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Der Norden Kitas fürchten Überlastung durch Sprachförderung
Nachrichten Der Norden Kitas fürchten Überlastung durch Sprachförderung
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00:16 22.03.2018
Kitas fürchten eine Überlastung durch die Sprachförderung der Kinder. Quelle: picture alliance / Arno Burgi/dp
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Hannover

Niedersachsens Kindertagesstätten fühlen sich von der Landespolitik alleingelassen. Von August an sollen die Erzieher und Erzieherinnen in den Kindergärten die Sprachförderung der angehenden Erstklässler übernehmen, für die bislang die Grundschulen zuständig waren. Schon heute fehlt in vielen Kindergärten aber das Personal – und auch darüber hinaus bleiben noch viele Fragen offen. So ist zum Beispiel unklar, nach welchen Vorgaben die Erzieher die Sprachförderung abhalten sollen und wer am Ende den Erfolg überprüft. 

Ende Februar hatte der Landtag das neue Schulgesetz beschlossen, das die Verlagerung der Sprachförderung in die Kindergärten ermöglicht. Von diesem Schritt erhofft sich Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) eine bessere Unterrichtsversorgung an Grundschulen: Die Rede ist von rund 500 Lehrerstellen (14500 Lehrerstunden), diedadurch frei werden. Die Änderung des Kita-Gesetzes steht noch aus. 

Zu wenig Kita-Plätze

Viele Kindertagesstätten fürchten nun eine zusätzliche Belastung. Bereits heute kann manche Stadt oder Gemeinde die Nachfrage nach Kita-Plätzen nicht befriedigen. In der Wedemark zum Beispiel fehlen 41 Kindergarten- und 57 Krippenplätze, in Neustadt bekommen 250 Familien keinen Betreuungsplatz. Gleichzeitig wächst durch die Abschaffung der Gebühren für das erste und zweite Kindergartenjahr der Wunsch nach mehr und längerer Betreuung, was zu weiteren Engpässen führt. 

Die Gewerkschaft Verdi bemängelt, dass viele Betreuer gar nicht für die neue Aufgabe qualifiziert seien. Nur weil die Erzieher im Kindergarten mit den Kindern sprächen, seien sie nicht automatisch Experten für die vorschulische Sprachförderung, sagt Gewerkschaftssekretärin Katja Wingelewski.

Sprachförderung im Kindergarten sicherstellen

Auch die Kommunen hatten bereits in der Sitzung des Kultusausschusses im Februar gewarnt: „Im Umfang wie die Schulen können wir die Sprachförderung in den Kitas nicht ad hoc sicherstellen“, sagte Berthold Ernst vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. 

Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling mahnt, ohne eine dritte Kraft in jeder Kita-Gruppe könnten die Erzieher die Sprachförderung nicht übernehmen. Die Grünen warnen vor Chaos in den Kindergärten, Harm Rykena (AfD) befürchtet ein Hin und Her auf dem Rückender Kinder: „Am Ende haben wir einen Jahrgang ohne Sprachförderung.“ Davor warnen auch Rektoren in Hannover. „Dann müssen wir in der Schule das nachholen, was vorher vernachlässigt worden ist“, sagt ein Schulleiter, „eine Entlastung ist das nicht, eher das Gegenteil.“ So planen einige Rektoren zweigleisig und halten einige Kollegen „quasi auf Standby“, wie es eine Schulleiterin ausdrückt. 

Allerdings hat das Land die frei werdenden Lehrer von August an fest an den Grundschulen eingeplant: Derzeit sind 750 Gymnasiallehrer verpflichtet, an Grundschulen auszuhelfen, was wiederum zulasten der Unterrichtsversorgung an den Gymnasien geht.

Von Saskia Döhner

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