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Der Norden Die Lüneburger Heide soll noch attraktiver werden
Nachrichten Der Norden Die Lüneburger Heide soll noch attraktiver werden
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00:30 05.04.2018
„Die Ansprüche der Gäste sind enorm gestiegen“: Urlaub in der Lüneburger Heide. Quelle: HK Lüneburg-Wolfsburg
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Bollersen

Über die Tapete im kleinen Schlafzimmer hätte es fast einen Familienkrach gegeben. Mutter und Tochter liebten das blau-weiße Karo, der Vater nicht. „Wir haben so lange diskutiert, bis wir uns durchgesetzt haben“, erzählt Marion Ehlers und lächelt zufrieden. „Jetzt sagen viele Gäste bei der Buchung sogar, sie hätten gern das Zimmer mit der karierten Tapete.“

Marion Ehlers und ihr Mann betreiben eine kleine Pension in der Lüneburger Heide. Bei der Einrichtung der neuen Ferienwohnung wollten sie alles, nur nicht altmodisch wirken. Ihr Mut macht sich bezahlt: Sie sind gut gebucht – und bei einer Rundtour für Tourismusunternehmen wurden sie als Beispielbetrieb für gute Ideen besucht. Denn nicht alle Gastgeber in der Heide sind so weit wie die Familie im Landkreis Celle.

Gute Ideen gesucht

Zusammengewürfelte Möbel aus dem Familien- und Bekanntenkreis, aus den eigenen Wohnungen ausgemusterte Deko-Stücke: So haben viele Heidjer vor Jahrzehnten mit dem Betrieb ihrer kleinen Pensionen begonnen. Doch was damals durchaus tauglich war, wird sich auf Dauer kein Beherbergungsbetrieb mehr erlauben können, auch wenn jährlich 2,3 Millionen Gäste in die Heide kommen und die Übernachtungszahlen seit Jahren steigen. 

5,56 Millionen Übernachtungen im Jahr 2017: Über diesen Rekordwert aus den gerade veröffentlichten Zahlen des Landesamts für Statistik freut sich der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Lüneburger Heide GmbH, Ulrich von dem Bruch. „Das Ergebnis ist richtig gut. Erstens kommen wir von einem ganz hohen Niveau des Vorjahres und zweitens war der Sommer komplett verregnet.“ Durchschnittlich drei Nächte bleiben Urlauber in der Region, dieser Wert gilt seit Jahrzehnten. Neu ist, dass die Anzahl der Gäste aus dem Ausland steigt – besonders aus Dänemark und den Niederlanden.

Das sehen auch die Branchenkenner so. „Gerade ältere Betreiber investieren zu wenig“, sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. Tourismusberaterin Claudia Grützmacher von der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) ergänzt: „Wir wollen Moderne, Frische und Qualität steigern. Dafür beraten, unterstützen und vernetzen wir die Tourismusbetriebe.“

Gemeinsam mit der Lüneburger Heide GmbH bietet Grützmacher daher Fahrten durch die Region an: Per Reisebus tourt sie mit ihrer Kollegin durch die Heide und macht Station bei verschiedenen Tourismusbetrieben. Betreiber kleiner Pensionen und Hotels oder Anbieter von Ferienwohnungen können die Tour buchen. Immer mit dabei ist die Raumgestalterin Susanne Schreiber-Beckmann: Sie gibt vor Ort Tipps, wie sich die Räumlichkeiten modern und trotzdem günstig gestalten lassen. 

„Die Ansprüche der Gäste sind enorm gestiegen“, sagt Susanne Schreiber-Beckmann. „Das gilt für den Service genauso wie für das Ambiente.“ Die blau-weiß karierte Tapete von Marion Ehlers fand bei ihr Gefallen: „Super“, sagte Schreiber-Beckmann bei ihrem Besuch in Bollersen spontan. „Zugleich lenkt das auffällige Design von der Kleinheit des Raumes ab.“ 

Gin ist in, und auch aus der Lüneburger Heide gibt es welchen: den „Calluna“ aus Wacholder und Heidekraut. Er wird abgestimmt mit destillierten Lavendel- und Holunderblüten und hergestellt in Bad Bevensen. Heidekraut und Wacholder sind ebenfalls Zutaten in der neuen „Heide-Seife“ aus Ziegenmilch, Tonerde und Mandelöl. Hergestellt wird sie von einer Familie in Jesteburg. Modern zeigt sich die Heide auch in ihrer Werbung. So können sich Interessierte eindrucksvolle Fotos im 360-Grad-Format im Internet ansehen.

Auch das echte Hirschgeweih auf einer dunkelgrünen und weißen Farbfläche an der Wand lobt die Designerin, lackierte Geweihe sind schließlich gerade hip. Aber selbst bei der mutigen Familie Ehlers gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten: So sollte sich das Pink aus der bunten Decke auf dem Sofa an anderer Stelle des Raumes wiederfinden, denn das tut es bislang nicht: Die Kerzen auf der Fensterbank sind lila. 

Mit dem kostenfreien Angebot wollen IHK und Lüneburger Heide GmbH ihre Mitgliedsunternehmen motivieren, selbst noch so kleine Gasthäuser zeitgemäß zu gestalten. Nach den ersten Touren ist Susanne Schreiber-Beckmann überzeugt: „Die Heide ist im Umbruch, es passiert ganz viel. Die Gastgeber wollen nicht piefig wirken und Dinge ändern. Viele wissen nur nicht, wie, und fühlen sich hilflos.“ 

Kammer und Lüneburger Heide GmbH bieten künftig weitere Touren an – der Charme der Siebziger lauert schließlich überall.

Von Carolin George

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