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Der Norden Seenotrettung gehört zur Familientradition
Nachrichten Der Norden Seenotrettung gehört zur Familientradition
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09:50 01.09.2017
Ganz wie seine Vorfahren: Gerriet Leiß am Steuer des Seenotrettungsbootes "Casper Otten". Quelle: dpa
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Gerriet Leiß war sechs Jahre alt, als sein Vater auf Langeoog Vormann wurde - so nennen die Seenotretter ihre Kapitäne. Jede freie Minute verbrachte der Junge mit an Bord, durfte auch zu Einsätzen mit raus, wenn das Wetter nicht zu schlecht war. Es kam, wie es kommen musste: Seit 2004 ist der heute 50-Jährige selbst bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) festangestellter Vormann. Damit setzt er eine Familientradition auf der ostfriesischen Insel fort, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Gerriet ist bereits der fünfte Leiß, der der freiwilligen Seenotretter-Crew auf Langeoog vorsteht. Von 1973 bis 1991 hatte das Amt sein inzwischen gestorbener Vater Heinrich inne. Auch viele ehrenamtliche Seenotretter auf der Insel hießen Leiß, etwa Gerriets Opa. Vor seiner Zeit als hauptamtlicher Retter arbeitete er als Bäcker, später in einem Fischgeschäft. „Ich bin mit 16 offiziell freiwilliges Besatzungsmitglied geworden“, erzählt er.

Das ungewöhnliche Engagement der Familie Leiß blieb bei der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger natürlich nicht unbemerkt: Als mit Heinrich schon der vierte Leiß Vormann auf der Insel wurde, wurde 1985 erstmals zu Lebzeiten eines Seenotretters ein Kreuzer nach dessen Familie benannte. Die „Vormann Leiß“ war bis vor zwei Jahren auf Amrum stationiert. „Das Namensschild hängt bei mir im Wohnzimmer“, sagt Gerriet.

Angefangen hat die Geschichte der Familie Leiß auf Langeoog wohl 1723. „Da ist ein Herr Leiß auf die Insel gekommen und hat das Amt des Strandvogts übernommen“, sagt Gerriet Leiß. Über 100 Jahre später machten dann erstmals zwei Leiß-Schwestern als Seenotretterinnen von sich reden. In einer stürmischen Nacht im August 1828 schafften sie es, die Besatzung eines sinkenden niederländischen Wattenseglers auf die Insel zu bringen. „Davon hat mir mein Vater schon erzählt“, sagt Gerriet Leiß.

Erst vor kurzem wurde die Heldentat der zwei Frauen durch neu entdeckte Originalunterlagen im Staatsarchiv Amsterdam auch belegt. Die beiden Retterinnen waren damals von einer niederländischen Stiftung für ihre „edelmütige Frauentat“ mit 25 Goldstücken belohnt worden.

Die Rettung ereignete sich lange bevor die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gegründet wurde - und lange bevor es die erste Rettungsstation auf Langeoog gab. Die wurde 1861 eingerichtet. Und wie hieß ihr erster Vormann? Richtig: Leiß, mit Vornamen Johann Adam und in direkter Linie mit Gerriet verwandt.

Kinder hat der 50-jährige Insulaner nicht. Trotzdem kann es künftig weiterhin Seenotretter mit dem Namen Leiß geben. „Mein Vetter ist Kapitän und Weserlotse und hat zwei kleine Jungs“, sagt er. „Vielleicht fährt von denen mal jemand zur See und wird später Vormann.“ Es wäre dann der sechste mit dem Namen Leiß.

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