mann Walter Steinmann das Gelände einer ehemaligen Ferienpension, zehn Kilometer von Bispingen entfernt.

Frigga Steinmann-Laages Arbeitstag hat 16 Stunden, aber reich wird sie damit nicht. 30.000 Eintagsküken verspeisen die Greife pro Monat. Dazu Ratten und Mäuse, die in 22 Gefriertruhen aufbewahrt werden. Allein die Stromkosten sind beachtlich. Sie könnte die sehr niedrigen Eintrittspreise erhöhen. Aber dann, sagt sie, würden die Familien mit Kindern womöglich nicht mehr kommen. Und gerade der Nachwuchs ist ihr wichtig. „Denn nur was man kennt, will man auch schützen.“

Das ist das
Greifvogelgehege

Das Greifvogelgehege Bispingen liegt an der Bundesstraße 209 bei Kilometerstein 29,1. Die Besichtigung ist nur im Rahmen von 90-minütigen Führungen möglich. Termine vom 1. Mai bis Ende Oktober jeweils mittwochs, sonnabends, sonntags und feiertags um 15 Uhr. Bei schlechtem Wetter können Führungen ausfallen. Nachfrage unter Telefon (051 94) 78 88. Preis: Erwachsene 8 Euro, Kinder 5 Euro, Fotografiererlaubnis: 2 Euro. www.greifvogel-gehege.de.

Von Martina Berliner

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