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Der Norden Wer kontrolliert eigentlich die Tiertransporte?
Nachrichten Der Norden Wer kontrolliert eigentlich die Tiertransporte?
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07:45 25.10.2017
Von Gabriele Schulte
„Keiner konnte sagen, wie die Fahrt weitergeht“: Amtsveterinäre können Tiertransporte im Zweifel stoppen, tun das aber selten. Quelle: Ulrich Perrey
Celle

Die Bilder auf dem Schreibtisch des Agrarexperten sind schockierend: Hühner und Schweine, die in engen Transportern zerdrückt werden, Rinder, die tagelang an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei hungern. Michael Marahrens vom Friedrich-Löffler-Institut in Celle kennt nicht nur die Bilder, er hat solche Szenen auch schon persönlich miterlebt. Auch der Tierschutzbund beklagt die Zustände bei vielen Tiertransporten und hat gerade eine Million Unterschriften für die Kampagne „Stop the Trucks“, stoppt die Transporter, an die EU-Kommission übergeben.

So schlimm wie auf den Fotos gehe es bei Tiertransporten aus Niedersachsen in der Regel zwar nicht zu, sagt Marahrens, Leiter des Arbeitskreises Tiertransporte des Bundesinstituts. „Aber auf den langen Strecken gibt es noch viel zu verbessern.“ Insbesondere bei den Kontrollen durch die Landkreise liege manches im Argen.

Sachte Stockhiebe für die Rinder

Einen Einblick in die Viehverladung gewährt Masterrind, Zuchtrindmarktführer mit Sitz in Verden. „Los, Mädchen! Hier geht’s lang!“ Vor der Auktionshalle in Bremervörde (Kreis Rotenburg) treiben drei Männer mit sachten Stockhieben Rinder eine Lkw-Rampe hinauf. Einige Tiere drehen dem Laderaum zunächst das Hinterteil zu. Lastwagenfahrer Heino Schult, als Treiber im Einsatz, weiß, worauf es ankommt: „Entscheidend ist, dass man ruhig bleibt. Die merken sofort, wenn man hibbelig wird.“

An diesem Tag geht die Lieferung nur 60 Kilometer weit an Landwirte in der Region. Ursprünglich war eine lange Auslandsreise geplant: Ein Großhändler aus Italien hatte den Kauf einer Lastwagenladung Rinder angekündigt, aber kurzfristig abgesagt. „Es kommt vor, dass sie woanders günstig eingekauft haben“, erläutert Carsten Hoops, Geschäftsführer beim Zuchtunternehmen, das Auktion und Transport organisiert. Ausfuhren sind für Masterrind ein gutes Geschäft; die hiesigen Rinder sind weltweit gefragt. „Zwei Drittel aller aus Deutschland exportierten Rinder stammen aus Niedersachsen“, sagt Hoops.

Italien, Spanien und Polen gehören zu den Hauptabnehmern in Europa, in Nordafrika steuert das Unternehmen vor allem Algerien, Ägypten und Tunesien an. In Marokko hat Masterrind sogar eine Tochterfirma gegründet. Die Kühe müssen unterwegs an zertifizierten Sammelstellen gemolken werden. Wo das nicht möglich ist, etwa auf der bis zu acht Tage dauernden Fahrt nach Usbekistan, würden tragende Tiere geliefert, sagt der Geschäftsführer von Masterrind. Sogenannte lebende Güter sind nicht von den Russland-Sanktionen betrofffen. „Die Nachfrage von dort nach Zuchtrindern hat stark zugenommen, weil Russland möglichst autark werden will“, heißt es bei Masterrind.

Schlachtvieh geht seltener auf so lange Reisen, seit die Europäische Union Subventionen für Exporte etwa in den Libanon gestrichen hat. „Innerhalb Deutschlands führt die Schließung von Schlachthöfen aber dazu, dass Transportwege länger werden“, sagt Heidi Meine-Schwenker von der Landwirtschaftskammer in Oldenburg.

Das Beladen macht Stress

Auch kürzere Fahrten können die Tiere in Aufruhr versetzen. Bei Polizeikontrollen fallen immer wieder Transporter auf, in die zu viele Rinder oder Schweine oder - besonders oft bemängelt - Hähnchen gepfercht wurden. Marahrens erforscht in Celle im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums Transportbedingungen. Der Stress der Tiere lässt sich über Blutproben und Blutdruckmessungen erfassen, berichtet er. „Beim Beladen der Transporter ist er besonders groß“, habe sich bei begleiteten Fahrten herausgestellt.

Viel wäre seiner Ansicht nach gewonnen, wenn die Landkreise einheitlich die langen Transporte nur unter strengen Bedingungen genehmigen würden. Daran aber hapere es. „Die Möglichkeit der Überprüfung von GPS-Daten wird nicht konsequent genug genutzt“, sagt Marahrens, der sich auch in Bund-Länder-Gremien mit dem Thema befasst. Damit ließe sich nachvollziehen, ob abgesprochene Routen, Fahrtzeiten und Pausen wirklich eingehalten wurden. Im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein verlange Niedersachsen von den Veterinärämtern keine Überprüfung der elektronischen Daten, die bei der Fahrt unter anderem von Wärmesensoren aufgezeichnet werden, kritisiert der Wissenschaftler: „Eine Anweisung würde reichen.“ Das Besprechen der Route im Vorfeld, Grundlage der amtstierärztlichen Unterschrift vor jedem mehr als acht Stunden dauernden Transport, garantiere dagegen nicht, dass die Vorgaben auch eingehalten werden. Im Übrigen sei schon die Verständigung mit den oft aus Osteuropa stammenden Fahrern ein Problem.

Darüber, was Tieren zumutbar ist, sind die Veterinärämter unterschiedlicher Meinung. Der Landkreis Uelzen etwa hat nach Einschätzung des Löffler-Instituts das Wohl der Tiere besonders im Blick. Zwei Rindertransporte über die Adria in den Libanon hat Amtstierarzt Jörg Pfeiffer im Sommer angesichts der Hitze im Zielland abgelehnt: „Im Hafen waren es 37 Grad, und keiner konnte mir sagen, wie die Fahrt von da aus weitergeht.“

Schon 2014 hat der Kreis sich vor Gericht gegen einen Spediteur durchgesetzt: Ruhezeiten von Fahrern sind demnach in die Transportzeit voll einzurechnen. Einen zweiten oder gar dritten Fahrer einzusetzen, was die Belastung für die Tiere um etliche Stunden verkürzen würde, ist aber teuer. Im Kreis Uelzen ging die Zahl der Transportanträge denn auch drastisch zurück. Wurden 2011 noch 57 Rindertransporte abgefertigt, waren es 2016 nur vier. Die Tiere werden jetzt häufiger anderswo in Niedersachsen Richtung Ausland verladen.

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