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Der Norden So war der erste Tag auf dem Hurricane
Nachrichten Der Norden So war der erste Tag auf dem Hurricane
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00:15 26.06.2018
Die Festival-Crowd tanzt zu Feine Sahne Fischfilet auf dem Hurricane 2018. Quelle: imago/Chris Emil Janßen
Scheeßel

Es sollte um Musik gehen bei einem Festival mit über 100 Bands. Doch das Hurricane-Festival in Scheeßel trägt das Wetter nun einmal im Namen – und sorgt Jahr um Jahr für bange Blicke zu bewölktem Himmel und schlammigen Böden. Die eine oder andere Traditionspfütze hat sich am ersten Festivaltag bereits gebildet. Ansonsten prägt vor allem eines das Körpergefühl auf 134000 Quadratmetern Festivalgelände und 172 Hektar Zelt- und Parkplätzen: ein kalter, böiger Wind, dem sich scheinbar nur in den Menschenmengen vor den Bühnen entrinnen lässt.

Wir müssen auch dann das Maul aufmachen, wenn es wehtun könnte

Auf diesen Bühnen sorgen im Laufe des Tages etliche deutsche Bands aus dem lauteren Spektrum für die notwendige Energie: Adam Angst, Fjört oder die Donots spielen nicht nur Musik mit vielen verzerrten Gitarren, sie vermitteln in ihren Texten auch jede Menge Lebensgefühl. Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern steigern schließlich am frühen Abend die Klarheit politischer Statements mit ihrem kritisch aufgeladenen Stadionpunk. Sänger Monchi ist dafür bekannt, Dinge beim Namen zu nennen. „Wir müssen auch dann das Maul aufmachen, wenn es wehtun könnte“, fasst er das auf der Bühne in volksnahe Worte.

The Offspring tragen noch immer dick auf

Während George Ezra seinen verspielten Gitarrenpop mit einem Schuss Weltmusik würzt, genießt das Publikum eine kurze Sonnenphase. Sie reicht dafür aus, eine Weile trotzig im für Festivalverhältnisse noch überraschend grünen Gras zu sitzen und entspannt im Wochenende anzukommen. Ezra liefert einen passenden Soundtrack mit Leichtigkeit und Leidenschaft, Timbre und samtenem Pathos. Auch die kalifornischen Rotznasenpunks The Offspring tragen noch immer dick auf. Doch ihr musikalischer Mittelfinger erscheint abgenutzter als der der Kollegen Green Day, die beim vergangenen Festival mit einem erstaunlich lebendigen Konzert beeindruckten.

Versteckter Höhepunkt: Thrice

Als London Grammar ihren hypnotischen Licht- und Klangteppich ausrollen, wünschen sich wohl manche, die im eisigen Wind frieren, die Sonne zurück. Doch die Zeit des Zurücklehnens ist vorbei. Die Broilers bringen die Menge dafür mit stylischem Schlagerpunk in Bewegung: „Wenn ihr jetzt mit uns seid, gehen wir zusammen durch die Decke!“ Derweil entpuppt sich die immerhin auch schon zwanzig Jahre alte US-Band Thrice auf der kleinen Bühne als versteckter Höhepunkt. Ihre düstere Implosion aus Grunge, Wave, Postrock und Hardcore verschmilzt nahtlos mit Nacht und Niesel.

Billy Talent liefert die ganz große Show des Tages ab

Two Door Cinema Club läuten mit Electrobritpop, ausreichend Funk und ausgeklügeltem Lichtkonzept den clubbigen Teil des Abends ein, während die Kanadier von Billy Talent auf der ganz großen Bühne die ganz große Show des Tages abliefern. Der Kamerakran zeigt aus der Vogelperspektive Felder am Bühnenrand, die groß mit dem Wort „Fire“ beschriftet sind, um Bühnenunfälle mit Pyro-Effekten zu vermeiden. Hier wirken sie wie eine Erinnerungsnotiz auf dem Handrücken: „Vergiss das Feuer nicht.“ Sie wäre unnötig für diese Band, die alles gibt. Hinter ihrem punkgeprägten Alternative Rock lauern jede Menge Rock’n’Roll und verschrobene Brachialität, satte Dynamik und charismatische Präsenz.

Marteria mit einfallsreichen Beats und klischeefreien Texten

Irgendwann in der Stunde nach Mitternacht gewinnt für viele Besucher die Kälte. Wer nicht albern vom Alkohol wird, wird träge vom schneidenden Wind. Der Rostocker Rapper Marteria versucht es nochmal mit beherzter Animation: „Wir reißen jetzt diese Nacht ab!“ Tatsächlich mobilisieren seine einfallsreichen Beats und angenehm klischeefreien Texte die Hartnäckigen. Andere suchen da schon im Zelt nach etwas Wärme. Ein mögliches Motto für den Rest des Festivals hat Monchi von Feine Sahne Fischfilet Stunden zuvor ausgegeben: „Jeder Mensch hat es verdient, in ein besseres Leben zu flüchten.“ Dass er damit eigentlich auf die weltpolitische Situation anspielt, zeigt umso mehr, dass ein Musikfestival keinesfalls nur eine Flucht vor dem Alltag sein muss.

Programm für den heutigen Sonnabend

Für den heutigen Sonnabend mit Bands wie The Kooks, Biffy Clyro und The Prodigy sowie den morgigen Sonntag mit Bands wie NOFX, Franz Ferdinand, Kraftklub, Arctic Monkeys und Arcade Fire sind jeweils noch Tagestickets in den HAZ-Ticketshops erhältlich.

Von RND/Kaestle

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