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Der Norden Staffel schwimmt 575 Kilometer durch die Elbe
Nachrichten Der Norden Staffel schwimmt 575 Kilometer durch die Elbe
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20:49 25.06.2017
Inzwischen Badewasserqualität: Die Elbe – wie hier bei Hitzacker – hat sich erholt. Die Schwimmer wollen am 10. Juli in dem Ort ankommen – gestartet sind sie am Wochenende in Bad Schandau. Quelle: dpa
Schnackenburg

Es war eine einzige Brühe. Quecksilber, Cadmium, Chlorkohlenwasserstoffe trug die Elbe bis Ende der Achtzigerjahre Richtung Nordsee, ins Wasser gekippt von Fabriken und Kombinaten in der damals noch real existierenden DDR. Schwermetalle und Giftmüll dümpelten über die Grenze und belasteten den Fluss so stark, dass die Werte aus der europäischen Trinkwasserverordnung noch nicht einmal ansatzweise einzuhalten gewesen wären. Klaus Töpfer, der damalige Bundesumweltminister, war 1987 in den Rhein gesprungen, um dessen Wasserqualität zu demonstrieren. Bei der Elbe hätte er das schön bleiben gelassen.

Forschung und Umweltaktion

Heute könnte er. Heute tun es viele, und seit Sonnabend bilden sogar rund 250 Schwimmer die Elbschwimmstaffel. Sie durchmessen den Fluss etappenweise von Bad Schandau in Sachsen bis Geesthacht in Schleswig-Holstein - insgesamt 575 Kilometer. Denn die Elbe ist inzwischen eine saubere Sache. Zumindest hat sie Badewasserqualität.

Die Elbschwimmstaffel ist Sport und Forschung und Umweltaktion in einem, ersonnen von den Organisatoren des Projekts „Wissenschaftsjahr 2016/17 - Meere und Ozeane“ (das vom Bundesforschungsministerium initiiert worden ist). Immerhin landet das Wasser der Flüsse im Meer. Die Staffel soll Spaß machen und Aufmerksamkeit dafür wecken, dass bei der Elbe schon vieles sehr viel besser, aber längst nicht alles gut ist. Und sie soll die Forschung unterstützen.

Rainer Hesse aus Hemmingen wird am 10. Juli bei Schnackenburg in die Elbe springen, da, wo der Fluss in Niedersachsen ankommt. Hesse schwimmt zwei Kilometer, wie jeder Teilnehmer. Die Etappe an dem Tag geht bis Hitzacker, 47 Kilometer insgesamt.

„Ich brauche 20 Minuten pro Kilometer“, sagt Rainer Hesse, „aber die Strömung wird helfen.“ Hesse ist 60, Bauingenieur fürs Verkehrswesen. Er stellt sich als „Hobbyschwimmer, nicht religiös“ vor: Er redet nicht den halben Tag über Neoprenanzüge und Nahrungsergänzungsmittel. Hesse startet im Alltag für die Wassersportfreunde 98 in Hannover und ist schon quer durchs Zwischenahner Meer und von Langeoog zum Festland geschwommen.

Den Hemminger erwartet eine schöne Strecke. Von außen betrachtet gleicht die Elbe oft einem Naturparadies. „Ökologische Systeme haben ein hohes Regenerationsvermögen. Dass sich die Elbe aber so schnell erholt und auch viele Tiere wie der Elbebiber zurückkommen, das hat kaum jemand erwartet“, sagt Markus Weitere, Gewässerökologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. Der Fluss sei durch Nährstoffe aus der Landwirtschaft und dem daraus entstehenden Algenwachstum allerdings immer noch ein problematischer Fluss. Dazu komme die vom Menschen veränderte Fließform.

„Wenn wir den gesamten ökologischen Zustand des Systems Elbe anschauen, wird er in weiten Teilen als mäßig und unbefriedigend bewertet“, sagt der Wissenschaftler. Sprich: Die chemische Qualität ist okay, an der ökologischen kann man noch arbeiten. Seltene Flussfischarten wie Barbe, Hasel oder Aland sind in die Elbe zurückgekehrt. Auch der Lachs wird wieder angesiedelt. Aber in den am Flussgrund lagernden Schichten und Schwebstoffen finden sich noch Schwermetalle von früher, die etwa bei Hochwasser aufgewirbelt werden. Die Fachleute nennen das das Gedächtnis des Flusses.

Prominente schwimmen mit

Die Schwimmstaffel wird von einer Flotte begleitet, die aus einem Floß für die Schwimmer, einem DLRG-Rettungsboot und einem wissenschaftlichen Begleitboot besteht. Drei Forscherteams nehmen Proben. Sie messen unter anderem die Qualität des Wassers sowie das Algenwachstum und prüfen die Belastung durch Mikroplastik - das sind Restpartikel von Tüten und Plastikflaschen, die nicht zerfallen.

Auch prominente Schwimmer wie Antje Buschschulte sind bei der Staffel, die am 12. Juli am Ziel in Geesthacht erwartet wird, dabei. Und warum macht Rainer Hesse mit? Öko? Forschung? Sport? „Neugier“, sagt er. Er habe gerade in Elbnähe Urlaub gemacht und wolle sich die schöne Gegend mal vom Wasser aus anschauen.

Die Elbe – ein 1091 Kilometer langer Strom

Die Elbe ist mit fast 1091 Kilometern der zwölftlängste Fluss in Europa. Sie entspringt im tschechischen Riesengebirge und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee. Der Name ist wohl aus dem germanischen Wort „Albia“ entstanden, und das bedeutet schlicht: Fluss. Wobei man große Flüsse, die ins Meer münden, heute als Strom bezeichnet. Zu DDR-Zeiten war die Elbe auf rund 100 Kilometern Grenzfluss.
Inzwischen durchfließt sie sieben Bundesländer, darunter Niedersachsen. Insgesamt 24,5 Millionen Menschen leben entlang der Elbe. Anders als der Rhein gilt die Elbe als einigermaßen naturbelassenes Gewässer.
Unter anderem machen ihr aber Belastungen durch die Landwirtschaft zu schaffen. Vor 20 Jahren wurden große Teile der mittleren Elbe zum Biosphärenreservat erklärt.     

Von Ulrike von Leszczynski und Bert Strebe

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