Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Strafanzeige gegen den V-Mann, der gegen Abu Walaa aussagt
Nachrichten Der Norden Strafanzeige gegen den V-Mann, der gegen Abu Walaa aussagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 18.11.2017
Quelle: dpa
Anzeige
Celle

  Im Prozess gegen den Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa hat die Verteidigung den Druck auf einen der wichtigsten Zeugen der Anklage, einen V-Mann des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, erhöht. Ali Aydin, Verteidiger des mitangeklagten mutmaßlichen Abu-Walaa-Helfers Hasan C., hat Anzeige gegen den V-Mann erstattet. Es gebe inzwischen mehrere Zeugen dafür, dass dieser V-Mann – Deckname Murat – wiederholt zu Anschlägen in Deutschland aufgerufen habe. „Jeder andere säße längst in Untersuchungshaft, aber bei ihm will man das natürlich nicht, weil man ihn als Zeugen braucht“, sagte Anwalt Aydin am Mittwoch in einer Verhandlungspause in Celle auf Nachfrage.

Er hat nun Strafanzeige beim Generalbundesanwalt gestellt – wegen des Verdachts auf Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Auslöser war eine Aussage des Kronzeugen Anil O. im Abu-Walaa-Prozess. O. hatte berichtet, dass der V-Mann ihn im Sommer 2015 zu einem Vier-Augen-Gespräch in ein Waldstück bei Aachen gebeten habe und ihn gedrängt habe, nicht ins Gebiet der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) auszureisen, sondern „in Deutschland etwas zu machen“. Laut Anil O. war das in der Szene ein Synonym für Anschlagspläne.

„Mir hatten davor schon drei Mandanten konkret berichtet, dass der V-Mann zu Anschlägen aufgerufen hat“, sagte Aydin. „Aber selbst wenn man die alle für Lügner hält – Anil O. glaubt man doch offenbar jedes Wort.“ Folglich hätten die Behörden „ihn gleich nach der Aussage des Kronzeugen hier verhaften müssen“, so Aydin. In der Vergangenheit war bereits der Vorwurf publik geworden, „Murat“ habe auch den späteren Berlin-Attentäter Anis Amri in Hildesheim getroffen und zu Anschlägen animiert. „Ein V-Mann darf nicht mehr als ein normaler Bürger“, betont Aydin. „Er darf sich vielleicht anschlagsbereit zeigen – aber er darf nicht selbst zu Anschlägen auffordern.“ Das sei durch seine Aufgaben nicht gedeckt. Heißt: Selbst wenn der V-Mann nur deshalb für Anschläge geworben habe, um dann mehr über deren Planung herauszufinden, sei das nicht legal. Eine Stellungnahme der Bundesanwaltschaft gab es zunächst nicht.

Unterdessen hat Kronzeuge Anil O. seine eigenen Schilderungen der Gruppe um Abu Walaa beendet, der Vorsitzende Richter Frank Rosenow hat mit der direkten Befragung begonnen. Rosenow fragte am Mittwochvormittag vor allem nach Details zu den Vorgängen in der Hildesheimer DIK-Moschee in der letzten Ramadan-Woche im Juli 2015. Anil O. bekräftigte das Bild eines mitteleuropäischen Treffpunktes für IS-Unterstützer – mit einem mit schwarzem Umhang und schwarzer Kopfbedeckung in seinem Büro präsidierenden Abu Walaa an der Spitze. Zugleich beschrieb er eine hochkonspirative Welt, in der bei allen Gesprächen in kleinerer Gruppe, besonders auch bei Abu Walaa, Handys ausgeschaltet im Hauptraum zu bleiben hatten und die Ausreisehelfer Mahmoud O. und Ahmed F. Y. selbst innerhalb der Gemeinschaft Gleichgesinnter darauf Wert legten, dass ihre Gespräche mit Anil O. niemandem auffielen.

Den Vorwurf der Anklagee, die fünf Angeklagten bildeten ein Netzwerk zur IS-Unterstützung mit dem Prediger als Kopf, untermauerte er mit weiteren Beschreibungen. So habe der Dortmunder Boban S. ihn zur Genehmigung und Organisation seiner Ausreise ins IS-Gebit zu Abu Walaa schicken wollen – der Serbe habe da nicht gewusst, dass O. in Hildesheim schon „alles geklärt“ habe. Auch hätten Abu Walaa und der ebenfalls aus Hildesheim kommende Angeklagte Mahmoud O. bei seinem Hildesheim-Besuch vorab gewusst, dass er komme, weil ihn die weiteren Mitangeklagten Boban S. (aus Dortmund) und Hasan C. (aus Duisburg) dort vorab angekündigt hätten.

Weitere Details nannte Anil O. zudem zu den Plänen für Angriffe auf Polizisten in Wuppertal. Demnach habe Mahmoud O. diese geplant, auch Ahmed F. Y. habe mitmachen wollen und dazu ein junger Mann, den Anil O. als „Chinesen oder Koreaner“ beschrieb. Dabei könnte es sich um den Deutsch-Japaner Marvin K. handeln, der später im syrischen IS-Gebiet ums Leben kam.

Richter Rosenow wirkte am Mittwoch spürbar ernster als an den Verhandlungstagen zuvor, als er öfter versucht hatte, die Atmosphäre mit seinem Humor aufzulockern. Doch auch am Mittwochvormittag gab es wieder Gelächter im Gerichtssaal. Anil O. hatte seine Ankunft an der Hildesheimer DIK-Moschee geschildert und beschrieben, wie ein Salafist ihnen ohne Kontrolle Einlass gewährt hatte. „Da wurde gar nicht kontrolliert?“, fragte Rosenow erstaunt nach. „Heißt das, ich hätte da auch klopfen können und man hätte mich reingelassen?“ Keineswegs, konterte Anil O.: „Sie sehen nicht islamisch genug aus!“

Von  Tarek Abu Ajamieh

Schwerer Unfall in Brake (Kreis Wesermarsch):  Am Mittwoch ist ein Schulbus mit einem Transporter kollidiert und auf einer Wiese gelandet. 17 Kinder wurden verletzt und in Krankenhäuser gebracht. Der Fahrer des Kleintransporters wurde lebensgefährlich verletzt.

15.11.2017

Ein Regionalzug ist am Bahnhof in Elmshorn entgleist. Dadurch ist der komplette Zugverkehr über diese Strecke in Richtung Norden lahmgelegt. „Etliche hundert Züge sind betroffen“, sagt ein Bahnsprecher.

15.11.2017

Ein Straftäter gewinnt gegen das Land: Nach Ansicht des Landgerichts Göttingen ist das im April per Erlass eingerichtete Kompetenzzentrum für den Maßregelvollzug verfassungswidrig, das Vollzugserleichterungen und Lockerungen für psychisch kranke Straftäter in Niedersachsen überprüfen soll.

17.11.2017
Anzeige