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Der Norden Siri, Alexa und Co. schnacken kein Plattdeutsch
Nachrichten Der Norden Siri, Alexa und Co. schnacken kein Plattdeutsch
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10:36 22.02.2018
Smalltalk funktioniert mit gängigen Sprachassistenten im Handy ganz gut, doch was passiert, wenn der Sprechende im starken Dialekt spricht?  Quelle: dpa
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Hamburg

  Für Norddeutsche, die ausnahmsweise mal in Plauderlaune sind, ist Siri nichts. „Siri, wollen wir mal klönen?“ - bei dieser Frage muss die smarte Spracherkennung von Apple passen. Auch Amazons Alexa reagiert verwirrt. Überhaupt haben es Siri, Alexa oder der Google Assistant in Smartphones oder Lautsprechern mit norddeutschen Ausdrücken oder Plattdeutsch nicht so.

Fragt man Siri etwa wo es die nächsten Brötchen gibt, erscheint sofort eine Karte mit den Bäckereien in der Umgebung. Bei der Frage des Hamburgers nach seinen „Rundstücken“ muss der Sprachassistent dagegen passen. Der Google Assistant im Smartphone verweist da wenigstens auf einige Zeitungsartikel, in denen das Wort vorkommt.

„Das weiß ich leider nicht“

Auch die Frage nach „Plüschmors“ - dem norddeutschen Wort für Hummel - kann Alexa nicht beantworten. Beim „Peterwagen“ ist Alexa dümmer als die Polizei erlaubt, Siri verweist dagegen immerhin auf Wikipedia-Einträge zu dem Polizeiwagen. Auch das ursprünglich für kleine Kinder angewandte plattdeutsche Kosewort „Schietbüdel“ lässt die Assistenten ratlos zurück. Und auch in vielen anderen Fällen kommen ausweichende Antworten oder manchmal ein ehrliches „das weiß ich leider nicht“.

Besser klappt das Gespräch mit einem freundlichen „Moin Moin“. Hier kommt bei Siri prompt ein „Hallo“ oder auch mal ein „Hi“ zurück. Alexa antwortet mit einem „Moin, Moin“. Google merkt bei einem späten „Moin Moin“ an, dass es bereits abends ist und reagiert mit der genauen Uhrzeit.

Kein flüssiges Bayrisch

Auch bei anderen Dialekten gibt es Aussetzer, aber manches klappt auch. „Ich arbeite noch an Oachkatzlschwoaf“, antwortet „Siri“ - gefragt, ob sie Dialekt sprechen kann. Ganz flüssig klingt die bairische Vokabel für den „Eichhörnchenschwanz“ tatsächlich noch nicht. Die Macher der Spracherkennung bei Apple haben aber einiges programmiert: Aus dem bairischen „Buidl“ wird erfolgreich „Bild“ gemacht. Sächsisch versteht Siri recht problemlos. „Alexa“ reagiert ebenfalls passend auf die auf Fränkisch gestellte Frage „Wie spät is es edzerdla?“ (Wie spät ist es gerade?). Auf die in Niederbayern gängige Formulierung „Habe die Ehre“ antwortet „Alexa“ total entzückt, sie habe auch die Ehre und freut sich einen Monolog lang, wie höflich man sich ausdrücke.

Ist Dialekt also gar keine Herausforderung mehr für die Technik von heute? Nunja... „Hinterfotzig“ scheut sich „Siri“ offenbar zu übersetzen - und macht daraus wahlweise „hinter 40“ oder „Vorzüge“. Wer sich fränkisch von „Alexa“ mit „adele“ im Sinne von tschüss verabschiedet, bekommt nicht wie üblich einen schönen Tag gewünscht sondern Songtitel der Sängerin Adele vorgeschlagen.

40 bis 50 Dialekte

„Bei lernenden Systemen gibt es einen Toleranzbereich“, sagt Sprachwissenschaftler Lars Bülow von der Universität Passau, der an Tests von Sprach-Dialog-Systemen im Automotive-Bereich mitgewirkt hat. Regional gefärbte Alltagssprache mit rollendem R oder dumpfem A mache der Technik meist keine großen Probleme. Zu berücksichtigen seien aber lexikalische Varianten - also unterschiedliche Wörter für ein- und denselben Begriff - sowie akustische und grammatikalische Variationen.

Allein Deutschland lasse sich bei der Unterscheidung von Dialekten in 40 bis 50 kleinräumige Regionen unterteilen, sagt der Forscher. „Die Frage ist, wie sensibel soll programmiert werden?“, meint Bülow. Interessant wäre natürlich ein Blick hinter die Kulissen.

„Für Plattdeutsch bin ich noch zu lütt“

Doch Google möchte sich dazu nicht äußern. Amazon antwortet auf mehrfache Nachfrage nicht. Und auch Apple lässt sich beim Thema Dialekte/Spracherkennung nicht in die Karten gucken. Ein Sprecher verweist lediglich darauf, dass in den Systemeinstellungen des iPhones Sprachvarianten wie „Deutsch (Österreichisch)“ und „Deutschland (Schweiz)“ ausgewählt werden können.

Dabei haben sich die Programmierer den einen oder anderen Scherz erlaubt: Fragt man „Siri“, ob sie Dialekt sprechen kann, bekommt man etwa: „Mein Dothrakisch ist gar nicht mal so schlecht“, worüber „Game-of-Thrones“-Fans schmunzeln dürften. Der Google Assistant antwortet auf die Frage, ob er Plattdeutsch spricht: „Für Plattdeutsch bin ich noch zu lütt, das muss ich erst noch lernen.“

Von Thomas Müller und Marco Krefting

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